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Sport

Sensation bei der Schach-WM: Wilde Partie endet mit Sieg für Herausforderer Karjakin

Nun ist es passiert: Weltmeister Magnus Carlsen hat in einer aufregenden Partie alles auf eine Karte gesetzt - und verloren. Damit steht es bei der Schach-WM in New York 4,5:3,5 für Sergej Karjakin.

Sergej Karjakin (Foto: picture alliance/dpa /P. Foley)

Cool ausgekontert: Russlands Sergej Karjakin gewinnt gegen Magnus Carlsen

Magnus Carlsen hatte am Vortag angekündigt, dass das Match um den Weltmeistertitel jetzt interessanter werde. Er sollte mit dieser Vorhersage recht behalten. Anders als von ihm und den meisten Schachfans erwartet, entwickelte sich die achte Partie am Montag (21.11.2016) jedoch zu einem Albtraum für den Weltmeister, der nach sechs Stunden und einem dramatischen Spielverlauf aufgeben musste. "Es ist natürlich großartig, eine solch harte Partie gegen Magnus zu gewinnen", freute sich sein Gegner Sergej Karjakin nach der Partie in New York. Der Außenseiter hat jetzt vier Runden vor Schluss gute Chancen, völlig überraschend Schach-Weltmeister zu werden.

Beiderseitige Fehler in der Zeitnotphase

Dabei hatte es zunächst gar nicht nach einem Schach-Krimi ausgesehen. Carlsen wählte mit der altehrwürdigen Eröffnung namens "Colle-Zuckertort" eine Zugfolge, die eher in Amateurkreisen beliebt ist, aber von den Top-Profis nur selten eingesetzt wird. Auf dem Brett ergab sich nach diesen ersten Zügen eine Position, in der Sergej Karjakin keine Probleme zu haben schien. Dennoch gelang es Carlsen - in der für ihn typischen Manier - sein Gegenüber langsam, aber sicher unter Druck zu setzen. Wie schon so oft in diesem knappen WM-Kampf hatte Carlsen die Initiative und Karjakin verteidigte sich geschickt, ohne dabei zu viel zu riskieren.

Bei immer knapper werdender Bedenkzeit setzte Carlsen dann alles auf eine Karte: Er opferte einen Bauern und verblüffte dann im 35. Zug seinen Gegner mit einem überraschenden, aber objektiv miserablen Bauernzug. Die mitrechnenden Computer zeigten sofort an, dass Carlsen plötzlich auf Verlust stand. Doch der Weltmeister hatte Glück: Karjakin revanchierte sich umgehend seinerseits mit einem schweren Fehler und ermöglichte es Carlsen, zur ersten Zeitkontrolle die Stellung noch einmal auszugleichen.

Carlsen will unbedingt gewinnen

Wer gedacht hatte, dass der Weltmeister nach diesem Hin- und Her mit einem Unentschieden einverstanden sein würde, lag falsch. Carlsen wählte noch einmal eine risikoreiche Zugfolge, um so doch noch den ersehnten Sieg zu erringen. Es kam anders. Denn diesmal hatten die Schachgötter kein Einsehen und in zunehmend schwieriger Stellung geriet der norwegische Champion schnell ins Hintertreffen. Der russische Verteidigungsexperte Karjakin fand einmal mehr die besten Züge und gewann im 52. Zug verdient die Partie.

"Es sind jetzt noch vier Runden zu spielen, da kann noch alles Mögliche passieren", sagte Karjakin bei der anschließenden Pressekonferenz. An der nahm Carlsen gar nicht mehr teil. Als Karjakin sich ein klein wenig verspätete, stürmte der sichtlich enttäuschte Weltmeister vom Podium und verließ den Veranstaltungsort. Ein Verhalten, das ihm eine Geldstrafe einbringen dürfte. Für Carlsen wird es jetzt sehr schwer werden, gegen den zunehmend sicherer spielenden Karjakin das Match wieder auszugleichen. Denn der russische Großmeister muss jetzt kein Risiko mehr eingehen und kann auf weitere Konterchancen lauern. Fest steht: Sollte der Russe tatsächlich am Ende vorne liegen, wäre dies einer der spektakulärsten Außenseitersiege in der langen Geschichte der Schach-Weltmeisterschaften.

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