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Russische Aussenpolitik

Sergej Lawrow: Diplomatie mit Biss

Der russische Außenminister Sergej Lawrow gilt als professionell und hart. Es sind Qualitäten, die Russland in Krisenzeiten nutzten. Jetzt ist er dabei, die Früchte seiner Bemühungen zu ernten.

In den USA spricht der baldige Präsident Donald Trump über neue Freundschaft mit Moskau, in Europa wird über die Lockerung der Sanktionen gegen Russland immer lauter nachgedacht. Das sind nur einige Beispiele, warum Sergej Lawrow in diesen Tagen zufrieden sein dürfte. Es scheint, dass der 66-jährige russische Außenminister seine bisher größte Prüfung im Amt bestanden hat: Russland in Krisenzeiten durch Diplomatie stark zu machen oder zumindest so erscheinen zu lassen.

Auf Augenhöhe mit den USA

Nach der beispiellosen Abkühlung der Beziehungen zwischen Russland und dem Westen, ausgelöst durch die Krim-Annexion 2014, musste Lawrow eine außenpolitische Isolation seines Landes verhindern. Das sei unter anderem durch Engagement in diversen Verhandlungsformaten gelungen, schätzen Beobachter. Ob die Ukraine, Iran oder Syrien: Der russische Außenminister reiste in den vergangenen Jahren besonders viel um die Welt. Seine unzähligen Treffen mit dem US-Außenminister John Kerry blieben erfolglos für Washington und erfolgreich für Moskau. Russland agierte, wie lange gewünscht, auf Augenhöhe mit Amerika.

In einer Analyse des Rats für Außen- und Sicherheitspolitik (SVOP), einer renommierten Moskauer Expertenorganisation, wird die russische Diplomatie der letzten Jahre als "wahrlich meisterhaft" gepriesen. Die Außenpolitik habe die schwache wirtschaftliche Entwicklung des Landes "bis jetzt wettgemacht".

Ein Karrierediplomat der alten Schule 

Der russische Chefdiplomat blickt auf eine lange diplomatische Karriere zurück. Geboren im März 1950 gehört Lawrow zur Generation des Präsidenten Wladimir Putin. Nach dem Studium am elitären Moskauer Institut für außenpolitische Beziehungen (MGIMO) durchlief Lawrow alle Stationen eines Diplomaten von unten bis ganz nach oben.

UN Sicherheitsrat in New York zur Lage in Syrien, Aleppo (Getty Images/D. Angerer)

Russland wird oft für den Missbrauch ihres Vetorechtes im UN-Sicherheitsrat kritisiert

Zwischen 1994 bis 2004 war er Russlands Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York. Danach machte ihn Putin zum Außenminister und ist mit ihm offenbar bis heute sehr zufrieden. Lawrow ist inzwischen länger im Amt als alle seine Vorgänger nach dem Zerfall der UdSSR. Er ist auch einer der dienstältesten Minister.

Sowohl bei Kollegen, als auch in Fachkreisen genießt Lawrow den Ruf eines hochprofessionellen Diplomaten, der russische Interessen mit Biss verteidigt. Als er Außenminister wurde, setzte Russland immer wieder sein Veto im UN-Sicherheitsrat ein - eine Praxis, von der Moskau in den 1990er Jahren abrückte.

Verdienstorden von Putin

Als einer seiner Vorbilder gilt Alexander Gortschakow, Außenminister und Kanzler im Russischen Reich des 19. Jahrhunderts. "Es war ihm gelungen, den russischen Einfluss in Europa nach der Niederlage im Krieg wiederherzustellen, und er tat es nicht mit Waffen, sondern mit Diplomatie", sagte einst Lawrow über Gortschakow. Ähnlich sieht Lawrow offenbar die Lage Russlands nach dem Ende des Kalten Krieges. Er setzt die Politik Putins um, die darauf zielt, Moskau in der Welt wieder groß zu machen.

Allerdings setzt der Kreml dabei nicht nur auf Diplomatie, wie die Ereignisse in der Ukraine und Syrien zeigen. Zu einer eher seltenen Erfahrung für Lawrow war sein Auftritt bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2015. Als der russische Außenminister über die Krim sagte, Russland halte sich an das Recht, gab es im Saal vereinzelt Gelächter.

2015, als Lawrow 65 wurde, zeichnete ihn Putin mit einem Verdienstorden aus. Ob der Außenminister zum engsten Kreis um den Präsidenten gehört, ist nicht eindeutig bekannt. Einige Medien in Russland glauben, dass Lawrow keinen großen Einfluss auf Putins Außenpolitik hat und nur dessen Willen umsetzt.

Der undiplomatische Diplomat

Anders als seine Vorgänger in Russland oder die meisten Außenminister westlicher Demokratien leistet sich Lawrow ab und zu undiplomatisches Auftreten. Für Lacher in Russland und Verwunderung im Ausland sorgte seine Pressekonferenz in Moskau mit dem Kollegen aus Saudi-Arabien im August 2015. Die Kameras zeichneten auf, wie Lawrow dem Gast zuhört und dann plötzlich "Dummköpfe" (Russisch: "Debily") sagt und noch ein schmutziges Schimpfwort hinterher schiebt. Wen und was er meinte, blieb unklar. Ähnlich soll Lawrow vor Kurzem einen Reporter beschimpft haben, doch seine Sprecherin bestreitet das.

Im Jahr 2008, kurz nach dem russisch-georgischen Krieg in Südossetien, soll Lawrow britischen Medienberichten zufolge, in einem Telefonat seinen britischen Kollegen David Miliband beschimpft haben. Der russische Außenminister dementierte und sagte, er habe nur die Äußerungen eines anderen Kollegen über den georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili zitiert.

Raucher, Dichter, Sportler

Über Lawrow als Menschen ist bekannt, dass er viel raucht und offenbar dem Tabak seine tiefe Stimme verdankt. In den 1990er Jahren soll er sich wegen Rauchverbots mit dem damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan angelegt haben.

Gleichzeitig ist der russische Außenminister ein passionierter Sportler und geht jedes Jahr mit Freunden wandern in der freien Natur. Schließlich schreibt Lawrow gerne Gedichte. Eines davon wurde zur Hymne seiner einstigen Hochschule MGIMO. "Studieren - dann leidenschaftlich trinken - dann bis zum Ende", heißt es dort. Man solle nicht stürzen und hartnäckig zum Ziel gehen. Es scheint Lawrows Lebensmotto zu sein.

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