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Amerika

Shakira zwischen Slum und rotem Teppich

Wenn Weltstar Shakira nicht gerade auf der Bühne steht - wie dieser Tage in Deutschland - reist sie durchs Hinterland ihrer Heimat Kolumbien. Dort, wo sich der Staat längst abgemeldet hat, baut ihre Stiftung Schulen.

Porträt Shakira in Kolumbien (Foto: DW / Tobias Käufer)

Shakira will möglichst viele arme Kinder in die Schule bringen

Für die kleine Maria ist es der Besuch eines blonden Engels. Minutenlang starrt das siebenjährige Mädchen mit weit aufgerissenem Mund auf die zierliche Frau mit den Engelshaaren. Dann nimmt sie ihren ganzen Mut zusammen, spaziert auf die fremde und doch so vertraute Frau zu und streichelt ihr über die blonde Mähne. Ja, sie ist es wirklich: Shakira Melbarak steht plötzlich mitten im Klassenzimmer. Unangekündigt, überraschend und wie ein Wirbelwind huscht der Weltstar durch die Räume der Schule "Pies descalzos" in der Stadt Quibdó in der Provinz Chocó. Hier ist die afrokolumbianische Bevölkerung zu Hause. Es ist brütend heiß, die Luftfeuchtigkeit ist unerträglich. Selbst Shakira, die normalerweise nie schwitzt, fließt der Schweiß aus allen Poren. Sie liebt diese unangekündigten Besuche. Gleich fünf Schulen hat sie mit ihrer Stiftung "pies descalzos" bereits in ihrem Heimatland bauen lassen. Das Schulgelände in Quibdó ist eine der ersten Einrichtungen, deswegen trägt es den Namen der Stiftung.

Sängerin Shakira unterwegs in Quibdo, Kolumbien Departament Choco (Foto: DW/Tobias Käufer)

Liebt unangekündigte Besuche: Shakira in Quibdo, Provinz Choco

Die Provinz Chocó ist ein gefährliches Pflaster. Hier - weit weg von der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá - tobt der Drogenkrieg. Hier liefern sich die brutalen Rebellen der linksgerichteten Farc-Guerilla und die nicht minder skrupellosen rechten Paramilitärs täglich Gefechte. Es geht vor allem um die Beherrschung der Drogenanbaugebiete und der Schmuggelrouten. Die Armee kämpft gegen beide Seiten, oft gerät die Zivilbevölkerung zwischen die Fronten. Doch der Rest des Landes verschließt die Augen vor dieser unangenehmen Wahrheit. Shakira ist nicht das erste Mal hier. In der Regel hält sie ihre Besuche geheim. In dieser umkämpften Zone muss nicht jeder wissen, wenn Prominenz im Anmarsch ist. Die kriminellen Banden schrecken auch vor Entführungen von Prominenten nicht zurück. Die ehemalige Präsidentschafts-Kandidatin Ingrid Betancourt war jahrelang in der Gewalt von Farc-Rebellen.

10.000 Shakira-Schüler

Um ihre Schule zu besuchen, muss Shakira das schwer gepanzerte Fahrzeug verlassen. Die letzten 200 Meter geht es nur noch zu Fuß weiter. Die letzten Schritte führen über eine Brücke, die nur aus einem schmalen Brett besteht. Nun genießt Shakira die Blicke und die Fragen der Kinder. "Ich habe viel Glück gehabt in meinem Leben. Ich habe geschworen, etwas davon abzugeben", begründet sie ihr Engagement. Deswegen baut sie dort Schulen, wo der Staat die Hoffnung längst aufgegeben hat. In den Slums von Bogotá ebenso wie in ihrer Heimatstadt Barranquilla oder hier in der bettelarmen Provinz Choco. "Wenn ich in diese Augen sehe, dann sehe ich ein Potential, das wertvoll für die Gesellschaft sein kann. Wir dürfen dieses Potential nicht einfach liegen lassen", mahnt sie ihre Landsleute. Inzwischen besuchen mehr als 10.000 kolombianische Kinder die von Shakira finanzierten Schulen. Und es sollen noch mehr werden.

Sängerin Shakira in Quibdo, Kolumbien Departament Choco (Foto: DW / Tobias Käufer)

"Ja, sie ist es wirklich!": In Kolumbien wird Shakira Melbarak wie eine Göttin verehrt

Hilfsaktionen von Prominenten sind nichts Außergewöhnliches, dennoch ist Shakira eine Ausnahme. Denn sie informiert sich vor Ort und persönlich über den Erfolg ihrer sozialen Arbeit. Sie kommt unangekündigt, ohne großen Medientross. Selbst die wenigen Journalisten, die mitreisen dürfen, müssen bei besonders bewegenden Momenten draußen bleiben. Längst ist Shakira in Lateinamerika so etwas wie eine Anwältin der Armen geworden. Sie hat dank ihrer Prominenz Zugang zu den Mächtigen des Kontinents. Sie fordert in den Präsidentenpalästen von Santiago bis Bogotá, von Buenos Aires bis Mexiko-Stadt: Der Staat soll mehr gegen die Armut tun.

In ihrer Heimat gottgleich

Immer wieder verkündet sie ihre Botschaft: "Wir alle wissen, dass Erziehung und Bildung der Schlüssel ist, um die Talente unserer Kinder zu entwickeln. Und sie sind ein machtvolles Instrument, um den Kreislauf der Armut zu durchbrechen." Was jetzt noch kommen könne, fragen sich nicht nur ihre Fans. In der Heimat wird sie verehrt wie eine Göttin, sie hat kommerziellen Erfolg, der seinesgleichen sucht und sie verfügt über weltweite Kontakte, die sich mancher Staats- und Regierungschef wünscht. Ihre Antwort ist simpel: "Ich will weiter Musik machen und noch viel mehr Schulen bauen."

Autor: Tobias Käufer

Redaktion: Sven Töniges, Annamaria Sigrist

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