Sexismus-Debatte: Nymphen-Gemälde hängt wieder | Kunst | DW | 06.02.2018
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Kunst

Sexismus-Debatte: Nymphen-Gemälde hängt wieder

1896 malte John William Waterhouse eine Szene mit viel nackter Weiblichkeit. Die Manchester Art Gallery entfernte sein Bild - und erntete damit viel Kritik. Nach der Aktion zeigt sich das Museum sehr zufrieden.

Bisher waren die Gemälde des Briten John William Waterhouse über jeden Zweifel erhaben. Sie hängen in zahlreichen Museen und haben noch nie Anlass zu Beschwerden gegeben. Auch nicht sein Werk "Hylas und die Nymphen", das eine Szene aus der griechischen Mythologie zeigt. Darin wird ein junger Mann von mehreren nackten Nymphen in einen Teich in den Tod gelockt.

In einer Zeit, in der die ganze Welt über #Metoo und Sexismus debattiert, fühlte sich die Kuratorin der Manchester Art Gallery, Clare Gannaway, inspiriert, ebenfalls ein Zeichen zu setzen. Und so verschwand das Gemälde von Waterhouse von einem Tag auf den anderen aus der Ausstellung. Daraufhin hagelte es Zensurvorwürfe in den Sozialen Medien.

"Hängt das Bild wieder auf. Das erinnert so sehr an Zensur, an Faschismus und 'degenerierte Kunst'", schrieb ein User auf Twitter und sprach damit vielen aus der Seele.

Kuratorin Clare Gannaway wies die Zensurvorwürfe scharf zurück. Man wolle im Gegenteil eine Debatte auslösen, wie Bilder in der heutigen Zeit gezeigt werden sollten, erklärte sie vergangene Woche in einer Pressemitteilung. "Diese Galerie präsentiert den weiblichen Körper als entweder 'passiv-dekorativ' oder 'femme fatale'. Lasst uns diese viktorianische Fantasie herausfordern!" Und erklärte dann, das Abhängen sei Teil einer eigenständigen Kunst-Performance gewesen: An der Stelle, an der das Gemälde hing, sollten Museumsbesucher ihre Diskussionsbeiträge auf kleinen Zetteln an die Wand pinnen. Auch im Internet konnte man sich unter dem Hashtag #MAGSoniaBoyce zu der Aktion äußern. 

Scharfe Kritik im Netz 

Das tat zum Beispiel diese Userin mit scharfen Worten: "So etwas als Kunstaktion zu deklarieren, verschleiert nicht den autoritär erhobenen moralischen Zeigefinger als Teil eines um sich greifenden puritanischen, tyrannischen und intoleranten Feminismus. Das ist gefährlich und hat nichts mit dem Feminismus zu tun, mit dem ich aufgewachsen bin."

Ein andere User schrieb: 

"Das Entfernen eines Gemäldes ist genauso wenig eine Kunstaktion wie das Verbrennen eines Buches ein Literaturevent."

Auch dieser Kommentator fand klare Worte: "Sie haben gerade Millionen von Frauen erzählt, dass sie sich für ihren Körper schämen sollen. Burkas für alle."

Andere sehen die Aktion der Galerie gelassener: "Gähn". schreibt jemand. "Hier kommt mal richtige Konzeptkunst." 

Inzwischen, nach gerade Mal einer Woche, ist das Bild wieder an seinen Platz zurückgekehrt. "Wir hatten damit gerechnet, dass wir eine hitzige Debatte auslösen würden, aber über diese riesige Resonanz waren wir doch überrascht", schreibt das Museum auf seiner Homepage. Man hoffe nun darauf, die geweckten Emotionen auch in weitere Diskussionen über die Ausstellung und Interpretation von Kunstwerken in der eigenen Sammlung zu lenken.

suc/kl/bb/pg (dpa, manchesterartgallery.org)

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