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Fokus Osteuropa

Serbien: Lange Haftstrafen im ersten Srebrenica-Prozess

In Belgrad sind am Dienstag (10.4.) serbische Paramilitärs wegen der Ermordung von Muslimen verurteilt worden. Aufsehen erregte der Fall, weil die Mörder ihre Tat in Ost-Bosnien mit der Videokamera aufgenommen hatten.

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Sondergericht in Belgrad: Mit Spannung erwartetes Urteil

Das Belgrader Sondergericht für Kriegsverbrechen hat das Urteil gegen fünf Angehörige des parmilitärischen Verbandes "Skorpione" wegen der Ermordung von Muslimen in Trnovo in Bosnien-Herzegowina 1995 verkündet. Angeklagt waren die Männer wegen Kriegsverbrechen gegen Zivilisten. Wie das Gericht nachweisen konnte, haben sie im Juli 1995 sechs Muslime aus Srebrenica erschossen.

Der Kommandeur der Einheit, Slobodan Medic, und der Angeklagte Branislav Medic sind zur Höchststrafe von 20 Jahren Haft verurteilt worden. Pero Petrasevic, der als einziger die Tat gestanden und sich schuldig bekannt hatte, bekam 13 Jahre. Aleksandar Medic ist zu fünf Jahren Haft wegen Beihilfe bei der Ausführung der Straftat verurteilt worden. Ein fünfter Angeklagter, Aleksandar Vukov, ist dagegen freigesprochen worden. Laut Urteilsbegründung gab es keine Beweise dafür, dass Vukov bei der Erschießung der Muslime aus Srebrenica Beihilfe geleistet habe.

Beweise auf Video

Die Vorsitzende des dreiköpfigen Gerichtshofes, Gordana Bozilovic-Petrovic, sagte in der Urteilsbegründung, Slobodan Medic, Pero Petrasevic, Branislav Medic und Aleksandar Medic seien schuldig, an einem unbestimmten Tag im Juli 1995 in der Nähe von Trnovo als Angehörige der paramilitärischen Einheit "Skorpione" sechs muslimische Gefangene ermordet zu haben. Damit hätten vier der Angeklagten mit mehreren unbekannten Angehörigen der "Skorpione" Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung verübt.

Die Männer hatten ihre Tat auf Video aufgenommen. Die Aufzeichnung war im Juni 2005 im Rahmen des Prozesses gegen Slobodan Milosevic entdeckt worden. Später wurde das Material auch von einem serbischen TV-Sender ausgestrahlt.

Hinterbliebene unzufrieden

Das Urteil ist das erste in Serbien wegen des Massakers in Srebrenica. Daher hat es bei den Medien große Aufmerksamkeit erregt. So verfolgten mehr als 50 in- und ausländische Journalistenteams am Dienstag in Belgrad die Urteilsverkündung.

Die meisten der Angehörigen der Opfer, die bei der Urteilsverkündung anwesend waren, zeigten sich jedoch unzufrieden mit dem Urteil. Nura Alispahic, die Mutter des ermordeten Admir Alispahic, erklärte den Journalisten, das Urteil sei beschämend. "Das ist auf keinen Fall rechtens. Einer ist freigesprochen worden und ein anderer hat fünf Jahre bekommen. Das ist gar nichts", so Nura Alispahic. Beka Delic, der Bruder des ermordeten Jusa Delic, sagte: "Es gibt keine Rechtsakte, die einen dieser fünf Verurteilten von ihrer Schuld freisprechen könnte." Auch Natasa Kandic, Vertreterin der Familien der Geschädigten und Bürgerrechtlerin, hält das Urteil für beschämend: "Es ist nicht gerecht gegenüber den Angeklagten, und noch weniger gerecht ist es für die Opfer."

Zelimir Bojovic, Belgrad
DW-RADIO/Serbisch, 10.4.2007, Fokus Ost-Südost

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