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Wissen & Umwelt

Seuchengefahr auf den Philippinen

Hunderttausende Menschen warten nach dem Taifun Haiyan dringend auf Lebensmittel, Trinkwasser und Medikamente. Durch verschmutztes Trinkwasser droht nun auch die Ausbreitung von Krankheiten.

Zerstörte Straßen, Trümmer von eingestürzten Gebäuden, verwesende Körper von Menschen und Tieren. "Es sieht dort aus wie im Krieg", beschreibt Andreas Schultz die Lage auf den Philippinen nach dem Taifun "Haiyan". Der Direktor von Ärzte der Welt hat bereits sein zweites Notfallteam entsendet. Die Gruppe kümmert sich gemeinsam mit einheimischen Kollegen auf der Inselgruppe Visayas um die medizinische Sofortversorgung der Verletzten, die durch mitgerissene Trümmerteile oder einstürzende Gebäude verwundet worden sind.

Sein Team aus Ärzten, Logistikern und Psychologen stoße vor Ort immer wieder an seine Grenzen, sagt Schultz im Gespräch mit der DW: "Momentan ist für sie das größte Problem überhaupt irgendwo hinzukommen“, sagt Schultz. Die Infrastruktur sei durch den Taifun beinahe komplett zusammengebrochen. Seine Mitarbeiter hätten allein für die Strecke vom Flughafen Tacloban bis in die Stadt vier Stunden gebraucht - diese Strecke legten sie normalerweise in 20 Minuten zurück.

Verschmutztes Trinkwasser als Herd für Keime

Schultz spricht von einer Art Müllschlamm: "Dreck liegt überall herum, vor allem Fäkalien. Die sind ein wahnsinniger Herd für Keime, die sich dort verbreiten können." Auch für Christina Frank vom Robert-Koch Institut sind Fäkalien, die das Wasser verschmutzen, das Hauptproblem, Leichen und Tierkadaver dagegen nicht. Durch den Sturm seien Brunnen verunreinigt, Trink- und Abwasserleitungen zerstört. "Jetzt drohen infektiöse Durchfallerkrankungen. Aber auch Krankheiten wie Leptospirose, Hepatitis A und E, die über Fäkalien übertragen werden können, stellen eine Gefahr dar. Wunden können sich durch Kontakt zu verunreinigtem Wasser und Schmutz leicht entzünden." Zudem würden die Menschen in der Not auch verschmutztes Wasser trinken.

Paradies für Mücken

Frank warnt außerdem vor stehendem Wasser: Durch die Überschwemmungen mit Meerwasser und die starken Regenfälle seien Pfützen und kleine Teiche entstanden, die nur langsam austrocknen.

"Immer da, wo viel Wasser ist, haben Insekten bessere Brutbedingungen. Es gibt viele Krankheiten, die von Insekten übertragen werden, wie Malaria oder Denguefieber“, ergänzt Christian Meyer vom Bernhard-Nocht-Institut. Er befürchtet auf den Philippinen jedoch eher Erkrankungen, die über verseuchtes Wasser übertragen werden: "Sobald das Wasser einmal kontaminiert ist, ist es sehr schwer, durch Trinkwasseraufbereitungsanlagen das Auftreten von Seuchen zu verhindern." Gerade Erkrankungen wie Cholera, die in Asien immer wieder vereinzelt auftritt, könnten laut Meyer unter solchen Bedingungen zu großen Epidemien führen.

Für Christina Frank ist Cholera jedoch nur die Spitze des Eisberges: "Auch Typhus ist eine sehr ernsthafte Erkrankung, die ohne Behandlung tödlich sein kann." Und auch Durchfallerkrankungen, die unter normalen Umständen nicht lebensbedrohlich sind, können gefährlich werden. "Wenn die Ernährungssituation schlecht ist, schwächt das auch das Immunsystem. Vor allem für Kinder kann schon ein relativ normaler Durchfall lebensbedrohlich werden", erklärt Frank.

Wichtig ist eine funktionierende Trinkwasserversorgung

Bakterielle Krankheiten, etwa Wundinfektionen, lassen sich relativ einfach mit Antibiotika bekämpfen. Christina Frank hält deshalb eine Bereitstellung dieser Medikamente für wichtig. Auch über Impfungen gegen Tetanus müsse man nachdenken. Dieses Problem sei beispielsweise nach dem Tsunami in Indonesien aufgetaucht. Am wichtigsten sei aber, sauberes Trinkwasser und Nahrungsmittel bereitzustellen und Latrinen aufzubauen, um zu verhindern, dass weiterhin Abwässer das Trinkwasser verschmutzen.

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