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Fokus Osteuropa

Serbischer Mufti löst Scharia-Diskussion aus

In Serbien hat ein Mufti unter Berufung auf das Scharia-Recht eine zweite Frau geheiratet. Dieser Schritt hat in Serbien heftige Diskussionen ausgelöst - zumal Polygamie dort gesetzlich verboten ist.

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Serbiens Muslime diskutieren über Zweitehe

Die Hochzeit des Mufti aus der serbischen Region Sandzak, Muarmer Zukolic, mit einer weiteren Frau auf Grundlage des Scharia-Rechts hat gespaltene Reaktionen bei den Muslimen in dieser Region hervorgerufen. Diese fürchten sich vor den Reaktionen der Angehörigen der übrigen Konfessionen und anderer ethnischer Gruppen. Dies ist der erste Fall von Polygamie in Serbien nach dem 2. Weltkrieg, der bekannt wurde. Daher hat er auch für Verwirrung in der Bevölkerung gesorgt. Dieses Ereignis könnte als eine Einführung der Scharia in den von Muslimen bewohnten Teilen Serbiens interpretiert werden. Eine öffentliche Debatte darüber könnte die nationalistischen Gemüter auf beiden Seiten entfachen, meinen muslimische Intellektuelle.

Islamische Gemeinde verteidigt Mufti

Der stellvertretende Vorsitzende der Islamischen Gemeinde im Sandzak, Mevlud Dudic, sagt hingegen der Deutschen Welle, dieser Vorfall solle nicht unnötig aufgewirbelt werden. "Es wäre wichtiger, über Laster zu debattieren, die sich unter der Bevölkerung im ganzen Land verbreiten, statt darüber, was auf Grundlage der Scharia getan wurde. Niemand stellt die Frage, warum so viele Ehen geschieden werden, es so viel Unmoral gibt, Drogen und Alkohol missbraucht werden. Es wird aber in Frage gestellt, warum Zukorlic das getan hat. Das ist seine Privatsache, durchgeführt nach der Scharia und dies ist unumstritten", so Dudic.

Helsinki-Komitee: Polygamie veraltet

Sefko Alomerovic, der Vorsitzende des Helsinki-Komitees für Menschenrechte in Novi Pazar, der Hauptstadt des Sandzak, betrachtet die Bigamie des Mufti als einen Rückschritt in vergangene Zeiten. Er weist darauf hin: "Zum einen fürchten die Frauen in Novi Pazar nun, dass auch ihre Männer dem Beispiel des Mufti folgen werden. Zum anderen hat er gegen das Gesetz dieses Landes verstoßen. In der Tat ist es Muslimen nach dem Koran erlaubt, bis zu vier Frauen zu ehelichen. Allerdings unter strengen Voraussetzungen, die praktisch niemand erfüllen kann. Ein Mann muss beispielsweise alle Frauen gleich lieben, ähnlich zufrieden stellen und jeder ein eigenes Haus garantieren". Aus diesen Gründen wurde die Polygamie beispielsweise in Saudi-Arabien inoffiziell aufgehoben. Der kürzlich verstorbene König Fahd hatte eine Frau. Denn er erklärte seinerzeit, Polygamie sei veraltet. Seine Untertanen nahmen dies als Gesetz an.

Ejub Stitkovac, Belgrad
DW-RADIO/Serbisch, 8.9.2005, Fokus Ost-Südost

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