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Wissen & Umwelt

Sex: Der Panda macht es nicht gern mit jedem

Wir alle wollen bestimmen, mit wem wir Sex haben. Eine Studie zeigt: Große Pandas sind da keine Ausnahme. Mit ihrem Traumpartner paaren sie sich öfter und haben mehr Nachwuchs. Zuchtprogramme sollten das berücksichtigen.

Stellen Sie sich vor, jemand würde den Sexpartner für Sie auswählen. Er oder sie ist der Beste, den Sie bekommen können, was das Erbgut angeht und die Kinder, die Sie haben werden. Entscheiden Sie sich: Schlafen Sie mit dem hier - oder lassen Sie es ganz bleiben. Irgendwie blöd, oder? Ein Pandabär denkt vermutlich genauso.

In Zoos und anderen Einrichtungen, die Große Pandas züchten, stellen Menschen normalerweise die Zuchtpaare zusammen. So wollen sie Inzucht vermeiden und Fortpflanzungsraten maximieren. Alles kommt dabei auf die Gene an. Die persönlichen Vorlieben eines Pandabären spielen bei diesem Auswahlprozess keine Rolle. Das sollten sie aber,

schreiben jetzt

Meghan Martin-Wintle vom San Diego Zoo und ihre Kollegen im Journal "Nature Communications".

Junger Pandabär im CCRCGP Forschungszentrum Sichuan Foto: San Diego Zoo/M. Martin-Wintle

Die Forscher wollten wissen, wie man es schafft, dass noch mehr Pandabärenbabys wie dieses zur Welt kommen

Wie sexuell erregte Pandas aussehen

Die Forscher stellten Große Pandas einander vor, die im "Bifengxia Chinese Conservation and Research Center for the Giant Panda" in der Provinz Sichuan in China leben. Sie dokumentierten, welche Tiere einander mochten und welche nicht.

Zeichen, dass sich Pandabären mögen, können sein: das Setzen von Duftmarken, das Miteinanderspielen, Herumrollen und Urinieren, schreiben Martin-Wintle und ihr Team. Andere offensichtliche Anzeichen sind Selbstbefriedigung und beim Männchen eine Erektion. Mögen sich ein Männchen und ein Weibchen hingegen nicht, ignorieren sie einander, jammern, knurren oder greifen sich sogar gegenseitig an.

Nachdem die Forscher die Vorlieben der Bären notiert hatten, stellten sie Panda-Paare zusammen - auch in diesem Fall nach genetischer Eignung der Tiere laut Zuchtplan. Und sie beobachteten, was dann passierte.

Mehr Sex, mehr Babys

Pandabären, die einander zugetan waren, hatten doppelt so häufig Sex miteinander wie Paare, die sich nicht mochten. Am größten waren die Erfolgschancen, wenn sich beide Tiere gegenseitig gleich gern mochten. Sie paarten sich in insgesamt 72 Prozent der Fälle. Paare, die sich nicht mochten, hatten nur in einem Drittel der Fälle überhaupt Sex miteinander. Sprich: In den meisten Fällen lief gar nichts.

Tiere, die sich mochten, bekamen auch mehr Nachwuchs zusammen: 1,4 Pandababys im Vergleich zu einem Baby bei Paaren, die sich nicht leiden konnten.

Typischerweise bringt eine Pandamutter ein oder zwei Jungtiere zur Welt.

Wenn sich die Tiere aber nicht paaren, dann gibt es logischerweise überhaupt keinen Nachwuchs.

"Wenn die Manager die Vorlieben der Pandas in das Zuchtprogramm einbeziehen würden, gäbe es viel mehr Pandanachwuchs in Chinas Zuchtprogrammen", schlussfolgern Martin-Wintle und ihre Kollegen.

Pandabärmutter mit Nachwuchs im CCRCGP Forschungszentrum Sichuan Foto: San Diego Zoo/M. Martin-Wintle

Mögen sich Mama und Papa, kommen mehr Pandabärenbabys zur Welt

Lasst sie mitentscheiden!

Also bekommen Pandabären, die sich mögen, mehr Nachwuchs als solche, die nur durchs menschliche Gutdünken zusammengebracht wurden. Ist das wirklich so erstaunlich? Vermutlich nicht - wenn man es aus der menschlichen Perspektive betrachtet.

Allerdings darf man nicht vergessen: Auch Pandas, die sich offensichtlich zunächst abstoßend fanden, hatten in einem Drittel der Fälle Sex, und es kamen kleine Pandas zur Welt. Das eben mag Züchter zu der Annahme verleitet haben, dass persönliche Vorlieben im Sexleben der Pandabären unwichtig seien.

Entscheidend ist die genetische Ausstattung eines Bären - nicht ganz zu unrecht: Züchter wollen nicht, dass aufgrund von Fehlpaarungen seltene Erbkrankheiten unter diesen wertvollen Tieren auftauchen. Chinas Zuchtprogramm will genug Pandas erzeugen, damit diese später in die Freiheit ausgewildert werden können. Sie müssen also absolut gesund sein.

Vorschlag der Forscher: Die Züchter bestimmen zunächst, welche Pandas genetisch zueinander passen - und lassen diese Bären erst dann untereinander auswählen. So könnte man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Auch bei anderen bedrohten Tierarten wäre diese Vorgehensweise empfehlenswert, sagen die Forscher.

Zwei junge Pandabären Photo: ChinaFotoPress/Li Wei/MAXPPP

Pandabären aus Zuchtprogrammen sollen irgendwann ausgewildert werden

Sexfaule Pandas?

1.864 Pandabären leben in der freien Natur, hatte das chinesische Forstamt in Peking im März dieses Jahres berichtet. Die gute Nachricht: Das sind 268 Tiere mehr als bei der letzten Schätzung im Jahr 2004.

Es heißt, Große Pandas seien zu faul, sich zu paaren und vermehrten sich daher nur langsam. Aber "das ist nur eine Legende", sagte Köhncke vom World Wide Fund for Nature (WWF) vor einiger Zeit im DW-Interview. "Pandas vermehren sich nicht schlechter als andere Bären." Das Gerücht sei entstanden, weil Pandabären sich in Gefangenschaft nur schwer nachzüchten ließen - zumindest bevor die künstliche Besamung ihren Einzug in die Zoos fand.

Pandaweibchen akzeptieren nicht jedes Männchen. Hinzu kommt, dass Pandaweibchen nur wenige Tage im Jahr fruchtbar sind. Sie haben oft gerade mal 36 Stunden, um einen geeigneten Partner zu finden und Babys zu zeugen. Also haben auch die Zoos nur diese Zeitspanne, um zwei Pandas miteinander zu verpaaren, damit das Weibchen trächtig wird und Junge wirft. Klappt das nicht, bleibt nur die teure und für die Pandabären weniger angenehme künstliche Befruchtung. Umso wichtiger also, dass die Pandabären in Zukunft bei ihrem Sexleben ein Wörtchen mitzureden haben.

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