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Wirtschaft

Senkrechtstart der ICBC bei weltgrößtem Börsengang

Beim weltgrößten Börsengang der Finanzgeschichte ist die chinesische Industrial and Commercial Bank (ICBC) fulminant am Markt gestartet. Sie platzierte in Hongkong und Schanghai Aktien für knapp 22 Milliarden Dollar.

Ein Arbeiter repariert eine Lampe der Geschäftsstelle von ICBC in Hongkong

Steiler Aufstieg: Geschäftsstelle der ICBC in Hongkong

Mit beträchtlichen Kurssprüngen ist die Aktie der chinesischen Staatsbank ICBC am Freitag an den Börsen in Hongkong und Schanghai gestartet. In Hongkong stieg der Preis pro Aktie direkt nach Handelsbeginn auf 3,63 Hongkong-Dollar - rund 17 Prozent mehr als der Ausgabepreis von 3,07 Hongkong-Dollar. In Schanghai fiel der Anstieg etwas geringer aus, um 8,97 Prozent über dem Ausgabepreis von 3,12 auf 3,4 Yuan pro Aktie.

"Wir wollen große Gewinne einfahren"

Zeremonie zum Börsenstart in Hongkong

Zeremonie zum Börsenstart in Hongkong

Durch das starke Debüt bewegt sich der Marktwert der chinesischen Bank bei über 141 Milliarden Dollar. Damit rangiert ICBC auf Platz fünf unter den weltgrößten Kreditinstituten. "Dies ist ein Meilenstein in der Entwicklung unserer Bank und wir haben vor, aus ihr eine Bank zu machen, die besten Service bietet und große wirtschaftliche Gewinne einfahren wird", sagte ICBC- Präsident Jiang Jianqing laut Nachrichtenagentur Xinhua bei dem Börsenstart in Hongkong. Die ICBC ist bereits die dritte der vier chinesischen Großbanken, die der Staat an die Börse bringt. Trotz der Privatisierung bleibt sie allerdings zu 85 Prozent in staatlicher Hand. Die ICBC betreut mit fast 19.000 Filialen in China rund 150 Millionen Kunden.

Licht und Schatten der chinesischen Börse

Die chinesische Börse gehört weltweit zu den bestentwickelten in diesem Jahr. Die chinesische Volkswirtschaft wächst seit 15 Jahren um rund zehn Prozent jährlich und zählt zu den dynamischsten Regionen auf der Welt. Experten bescheinigen den Reformen im Bankensektor gute Erfolge. Dies alles liefert eine Erklärung dafür, warum die Aktien von ICBC überzeichnet wurden. Mauro Toldo, Emerging-Market-Analyst bei der Dekabank, hält aber diese Euphorie für nur teilweise gerechtfertigt: "Es ist eine sehr viel versprechende Angelegenheit, aber wir sehen natürlich auch weiter Schwierigkeiten wie Korruption, Aufsichts- und Transparenzprobleme sowie fehlendes Know-how."

Ansturm auf die Aktien in China

Ansturm auf die Aktien in China

Nach wie vor haben chinesische Banken ein zentrales Problem: Sie sitzen auf zu vielen so

genannten faulen Krediten, also Darlehen, bei denen keine Aussicht auf Rückzahlung besteht. Gerade hat die chinesische Zentralbank die uneinbringlichen Kredite als eine große Herausforderung bezeichnet. Zwar ist es der chinesischen Regierung durch die Erhöhung der Eigenkapitalquote einerseits und die Entlastung der Banken andererseits gelungen, den Anteil der Not leidenden Kredite bei den vier Staatsbanken auf durchschnittlich fünf Prozent zu senken. Aber bei einer Wachstumsdelle kann dieser Anteil wieder schnell auf zehn Prozent anwachsen. Für Margot Schüller, Finanzexpertin am Institut für Asienkunde aus Hamburg legt das nahe, ist die Reform des Bankensystems in vielen Bereichen noch nicht so erfolgreich. "Vor allem auf der Lokalebene die Banken müsste noch einiges gemacht werden."

Interesse von ausländischen Banken

In einem Beitrittsprotokoll der WTO Ende 2001 hat sich China verpflichtet, seine Finanzmärkte ab Anfang 2007 für ausländische Konkurrenz zu öffnen. Es wird den chinesischen Banken dadurch aber nicht schlechter gehen, glaubt Margot Schüller. Das läge vorerst auch gar nicht im Interesse ausländischer Konkurrenz. Eine Reihe ausländischer Banken und Versicherungen hat sich der Regierung in Peking bereits als strategische Investoren angeboten und an chinesischen Banken beteiligt. Der deutsche Allianz-Konzern profitiert vom erfolgreichen Börsenstart der chinesischen Bank. Anfang des Jahres hatte sich der Konzern einen ICBC-Anteil von 2,5 Prozent für etwa eine Milliarde Dollar gekauft. Dieser Wert hat sich nun mehr als verdoppelt. Mit ihrem Debüt überflügelt die Bank mit Sitz in Peking die ehemals weltweit größte Emission des japanischen Mobilfunkanbieters NTT DoCoMo mit 18,4 Milliarden Dollar aus dem Jahr 1998.

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  • Datum 27.10.2006
  • Autorin/Autor Zhang Danhong/(cin)
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  • Permalink http://p.dw.com/p/9Ib7
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