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Fokus Osteuropa

Serbischer Bischof verklagt vier EU-Staaten

Ein serbisch-orthodoxes Bistum hat den Einsatz der UN-Friedenskräfte im Kosovo beanstandet und Klage eingereicht. Von der Kirchenspitze wird dieser Schritt allerdings nicht uneingeschränkt unterstützt.

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Brennende Kirche in Mitrovica (2004): Solche Szenen hätten UNMIK-Soldaten verhindern sollen


Der Heilige Synod der Serbisch-Orthodoxen Kirche hat dem Bistum Raska-Prizren empfohlen, eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof in Straßburg zurückzuziehen. Das Bistum hat gegen Italien, Deutschland, Frankreich und Großbritannien Klage eingereicht. Soldaten aus diesen Ländern tun Dienst in der UN-Übergangsverwaltung in Kosovo, UNMIK. Hauptpunkt der Anklage: Seit ihrer Stationierung im Jahr 1999 hätten die Soldaten weder die Bevölkerung schützen noch orthodoxe Kulturschätze bewahren können. Bischof Artemije von Raska-Prizren beharrt weiterhin auf seinem Standpunkt, daher wird die Klage nicht zurückgezogen.

Synod uneins

Am 17. Januar war eine offizielle Sitzung des Heiligen Synods der Serbisch-Orthodoxen Kirche anberaumt, auf der es hauptsächlich um die Klage gegen die vier NATO-Mitgliedstaaten gehen sollte. Die Sitzung ist jedoch auf unbestimmte Zeit vertagt worden; und zwar nicht nur weil Bischof Artemije verhindert war, sondern auch, weil an der Spitze der Serbisch-Orthodoxen Kirche unterschiedliche Meinungen zu dieser Klage vorherrschen. Einige Punkte der Klage selbst sind zudem unlogisch. So wird beispielsweise Italien verklagt, allerdings haben die italienischen Soldaten von der Serbisch-Orthodoxen Kirche den höchsten Orden, den des Heiligen Sava, erhalten, weil sie das Kloster Decani geschützt haben. Ungeachtet dessen werden ihnen Versäumnisse in anderen Fällen nicht nachgesehen. Außerdem unterstützte der Heilige Synod vergangenes Jahr noch Bischof Artemije dabei, als er die Klage einreichen wollte. Unterdessen hatte der Klerus Gelegenheit, sich eingehend über Vor- und Nachteile zu informieren, und darüber, ob der Fall überhaupt zu gewinnen ist.

Neu-Orientierung im Klerus?

Möglicherweise hat den Standpunkt des Synods auch die Meinung des serbischen Lobbyisten im US-Kongress, Joseph Griboski, beeinflusst, der im vergangenen Jahr mit einer Kirchen-Delegation das Kosovo besuchte. Griboski befand, dass die Klage ein großer Fehler sei. Ferner haben sicherlich auch die Staatsvertreter im eigenen Land den Synod beeinflusst. Denn ihnen ist es nicht im Geringsten daran gelegen, Spannungen in den Beziehungen zu den westlichen Staaten auch noch durch eine solche Klage zu vertiefen. Es bestehen bereits genug Probleme, weil Serbien nicht ausreichend mit dem UN-Kriegverbrechertribunal zusammenarbeitet.

Nach Ansicht von Bischof Artemije wurde durch die Klage bereits ein Effekt erzielt, weil auf eine besondere Weise die internationale Aufmerksamkeit auf das Kosovo-Problem und das der zerstörten orthodoxen Kulturschätze gelenkt wurde. Auch wenn innerhalb der Serbisch-Orthodoxen Kirche die Meinungen über die euro-atlantische Integration auseinander gehen, vertritt die Kirche in letzter Zeit eher den Standpunkt, dass sie den Staat bei der europäischen Integration nicht behindern werde. Am deutlichsten drückte dies der einflussreiche Bischof Irinej von Backa aus: „Im Hinblick auf politische Lösungen, Voraussetzungen, Vereinbarungen haben wir so einiges gehört – angefangen beispielsweise mit der unerlässlichen Angleichung der Gesetzgebung aller Mitgliedstaaten. Die Kirche kann aber dabei weder positiv noch negativ mitwirken.“ Ein weiterer Grund, warum der Synod fordert, die Klage gegen vier EU-Staaten zurückzuziehen, besteht auch darin, dass dieses Jahr die Gespräche über den künftigen Status des Kosovo beginnen. Die Klage könne noch so begründet sein – sie behindere nur den Verhandlungsprozess.

Ejub Stitkovac, Belgrad,
DW-RADIO / Serbisch, 18.1.2005

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