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Musik

Sensation: Filippo Gorini gewinnt die Telekom Beethoven Competition

Nie zuvor hatte der 20-jährige Italiener mit einem Orchester zusammengespielt. Beim Finale der ITBCB wagte er sich dann an ein "Schlachtross" der Klaviermusik - Beethovens Fünftes Klavierkonzert - und führte es grandios.

Beim Ergebnis der Publikumsabstimmung in der ausverkauften Beethovenhalle am Samstagabend (12.12.2015) hatte Filippo Gorini seine Konkurrenten, den Kanadier Ben Cruchley und Moritz Winkelmann aus Deutschland, bereits weit hinter sich gelassen. Kurz darauf kündigte Pavel Gililov die Entscheidung der Jury der 6. Internationen Telekom Beethoven Competition Bonn (ITBCB) an. Der Jurypräsident zeigte sich gleich doppelt zufrieden: Erstens, weil das Publikum und die neunköpfige Jury aus Fachexperten übereinstimmten; zweitens, weil die Jury in seltener Einstimmigkeit zum Ergebnis gekommen sei. Sie hatte die künstlerische Leistung nicht nur bei der letzten Runde, sondern im ganzen Verlauf des zehntägigen Musikwettbewerbs berücksichtigt.

"Ich kann es nicht fassen, was mit mir heute Abend geschieht", sagte Gorini anschließend im DW-Interview. "Es ist wie ein Traum, der wahr geworden ist."

Juroren Peter Hagmann und Andrea Bonatta. Copyright: Dan Hannen/Telekom Beethoven Competition

Juroren Peter Hagmann und Andrea Bonatta zeigten sich begeisterunsfähig

Traumwandlerisch sicher war auch sein erster Klaviereinsatz beim sogenannten "Kaiserkonzert" von Ludwig van Beethoven gewesen. Für diesen Berichterstatter war da schon sofort klar: Der wird's. Einmal im zweiten Satz verlor Gorini den Faden, eine Phrase blieb auf der Strecke, woraufhin er mit einem zu hartem Anschlag kompensierte. Man fürchtete, aus dem selbstbewussten Spiel werde ein Scherbenhaufen. Doch dann überraschte der junge Künstler im Finale des wohl vielfältigsten Beethoven-Klavierkonzerts mit bezirzenden lyrischen Wendungen. Er gestaltete Phrasen mit großer Poesie und führte das Werk in sicherer Übereinstimmung mit Dirigent und Orchester - Stefan Blunier und dem Beethoven Orchester Bonn - zu einem kräftigen, triumphalen Abschluss.

Noch nie mit einem Orchester zusammengespielt

Der junge Künstler schien am meisten von seinem Sieg überrascht zu sein: "Als ich mich damals für den Wettbewerb anmeldete, sollte ich im Online-Formular angeben, wie viele Solokonzerte ich bereits mit Orchester gespielt habe. Nun - vor dem heutigen Tag habe ich noch nie mit einem Orchester zusammengespielt. Dann wurde gefragt: 'Haben Sie einen Manager?' Ich hatte eben keinen. 'Haben Sie CD-Aufnahmen gemacht?' Und so weiter."

Blumen in der Beethovenhalle. Foto: Rick Fulker

Stimmungsvoller Abend in der Beethovenhalle

Der bescheiden wirkende Pianist erklärte offen, dass er große Angst gehabt habe: "Ich wusste nicht, ob ich überhaupt etwas Sinnvolles bei diesem Wettbewerb erreichen könnte", so Gorini. "Dann erfuhr ich, dass ich der jüngste Teilnehmer war. Dementsprechend war ich nach jeder Runde erstaunt, dass ich weitergekommen bin. Ich bin jetzt sehr, sehr glücklich - und sehr müde."

Um sich auszuruhen, dazu hat Filipo Gorini nicht viel Zeit: Bereits am 16. Dezember tritt er erneut mit dem Beethoven Orchester Bonn bei der "Langen BeethovenNacht" auf. Eine geeignete Verwendung für sein Preisgeld von 30.000 Euro hat er auch schon im Sinn: Er möchte die Summe in seine musikalische Fortbildung stecken.

Starke Konkurrenz

20.000 Euro erhält Ben Cruchley, Gewinner des zweiten Preises beim ITBCB und 10.000 der Drittplatzierte Moritz Winkelmann. Dieser spielte am Anfang des Wettbewerbsfinale den Solopart bei Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 - etwas spröde und zurückhaltend im ersten Satz, jedoch durchaus passend zum klassischen Stil des Werks, und schließlich mit mitreißendem Schwung im dritten Satz. Der 31-jährige, von der Kritik viel gelobte Pianist ist bereits bei mehreren deutschen Festivals mit namhaften Orchestern und in der New Yorker Carnegie Hall aufgetreten.

Bonn International Telekom Beethoven Competition. Foto: Rick Fulker

Blumen auch für die Finalisten: Ben Cruchley, Moritz Winkelmann und Filippo Gorini

Bühnenerfahrung kann auch der Gewinner des zweiten Preises, Ben Cruchley vorweisen: Er trat mit dem Toronto Symphony Orchestra und mit dem Orchester der Universität Montreal auf. Im ITBCB-Finale gestaltete der sympathische 29-Jährige Beethovens Drittes Klavierkonzert mit äußerst differenziertem Ausdruck; auch Dirigent und Orchester konnten sich seinem Charisma nicht entziehen. Das Ergebnis war ein gut geglücktes Zusammenspiel. Und - was aus diesem "reinen" Beethovenabend nicht hervorging - in den vorangegangenen Konzerten habe er "Schostakowitsch wie ein Russe gespielt", wie ein angereister Kollege vom Klassiksender Radio Orpheus Moskau enthusiastisch berichtete.

User, die sich nachträglich über die Leistungen der 22 Teilnehmer überzeugen möchten, können

hier

sämtliche Aufführungen noch einmal online erleben.

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