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Fokus Osteuropa

Serbien: Brain Drain ins Ausland hält weiter an

Noch immer wollen viele junge Serben ihr Land verlassen. Dabei werden in der Heimat dringend kluge Köpfe gebraucht.

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Junge Serben vor der Frage: Should I stay or should I go?

Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Das Ergebnis einer Untersuchung des Belgrader Meinungsforschungsinstituts CESID lässt zweierlei Interpretation zu. Es geht darum, dass laut Studie 54 Prozent der jungen Erwachsenen Serbien verlassen wollen. Doch während die serbischen Medien diesen Umstand als besorgniserregend sehen, interpretiert das Serbische Jugendministerium das Ergebnis ganz anders. Dort verweist man darauf, dass die Zahl der auswanderungswilligen jungen Serben gesunken sei. Vor zwei Jahren wollte nämlich 64 Prozent ihre Heimat verlassen.

Laut Studie wollen die jungen Serben auswandern, weil sie sich im Ausland qualifizierte Ausbildungschancen, einen besseren Arbeitsplatz und einen höheren Lebensstandard erhoffen. Die meisten Auswanderungswilligen sind zwischen 20 und 24 Jahre alt, es handelt sich also vor allem um potentielle Studenten bzw. Universitätsabsolventen.

Die stellvertretende Jugendministerin Zora Krnjajic sagte der Deutschen Welle, die Angaben über die Migration von jungen Serben müssten sorgfältig analysiert werden, um falsche oder dramatische Interpretationen zu vermeiden. „Wir sind natürlich über jede Statistik besorgt, die besagt, dass junge Leute auswandern wollten. Aber in diesem Falle wissen wir nicht, wie viele junge Menschen unwiderruflich auswandern wollen und wie viele sich im Ausland weiterbilden, um wieder zurückzukommen.“

Viele gehen aus Frust

Ljubisa Rajic ist Professor an der Belgrader Universität. Er findet, dass die Zahl der jungen Serben, die das Land verlassen möchten, immer noch sehr hoch ist. Allerdings seien die Gründe dafür anders gelagert als früher. Offenbach wenden sich viele junge Erwachsene frustriert ab: „Viele, die gehen, haben einfach die Nase voll. Es handelt sich nicht um Migration aus rein wirtschaftlichen Gründen, es ist vielmehr eine Mischung aus wirtschaftlicher und politischer Migration.“

Um dem Brain Drain entgegenzuwirken, hat die Belgrader Regierung eine Strategie entwickelt. Laut Vize-Ministerin Krnjajic sind die ersten Ergebnisse sichtbar. Es gebe bereits knapp 90 Büros für Nachwuchskräfte in ganz Serbien, bald werde ein Info-Portal für junge Leute eingerichtet. Außerdem würden Einführungskurse und Fortbildungen im Bereich EDV und Fremdsprachen unterstützt.

Junge Leute fühlen sich im Stich gelassen

Die Meinungen darüber, ob 54 Prozent auswanderwillige junge Serben viel oder wenig ist, werden wohl weiterhin auseinandergehen. Professor Rajic zufolge steht fest, dass die jungen Leute frustriert sind und wer daran schuld ist: „Die Elite in Politik und Wirtschaft hat sie enttäuscht, weil sie sich mit der aktuellen Lage zufrieden gibt. Derzeit kann man beispielsweise beobachten, wie Außenminister Vuk Jeremic und die Regierung unglaublich viel Energie auf eine vollkommen verlorene und unsinnige Sache wie das Kosovo verschwenden. Viele soziale Probleme bleiben unterdessen ungelöst allen voran die Beschäftigung der Nachwuchskräfte.“

Autoren: Ivica Petrovic / Mirjana Dikic

Redaktion: Birgit Görtz

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