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Alltagsdeutsch – Podcast

Seniorenzeitschriften

Alt geworden oder jung geblieben? Alter ist keine Frage der gelebten Jahre, es ist eine Frage der Einstellung. Die heutigen Senioren sind aktiv und rüstig. Für viele geht mit 66 Jahren das Leben erst so richtig los.

Sprecherin:

Der Schlagersänger Udo Jürgens ist bereits älter als 66 Jahre, aber dieses Alter scheint ihm zu gefallen. Mit 66 Jahren haben die meisten Menschen ihr Erwerbsleben, das berufstätige Arbeitsleben hinter sich gelassen. Die Kredite für das Haus sind abbezahlt, die Kinder gehen ihre eigenen Wege. Jetzt fängt das Leben richtig an, sagen sich die Alten von heute. Aber richtig alt sind sie ja noch gar nicht, denn Alter ist nicht nur eine Frage der gelebten Jahrzehnte. Und für die meisten Menschen steht fest, mit 66 Jahren ist man noch nicht alt. Auch die Chefredakteurin der Bonner Zeitschrift "Seniorenecho" sieht Unterschiede zwischen Alter früher und Alter heute:

O-Ton:

„Schauen Sie sich mal die Bilder von der Senioren von früher an. Wenn ich mir Bilder von meiner Großmutter ansehe. Sie trug lange schwarze Kleider, sie trug einen schwarzen Hut und da war so eine Nadel durchgesteckt, damit der nicht wegflog und sie bewegte sich ganz würdevoll, also solche Senioren sehen Sie heute nicht mehr."

Sprecherin:

Körperlich nicht so abgearbeitet und verbraucht wie die Menschen vor 50 Jahren, so erscheint die ältere Generation heute. Hannelore Schmitz bezeichnet ihre Großmutter als würdevolle Seniorin. Doch wer zählt heute zur Gruppe der Senioren?

Sprecher:

Laut Definition ist das Fremdwort senior lateinischen Ursprungs und seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert in der deutschen Sprache bekannt. Der lateinische senior war ein älterer, bejahrter, reifer, erwachsener Mann zwischen 45 und 60 Jahren. Auch die Nähe zum lateinischen senilis, greisenhaft, und zu senatus, der Rat der Alten, ist verbürgt. Ein flotter Herr über 60 sieht in der Altersfrage dagegen eine Frage der individuellen Reife:

O-Ton:

„Es gibt sicherlich Leute, die sind erst ab 80 Senior, aber da gibt es auch Leute, die sind ab 45 Senior, das hängt von vielen Dingen ab, was ich nicht vertragen kann ist, wenn man sagt ich bin ab 72 oder 75 Senior und vorher mach ich krampfhaft einen auf jung, hüpf herum mit solchen Absätzen und bin geschminkt wie ein Kirmespferd, das behagt mir nicht, man soll zu seinem Alter stehen."

Sprecherin:

Wer krampfhaft einen auf jung macht, möchte gern jünger erscheinen als er oder sie ist. Krampfhaft etwas tun heißt alle Kräfte aufzubieten, um ein Ziel zu erreichen, ein Ziel verbissen verfolgen. Der medizinische Begriff Krampf, der ein plötzliches sich Zusammenziehen der Muskulatur beschreibt, stand hier Vorbild. Einen auf jung machen bedeutet sich zurechtzumachen, sich zu verschönern, aber auch etwas übertriebener, sich herauszuputzen. Extrem hohes, wackeliges Schuhwerk oder aber der zu offensichtliche Gebrauch von Schminke regen diesen Herrn auf. Er findet, dass eine solche Frau geschminkt sei wie ein Kirmespferd, also so herausgeputzt daherkommt wie die farbenfroh lackierten Holzpferdchen auf einem Kirmes Karussell, eben nicht altersgemäß.

Sprecher:

Ein Senior oder eine Seniorin zu sein hängt offensichtlich von der persönlichen Meinung ab. Man könnte also in Ruhe alt werden, wenn da nicht die Marktforschungsinstitute wären, die die Seniorengeneration für die Wirtschaft entdeckt haben. Denn laut Statistik wird man erst mit 72 Jahren in diese Altersklasse aufgenommen. Oliver Frank Bernhard ist der kaufmännische Leiter der Zeitschrift "Lenz". Auch Verlage haben die ältere Generation als potentielle Käuferschicht entdeckt und bringen altersgemäße Produkte auf den Markt. Bernhard zieht eine klare Linie zwischen der Altersklasse vor und der nach 70.

Oliver Frank Bernhard:

„Wir bedienen nicht die vierte Generation, wenn ich daso sagen darf. Wir sind auch keine Seniorenzeitschrift. Es gibt Untersuchugen, dass Senioren diese Begrifflichkeit erst akzeptieren ab dem 72. Lebensjahr. Demzufolge sind wir keine Seniorenzeitschrift. Wir bedienen die Menschen, die interessiert, die jung geblieben sind, die aktiv sind, im besten Alter."

Sprecherin:

Die Zeitschrift hat einen vielversprechenden Namen gewählt. Denn Lenz ist der heute nur noch dichterisch verwendete Ausdruck für den Frühling. Der Lenzmonat ist der März, weil mit Beginn des kalendarischen Frühlings die Tage wieder länger werden, was in dem althochdeutschen Adjektiv lang ausgedrückt wird. Wer wenig arbeiten und faulenzen möchte, der schiebt einen ruhigen oder faulen Lenz. Im übertragenen Sinne bezeichnen wir die Jugend als den Frühling des Lebens. Doch sprechen wir häufig vom zweiten Frühling, der keineswegs in der Jugend, sondern in fortgeschrittenem Alter Einkehr hält. Im zweiten Frühling befindet sich der Witwer, der sich nach dem Tod seiner Frau noch einmal verliebt oder die Genesende, die nach langer Krankheit das Leben wieder genießen kann. Der zweite Frühling bezeichnet einen Neuanfang. Der Zeitschriftentitel "Lenz schließlich spricht die Aufbruchstimmung derjenigen an, die zwar statistisch gesehen noch nicht zu den Senioren gerechnet werden, aber durch Vorruhestand oder Frührente schon zu der Generation der nicht mehr Erwerbstätigen gehören.

Von einem Aufbruch der Senioren sprechen auch die Macherinnen der Bonner Seniorenzeitschrift "Senioren". Celia Schmidt:

Celia Schmidt:

„Wenn man jetzt bedenkt, dass Senioren im Alter von 50 plus, also 50 bis 100 geht, und die Generation der sogenannten 68er auch hineinkommt in das Seniorenalter, dann kann man nur von Aufbruch sprechen. Das ist also eine Größenordnung mit der man rechnen muss, einmal mengenmäßig und dann auch von der Qualität, was da an Power und an Wissen, Kenntnissen, an Erfahrungen drin ist und auch noch umgesetzt werden will, das ist enorm."

Sprecher:

Das Wort Power ist einer der vielen Anglizismen – als Anglizismus bezeichnet man aus dem englischen oder amerikanischen übernommene Wörter – die sich im deutschen Sprachgebrauch durchgesetzt haben. Power steht für Kraft, Stärke. Wer im Alter noch Power hat, der kann noch viel leisten. Enorm ist ein aus dem lateinischen und französischen entlehnter Begriff, der soviel bedeutet wie von außergewöhnlich großem Ausmaß.

Sprecherin:

In der Redaktionskonferenz des Bonner Seniorenechos wird über das geeignete Titelbild für die kommende Ausgabe diskutiert. Die sich ausschließlich aus Seniorinnen zusammensetzende Redakteursrunde entscheidet sich schließlich für einen dynamischen älteren Herrn in einer Felsspalte. Er verkörpert die Werte dieser Generation: Aktivität und Mobilität.

O-Ton:

„Wir haben ganz provozierend als Titelbild einen Freeclimbing-Senior, einen Senioren, der Freeclimbing macht. Freeclimbing, klettern, wir haben auf der anderen Rheinseite im Siebengebirge ein Klettergebiet, da sind wir schon als Kinder zum Klettern hingegangen und heute klettern da die Senioren."

Sprecher:

Freeclimbing ist ebenfalls ein Wort aus dem englischen Sprachraum und bedeutet soviel wie freies Klettern. Ohne technische Hilfsmittel wie Seile oder Haken klettert man vornehmlich mit der Kraft der Hände schwierige Felswände hinauf. Freeclimbing als Sportart wird nicht nur an natürlichen Felsen im Gebirge erprobt. Es gibt eigens zu diesem Zweck errichtete Sportstätten mit Trainingswänden zum Üben.

Sprecherin:

Während die kommerzielle "Lenz" jeden Monat eine Auflage von über 90 Tausend im deutschsprachigen Raum verkauft, liegt das Bonner Seniorenecho in städtischen und privaten Einrichtungen in und um Bonn kostenlos aus. 20 Tausend Exemplare finden innerhalb von zwei Wochen reißenden Absatz, sagt Celia Schmidt:

Celia Schmidt:

„Es gibt eine gewachsene Struktur an Seniorenzeitschriften im ganzen Bundesgebiet. Das ist sehr unterschiedlich entstanden, manchmal aus Initiativen von Senioren selber, vielfach auch von Städten und Kommunen, die ... den Bedarf an Betreuungseinrichtungen für ältere Menschen in den letzten Jahrzehnten erst mal haben decken müssen. Dadurch sind halt diese Zeitschriften entstanden, Informationen für diese ganz besondere Lebenslage für diese älteren, oft behinderten Menschen, die eben durch das Alter Beeinträchtigungen hinnehmen müssen oder isoliert sind ... die Generation Senioren, die wir jetzt haben, die braucht etwas anderes, die lebt noch selbständig in ihren Häusern oder Wohnungen, die sind noch nicht aus der Gesellschaft auszugliedern, die mischen mit."

Sprecher:

Mitmischen beschreibt anschaulich den aktiven Prozess des Einflussnehmens. Es ist eine umgangssprachliche Redewendung, die besagt, dass jemand der mitmischt, sich mit vollem Einsatz beteiligt.

Das deutsche Wort Initiative wurde im 18. Jahrhundert aus dem französischen entlehnt und bedeutet soviel wie Entschlusskraft. Initiativ werden heißt den Anfang machen und von einer Initiative spricht man, wenn eine Gruppe von Menschen gemeinsam eine bestimmte Sache eingeführt hat und diese auch in der Öffentlichkeit vertritt.

Das tun die Bonner Seniorinnen mit ihrer Zeitschrift, und dass es bei soviel geballter weiblicher Initiative auch schon einmal zu Auseinandersetzungen kommt, ist nur verständlich.

O-Ton:

„Eine Seniorin sagt immer, es menschelt wieder, die Befindlichkeiten und manchmal ist man auch nicht so gut drauf. ... Das Hauptproblem ist häufig der Kontakt zwischen Laien und Profis, das sind die, die ihr Leben lang journalistisch gearbeitet haben oder in PR-Agenturen oder in Lobbyverbänden in Bonn und denjenigen, die Hausfrauen waren oder die immer schon gern Geschichten geschrieben haben ... und die jetzt dieses journalistisch Redaktionelle leisten wollen und sollen."

Sprecherin:

Es menschelt, wenn Menschen sich miteinander auseinandersetzen. In einer solchen Auseinandersetzung wird deutlich, dass Menschen nicht frei von Schwächen sind. Auch die Befindlichkeiten beschreiben die menschliche Verfassung. Während das Befinden den gesundheitlichen Zustand einer Person umfasst, zielen die Befindlichkeiten auf das allgemeine Wohlbefinden. In der Umgangssprache spricht man jedoch weniger von Befindlichkeiten, sondern man sagt, jemand ist gut drauf oder nicht gut drauf, fühlt sich also wohl oder nicht wohl.

Sprecher:

PR ist wieder ein Anglizismus, und eine Abkürzung dazu, die für Public Relations steht – für die öffentlichen Beziehungen. PR ist Öffentlichkeitsarbeit.

In britischen und amerikanischen Parlamentsgebäuden bezeichnet man die Wandelhalle als Lobby. Hier treffen Abgeordnete mit Wählern und Interessengruppen zusammen. Eine Interessengruppe, die man daher auch Lobby nennt, versucht das Votum der Abgeordneten zu einem bestimmten Thema zu beeinflussen.

Sprecherin:
Der Vielfalt an Erfahrungen älterer Menschen steht eine Vielfalt an Interessen gegenüber, die sowohl eine auf ehrenamtlichem Engagement beruhende Zeitschrift wie das Seniorenecho als auch eine kommerzielle Zeitschrift wie "Lenz" berücksichtigen muss. Nicht die tagesaktuellen Nachrichten sind in diesen Zeitschriften gefragt, sagt Oliver Frank Bernhard. So finden zum Beispiel die Reiseseiten großen Anklang bei den junggebliebenen Alten.

Oliver Bernhard:

„Und da kommen verschiedene Faktoren zusammen, man hat Zeit, man hat Geld, man hat eine gewisse Erfahrung, man ist noch rüstig. Man ist ja heute mit 50 noch nicht körperlich gebrechlich, sondern eher in der Blüte seines Lebens, es sind also alle Voraussetzungen da, um reisen zu können."

Sprecher:
Rüstig
ist eine Ableitung des westgermanischen Verbs rüsten – die Rüstung herrichten für kriegerische Auseinandersetzungen. In Anlehnung an die ursprüngliche Bedeutung heißt rüstig soviel wie noch kraftvoll, noch tatkräftig sein. Mit 50 ist man noch rüstig, noch in der Blüte des Lebens, sagt Oliver Frank Bernhard. Die heutige Form des Wortes Blüte hat sich im 17. Jahrhundert aus dem Plural des mittelhochdeutschen bluot = Blühen, Blüte entwickelt. Im übertragenen Sinne bezeichnen wir herausragende Jahre einer Gesellschaft als kulturelle oder wirtschaftliche Blütezeit.

Sprecherin:

Das nur alle zwei Monate erscheinende Seniorenecho setzt zudem auf Schwerpunktthemen. Celia Schmidt:

Celia Schmidt:

„In jeder Ausgabe in diesem Jahr wird das Thema freiwillige Leistungen sein. Grüne Damen im Krankenhaus oder Alt hilft Jung ... eine 81jährige Seniorin betreut ausländische Schüler und hilft ihnen bis zum Abitur und das schon über Jahre durch Nachhilfeunterricht."

Sprecherin:

Fazit: Ob sie die magische 72 nun schon erreicht haben oder nicht, die heutigen Senioren sind aktiv und rüstig. Und das nicht erst ab 66.

Fragen zum Text:

Was bedeutet die umgangssprachliche Redewendung mitmischen?

  1. Mitmischen beschreibt anschaulich den aktiven Prozess des Einflussnehmens.
  2. Mitmischen ist eine Redewendung aus dem Altgriechischen, die das Zusammenleben von Generationen beschreibt.
  3. Die Redewendung wird meist im Zusammenhang mit Kuchenbacken verwendet.

Wer oder was ist der Lenz?

  1. Lenz ist der heute nur noch dichterisch verwendete Ausdruck für den Frühling.
  2. Lenz ist der umgangssprachliche Name für einen Gärtner.
  3. Lenz ist ein anderer Name für Winter.

Seit wann ist der Begriff Senior in der deutschen Sprache bekannt?

  1. Seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert
  2. Seit 2 Wochen
  3. Seit dem 12. Jahrhundert

Arbeitsauftrag:

Erörtern Sie die Vor- und Nachteile des Älterwerdens.

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