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Nahost

Serie von Anschlägen am Wahlsonntag im Irak

Extremisten haben am Wahlsonntag (30.1.2005) im Irak ihre Drohung wahr gemacht: Sie versuchten mit einer Serie von Anschlägen und Überfällen, die ersten freien und demokratischen Wahlen der Bevölkerung zu stören.

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Der farbige Finger als Nachweis für ihre Stimmabgabe

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Irakische Frauen bei ihrer ersten freien Wahl (30.1.2005 / ap)

Seit Öffnung der Wahllokale um 7 Uhr (Ortszeit) kam es zu 14 Angriffen und Anschlägen, zählte die Nachrichtenagentur Reuters. Dabei seien mindestens 25 Menschen getötet und viele weitere verletzt worden. Das Innenministerium in Bagdad berichtete von 36 Toten und mehr als 100 Verletzten.

In Bagdad wurden kurz nach Öffnung der Wahllokale am Sonntag fünf Selbstmordattentate verübt. Drei der Attentäter reihten sich bestückt mit Sprengstoff in Warteschlangen vor Wahllokalen ein und sprengten sich dann in die Luft. Dabei rissen sie Polizeiangaben zufolge mindestens elf Menschen in den Tod. Dutzende Menschen wurden verletzt. Ein weiterer Attentäter zündete seine Bombe in einem Auto an einer Sicherheitskontrolle vor einem Wahllokal in einer Schule. Ein Polizist wurde getötet, mehrere Menschen verletzt. Durch Granatenbeschuss kamen im Süden der Stadt mindestens zwei Menschen ums Leben.

"Ein Fest"

Internationale Sicherheitspräsenz bei Wahlen in Irak

Ein britischer Soldat beobachten Irakerinnen und Iraker auf dem Weg zu ihrem Wahllokal

Trotz der angedrohten Anschläge zeigten sich viele Wähler froh und zuversichtlich über den ersten Urnengang im Land seit dem Sturz von Saddam Hussein. "Ich habe keine Angst", sagte ein junger Mann, der im südirakischen Basra allein zum Wahllokal gekommen war. "Die Sicherheitsvorkehrungen sind gut und ich bin sehr glücklich. Das ist ein Fest für alle Iraker."

In Basra gingen die Menschen in Scharen zur Wahl, obwohl Aufständische am frühen Morgen zwei Wahllokale mit Mörsern angegriffen hatten. Die Zahl der Opfer dort war zunächst unklar. "Am Morgen war es in den Wahllokalen erst leer, die Leute wollten wegen der schwierigen Sicherheitslage zuerst noch abwarten, aber später wurde es dann voll", sagte ein Augenzeuge. Die überwiegende Mehrheit der Einwohner von Basra sind Schiiten. Ihre Religionsgelehrten hatten die Teilnahme an der Wahl zur religiösen Pflicht erklärt.

Hohe Wahlbeteiligung

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Leibesvisitation vor einem Wahllokal (30.1.2005 / ap)

Die Wahllokale schlossen wie geplant um 17 Uhr Ortszeit (15 Uhr MEZ). Nach früheren Angaben der Wahlkommission sollten aber voraussichtlich noch all diejenigen ihre Stimme abgeben können, die dafür vor den Wahllokalen anstehen. Nach Schätzungen der Kommission hatten trotz der Anschläge bereits drei Stunden vor Schließung der Wahllokale 72 Prozent der in die Wählerlisten eingetragenen Iraker und damit weit mehr als erwartet ihre Stimmen abgegeben. Insgesamt waren 14,2 Millionen Iraker zur Wahl aufgerufen.

Wahlbeobachter entdeckten nur "sehr wenig Betrugsfälle". Das sagte ein Sprecher der regierungsunabhängigen Organisation Ain ("Auge"), die den Einsatz der rund 10.000 irakischen Wahlbeobachter koordinierte. "Ganz allgemein haben unsere Beobachter festgestellt, dass die Wahlen in hervorragender Weise abgelaufen sind." Vorläufige Ergebnisse werden erst am 6. Februar erwartet. Das Endergebnis wird voraussichtlich am 10. Februar bekannt gegeben.

Aufstand geht weiter

Der irakische Außenminister Hoschiar Sibari befürchtet eine Verschärfung des Aufstands im Irak nach den Wahlen. "Man darf sich nichts vormachen. Der bewaffnete Aufstand wird weitergehen und wahrscheinlich schlimmer werden", sagte der Minister der französischen Tageszeitung "Le Monde" (Sonntagsausgabe). Dennoch bedeuteten diese Wahlen einen "Wendepunkt". Die neue Regierung werde "weder von den Vereinten Nationen noch von den Amerikanern eingesetzt. Sie wird repräsentativ und stark sein." (mas)

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