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Fokus Osteuropa

Serbische Jugendorganisation kritisiert Intellektuellenverband

In Belgrad hat eine Jugendorganisation die Serbische Akademie der Wissenschaften dazu aufgerufen, Verantwortung zu übernehmen. Sie soll während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien Nationalhass verbreitet haben.

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Akademiemitglieder halten Kontakt zum gesuchten Kriegsverbrecher Radovan Karadzic

Die Initiative „Jugend für Menschenrechte“ hat eine Protestkundgebung vor der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste (SANU) in Belgrad organisiert. Sie beschuldigten die Akademie, für die Kriege im ehemaligen Jugoslawien verantwortlich zu sein. „Jugend für Menschenrechte“ forderte ferner von Akademie-Mitglied Dobrica Cosic, die Verantwortung für die Verbreitung von Nationalhass in den vergangenen Kriegen zu übernehmen. Cosic gilt als Nationalist, er ist Schriftsteller und war 1992 erster Präsident der Bundesrepublik Jugoslawien.

Transparent entfernt

„Diese Institution ist für den Krieg verantwortlich...“, „so können Sie das auch nicht sagen...“. Dies sind einige Eindrücke von der Atmosphäre, die vor der Serbischen Akademie der Wissenschaften herrschte. Über dem Eingang der Akademie wurde ein Transparent mit der Aufschrift „Verantwortung für Verbrechen“ angebracht. Nach einer kurzen Auseinandersetzung mit einem Sicherheitsmitarbeiter entfernten es die Aktivisten nach kurzer Zeit. Den Mitarbeiter störte jedoch weniger der Inhalt der Aufschrift als die Tatsache, dass sie in lateinischer Schrift und nicht in Kyrillisch geschrieben war.

Verantwortung der Intellektuellen

Einer der Organisatoren der Protestveranstaltung, Vladimir Milanovic, nannte der Deutschen Welle weitere Gründe für diese Versammlung. „Nachdem kürzlich die Aufnahme des Telefongesprächs zwischen dem Angeklagten vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal Radovan Karadzic und Akademie-Mitglied Dobrica Cosic veröffentlicht wurde, muss einfach in der Gesellschaft die Frage nach der Verantwortung der Intellektuellen für die Ereignisse der vergangenen 15 Jahre gestellt werden. Vornehmlich denke ich da an ihren Beitrag zum Ausbruch der Kriege in dieser Region. Denn im Umkreis des Schriftstellerclubs und der SANU haben sie durch ihre kriegstreiberischen Reden interethnischen Hass, Gewalt, Krieg und schließlich auch die Verbrechen angezettelt, die im Namen dieses Hasses verübt wurden“, so Milanovic.

In dem genannten Telefongespräch äußerten Cosic und Karadzic, dass es Europa an Originalität mangele. „Abgesehen vom Katholizismus gibt da nichts weiter“. „Nein, nichts und das ist auch ein schmutziger Katholizismus, der sich ständig beklagt und beschwert“. Die Aufnahme dieses Gesprächs besitzt das UN-Tribunal ICTY und die serbische Öffentlichkeit konnte sie in einem Dokumentarfilm über Radovan Karadzic hören.

Aufruf auch an weitere Institutionen

Milanovic sagte ferner, dass seine Organisation weitere Proteste vor Institutionen veranstalten werde, die sie für die Verbreitung von Religions- und Nationalhass sowie den Ausbruch der Kriege in der Region als verantwortlich betrachte. „Dieser Protest ist an Menschen gerichtet, die mit der Kriegspolitik nicht einverstanden, aber nicht laut genug waren, um diese Politik aufzuhalten. Damit die Dummheit und Ungebildetheit, die in der öffentlichen Tätigkeit der Akademiker Ausdruck fand, nie wieder über den Verstand siegt. Es ist erforderlich, dass sehr eindeutig die Institutionen hervorgehoben werden, die für diese Politik verantwortlich waren“. Als nächste Institution sei die Kirche an der Reihe.

Ejub Stitkovac, Belgrad

DW-RADIO/Serbisch, 16.8.2005, Fokus Ost-Südost