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Kultur

Sesamstraße kommt in die Jahre

Die Sesamstraße ist ein Exportschlager: In mehr als 140 Ländern lernen Kinder auf spielerische Weise die Welt der Buchstaben und Zahlen kennen. Die erste Folge wurde bereits vor 35 Jahren in den USA gesendet.

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Kermit und Miss Piggy

Die Studiodekoration der "Sesame Street", wie die erfolgreiche Kindersendung im US-Original heißt, wirkte bei der ersten Ausstrahlung im November 1969 alles andere als einladend. Die Muppet-Figuren von Jim Henson saßen in verbeulten Mülltonnen herum und die Straßenszenerie entsprach dem Ambiente des New Yorker Ghettos.

Joan Ganz Cooney, die Erfinderin der Sesame Street, hatte die ungewöhnliche Studiodekoration bewusst ausgesucht. Die Sendung richtete sich gezielt an Drei- bis Sechsjährige aus sozial schwachen Familien, die mit Geschichten aus ihrer Umgebung auf den Schulstart vorbereitet werden sollten. Bei der Auswahl der Puppen und der menschlichen Darsteller achtete die Fernsehproduzentin zudem darauf, dass verschiedene ethnische Gruppen vertreten waren.

9000 Stunden vor dem Fernseher

TV-Serie Sesamstraße

Puppenspieler der US-amerikanischen Kindersendung "Sesame Street" im März 1976

Das Fernsehen eigne sich besonders gut als Medium für Kleinkinder, glaubten die Väter und Mütter der Sesamstraße. Studien besagten, dass viele Kleinkinder bis zu ihrer Einschulung schon 9000 Stunden vor der Mattscheibe verbringen. Die einzelnen Geschichten der "Sesame Street" wurden den Kindern als leicht verdauliche Lernhappen präsentiert.

In Deutschland starteten die ARD-Anstalten die "Sesamstraße" erst 1973 mit einem eigenständigen Rahmenprogramm, das auf deutsche Verhältnisse und Bedürfnisse zugeschnitten war. Statt Buchstaben- und Zahlen-Akrobatik stand in Deutschland die Vermittlung von sozialen Kompetenzen im Vordergrund.

Medienforscher Will Teichert begleitete die Sesamstraße in den 1970er Jahren mit einer groß angelegten Studie am Hamburger Hans-Bredow-Institut: "Es herrschte damals eine geradezu euphorische Stimmung. Wir fragten uns, welche Folgen der regelmäßige Konsum der Sesamstraße auf das Verhalten und auf die Fähigkeiten der Kinder hat. Dabei interessierte uns insbesondere, ob sich der Fernsehkonsum auf das Sozialverhalten der Kinder auswirkt, also konkret: Wie gehen Kinder mit Gleichaltrigen um, wie lösen sie Konflikte und wie verändert sich das Verhältnis zu Erwachsenen."

"Besseres Sozialverhalten"

Ernie mit quitsche Entchen Sesamstrasse

Ein seltenes Bild: Ernie ohne Bert

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten, dass die Sesamstraße durchaus lehrreich sein kann: "Im kognitiven Bereich waren deutliche Fortschritte bei den Kindern erkennbar", so Professor Teichert, "allerdings waren häufig Kinder im Vorteil, die grundsätzlich von ihren Eltern beim Lernen unterstützt wurden. Dazu gehören überwiegend Kinder aus gehobenen Lebensverhältnissen." Das Sozialverhalten der jungen Fernsehzuschauer verbesserte sich ebenfalls. Die Kinder lernten früher als andere Kinder, in Konfliktsituationen nachzugeben und sich mitunter anderen Meinungen anzupassen.

Jahrzehnte sind seitdem vergangen und das Konzept der Sesamstraße hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Ziel war es, "das Format jung zu halten", so die Redaktion der Sesamstraße beim Norddeutschen Rundfunk (NDR). Die Geschichten werden nun kürzer erzählt und auch die Musik spielt eine größere Rolle als früher. "Wir haben seit dem Jahr 2000 darüber hinaus unsere Erzählweise gelockert und setzen verstärkt auf Comedy sowie auf prominente Gäste," erläutert NDR-Redakteurin Birgit Ponten das moderne Sendekonzept.

HIV-infizierte Puppe

In anderen Ländern werden wiederum landestypische Probleme thematisiert. So klärt in der südafrikanischen Version namens "Takalani Sesame" eine HIV-infizierte Puppe über die Gefahren von AIDS auf. Israel, Jordanien und die palästinensischen Gebiete produzieren gemeinsam eine Sendung, in der für gegenseitiges Verständnis geworben wird.

Das aktuellste Sesamstraßen-Projekt wird noch im November 2004 im Kosovo gestartet. Die Ausstrahlung von insgesamt 52 halbstündigen Sendungen mit den Titeln "Rruga Sesam" in albanischer sowie "Ulica Sesam" in serbischer Sprache sollen den Kindern im Kosovo sowohl die eigene Kultur als auch die Kultur des Nachbarn näher bringen.

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