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Aktuell Welt

Separatisten übergeben MH17-Flugschreiber an Malaysia

Mit den "Black Boxes" der über der Ostukaine vermutlich abgeschossenen Boeing haben die prorussischen Rebellen wichtige Beweisstücke übergeben. Der UN-Sicherheitsrat forderte eine unabhängige Untersuchung des Absturzes.

Die Rebellen händigten einer Delegation aus Malaysia in Donezk in Anwesenheit von etwa 150 Journalisten die sogenannten Black Boxes aus (Artikelbild), bestehend aus dem Flugdatenschreiber und dem Stimmenrekorder. Zudem verkündeten die prorussischen Separatisten eine Waffenruhe rund um den Absturzort. Ein malaysischer Experte dankte den Rebellen. Die Geräte seien intakt und nur geringfügig beschädigt, sagte er. Die Übergabe fand im Hauptsitz der selbstproklamierten "Volksrepublik Donezk" statt.

Verdacht gegen Rebellen

Das Passagierflugzeug war am Donnerstag auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur mit 298 Menschen an Bord im Osten der Ukraine abgestürzt. Alle Insassen kamen ums Leben. 193 der Opfer sind Niederländer. Es wird angenommen, dass die Boeing in der zwischen Rebellen und Regierungstruppen umkämpften Gegend von einer Boden-Luft-Rakete getroffen wurde.

Die ukrainische Regierung und zahlreiche westliche Staaten machen die von Russland unterstützten Separatisten dafür verantwortlich. Diese wiederum beschuldigen die Regierungstruppen den Absturz von Flug MH17 verursacht zu haben. Rebellenführer Alexander Borodaj sagte bei der Übergabe der Back Boxes, die Separatisten hätten "nicht die technische Fähigkeit, dieses Flugzeug zu zerstören".

Die Separatisten, die das Absturzgebiet bislang blockiert hatten, räumten an diesem Montag erstmals niederländischen Experten Zugang zu den Leichen der Absturzopfer ein. Die Spezialisten inspizierten einen Kühlzug, in dem die Separatisten die Leichen gesammelt hatten. Der Zug ist inzwischen auf dem Weg in die von der ukrainischen Regierung kontrollierte Großstadt Charkiw. Dort sollen die Toten von internationalen Experten identifiziert werden. Anschließend sollen sie in die Niederlande gebracht werden.

Die Kooperationsbereitschaft der Rebellen ist offensichtlich eine Reaktion auf die massive internationale Kriktik an ihrem bisherigen Verhalten und auf russischen Druck. Mit der Stimme auch Russlands verabschiedete der UN-Sicherheitsrat eine Resolution mit der der mutmaßliche Abschuss von Flug MH17 "auf das Schärfste" verurteilt und eine unabhängige Untersuchung gefordert wird. Zudem verlangt das höchste UN-Gremium, die Verantwortlichen für den mutmaßlichen Abschuss der Boeing der Malaysia Airlines zur Rechenschaft zu ziehen.

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Mareike Aden zu Putins Sondererklärung zur Ukraine

Westen droht Moskau

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte bereits zuvor Entgegenkommen signalisiert und eine vollständige Zusammenarbeit bei der Aufklärung der Katastrophe zugesagt. Die USA und die EU hatten mit einer Verschärfung ihrer Sanktionen gedroht, wenn Russland bei der Aufklärung des mutmaßlichen Abschusses nicht kooperiere.

Beobachter befürchten, dass wegen der tagelangen Behinderungen durch die Separatisten und Eingriffen in das Trümmerfeld eine exakte Ermittlung der Absturzursache kaum mehr möglich ist. Angehörige klagen über mangelnden Respekt vor den Toten. Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier kritisierte die Separatisten am Absturzort scharf. "Das ist ein Verhalten jenseits von Zivilisation, das wir dort gegenwärtig erleben."

wl/qu (dpa, afp, rtr)

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