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Europa/Zentralasien

Serbien: Kompetenzzentren für Journalisten

Neue Gesetze und ein möglicher EU-Beitritt Serbiens verändern die Medienlandschaft auf dem Balkan. Mit Kompetenzzentren in Belgrad und Novi Sad unterstützt die DW Akademie unabhängigen Journalismus.

"Morgens werden zuallererst die Nachrichten im Internet gecheckt, am Vormittag die Zeitung im Café gelesen, am Abend versammelt sich die Familie vor der serbischen Tagesschau. Und zwischendrin sind die Allermeisten online auf ihrem Smartphone", sagt Filip Slavkovic, Ländermanager für Serbien und den Balkan bei der DW Akademie. Serbien ist ein Land intensiver Mediennutzung, vor allem die gedruckte Zeitung habe noch einen sehr hohen Stellenwert. Die Medien des bevölkerungsreichsten Landes auf dem westlichen Balkan beeinflussen umliegende Länder wie beispielsweise Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Kosovo und Mazedonien.

Neben den Problemen, mit denen sich Medien weltweit auseinandersetzten müssen, kommen insbesondere in Serbien zwei Herausforderungen hinzu: Zum einen haben sich viele Medienhäuser von der Wirtschaftskrise vor sechs Jahren nicht wieder erholt. Die geschwächten Redaktionen sind somit anfällig für politische Einflussnahme durch die Regierung. Zum anderen steht das Land vor einem EU-Beitritt und muss Vorgaben erfüllen, die für Behörden und Medienschaffende Neuland sind. "Und hierin liegt aber auch eine große Chance, die europäischen Standards der Meinungsfreiheit zu erfüllen", sagt Filip Slavkovic.

Lokale Medien stärken

Genau hier setzen die beiden Kompetenzzentren der DW Akademie an. Sie sollen helfen, Medienhäuser und Journalisten zu vernetzen und Orientierung zu bieten in Bezug auf die neuen EU-Medienvorgaben. Auf dem Programm stehen Management-Seminare und Vermittlung von Know-how zu den EU-Vorgaben der neuen Mediengesetze. Die Zentren sind seit Dezember vergangenen Jahres offiziell eröffnet. In Belgrad ist es im Haus des serbischen Presserats angesiedelt und vereinigt die drei großen Medienverbände des Landes. Ein weiteres Ziel: Lokale Medien stärken und unterrepräsentierten Gruppen Gehör verschaffen, dazu gehören etwa Frauen und ethnische Minderheiten. "Der Schlüssel des Projekts ist, dass wir über die Medienverbände die Eigentümer, Manager und Chefredakteure ins Boot holen. Denn sie sind es, die die Nachhaltigkeit von Struktur- und Programmreformen sichern", betont Projektmanager Klaus Dahmann.

Ein großer Bedarf an Trainings hat sich schon im vergangenen Jahr angekündigt. "Fast zeitgleich mit dem Beginn unserer Arbeit sind die serbischen Mediengesetze nach europäischen Vorgaben reformiert worden. Um vor allem die Existenz kleinerer lokaler Medien zu sichern, muss die Einhaltung und der sichere Umgang mit diesen Vorgaben gewährleistet werden", sagt Klaus Dahmann. "Hier haben wir mit unseren Pilotprojekten zu Medienmanagement und Projektentwicklung die derzeit drängendsten Fragen getroffen und konkrete Hilfe anbieten können. Wie können kleine Programme von EU-Fördermitteln profitieren? Wie läuft der Beantragungsprozess? Was erwartet die EU?" Klaus Dahmann berichtet von einer großen Nachfrage.

Bei Umstrukturierung helfen und Inspirationen bieten

In Novi Sad geht es um ähnliche Fragen, jedoch mit einem anderen Fokus. Das Zentrum im Norden Serbiens bündelt Vertreter der öffentlich-rechtlichen Medien aus Balkan-Ländern, die ebenfalls noch nicht in der EU sind: Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Serbien; bald sollen auch Albanien und Moldau mit dabei sein. Das Kompetenzzentrum in Novi Sad zielt darauf ab, die Sender untereinander zu vernetzen und die innere Struktur der Sender klar und transparent zu gestalten.

DW Akademie-Medienexpertin Jasna Milanovic während eines Workshops im Dezember 2014 (Foto: DW Akademie/J.Milanovic).

DW Akademie-Medienexpertin Jasna Milanovic während eines Workshops im Dezember 2014

"Wir wollen mit den Medienvertretern über ihr Selbstverständnis reden", betont Filip Slavkovic, "dabei geht es um ganz trockene Dinge wie die Herstellung eines Organigramms, aber auch um konkrete journalistische Inhalte und Herangehensweisen. Ein wichtiges Thema ist beispielsweise die Interaktion mit den Zuschauern, Hörern, Lesern oder Nutzern." Zu einer Studienreise im vergangenen Jahr waren die Chefs des öffentlich-rechtlichen serbischen Senders RTV, bei dem das Kompetenzzentrum in Novi Sad angesiedelt ist, in Deutschland. Hier haben sie sich die Jugend-Sendung "1live" des Westdeutschen Rundfunks (WDR) angeschaut. Der Generaldirektor war begeistert: Webcams im Studio, Chats mit Moderatoren, Bilder auf Facebook - das alles diente zur Inspiration für eine neue Jugendwelle, die seit November 2014 in Serbien zu hören ist.

Multilingual, mulitethnisch

Beide Zentren dienen als Plattform für die Weiterentwicklung der Medien, zunächst in Serbien, aber letztlich auch über die Landesgrenzen hinaus. Gerade im multilingualen, multiethnischen Novi Sad soll die Vernetzung mit öffentlich-rechtlichen Sendern aus den anderen Balkan-Staaten vorangetrieben werden.

In diesem Jahr werden in beiden Kompetenzzentren bis zu zehn Fortbildungsmaßnahmen angeboten. Zwei Schwerpunkte stehen bereits fest: Managementberatung und Projektentwicklung. Außerdem soll es journalistische Trainings geben, beispielsweise zur Weiterentwicklung der Onlinepräsenzen und Social Media-Kompetenzen der Medienhäuser. In fünf Jahren sollen sich die Zentren idealerweise selbst tragen.


Die beiden Kompetenzzentren in Belgrad und Novi Sad werden durch das Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert.

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