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Afrika

Senegals Rebellin Penda Mbow

Eigentlich wollte sie Richterin oder Ärztin werden. Aber dann kam alles anders: Penda Mbow ist heute Geschichtsprofessorin und Feministin. Sie kämpft für die Rechte der Frauen in Senegal.

Penda Mbow (Foto: Pape)

Penda Mbow

Angst hat Penda Mbow nie. Nach einer öffentlichen Diskussion haben Politiker die senegalesische Rebellin schon mal als bösartig bezeichnet oder ihr vorgeworfen, sie sei von Geisterhand gesteuert. Aber sie hat auch danach kein Blatt vor den Mund genommen. Als die resolute Frau - wegen ihres Engagements gegen das Kastensystem in Senegal - vor Gericht geladen wurde, da hat sie das nicht davon abgehalten weiter zu kämpfen. Und dass auf öffentlichen Kundgebungen immer mal wieder Demonstranten verprügelt werden, das kann die 55-jährige auch nicht einschüchtern.

Penda Mbow ist um nichts in der Welt von ihren Überzeugungen abzubringen. Und von ihrem Engagement für die Frauen in Senegal erst recht nicht. Deshalb tritt sie unermüdlich bei öffentlichen Diskussionen und in den Medien auf. Und deshalb hat sie eine mächtige Bewegung gegründet: den "mouvement citoyen", eine Bürgerbewegung, die sich für die Belange von Frauen und Jugendlichen einsetzt.

Europäerinnen haben andere Probleme

Afrikanische Erdnuss-Verkäuferin (Foto: Pape)

Straßenverkäuferin versucht sich durchzuschlagen

"Ich bin mit Leib und Seele Feministin", sagt Penda Mbow mit dem Brustton der Überzeugung. "Das war ich immer, schon in der Schule". Feminismus - das ist für sie vor allem eine intellektuelle Einstellung. "Wenn man Feministin ist, dann muss man sich zu allererst mit Argumenten bewaffnen. Dann kann der Kampf in der Gesellschaft beginnen". Auch wenn man akzeptieren müsse, dass sich die Gesellschaft nicht von heute auf morgen verändern werde. "Man braucht viel Geduld", sagt die Frau mit dem kunstvoll um den Kopf drapierten Tuch und lächelt. Darin sieht sie auch den Unterscheid zu Feministinnen aus dem Westen. "Wir haben hier noch ganz andere Probleme als die Europäerinnen", sagt sie. "Bis zur Gleichstellung von Mann und Frau ist unser Weg noch wesentlich länger".

Die Probleme der Frauen in Senegal beginnen schon damit, dass ständig der Strom ausfällt oder es mal wieder kein Wasser gibt. Penda Mbow hat schon früh angefangen, mit Petitionen dagegen anzugehen. Auch gegen Beschneidung, Polygamie, Unterdrückung der Frauen in den Familien oder durch die Religion gehen sie und ihre Mitstreiter gerne auf die Barrikaden. Und unermüdlich versucht die Rebellin, ihre Geschlechtsgenossinnen aufzuklären. Manche Frauen meinten, in Senegal gäbe es Gleichberechtigung, wenn eine Frau Ministerin wird, sagt sie und ist darüber ehrlich erstaunt. Dass die gleiche Frau zum Beispiel die vierte Ehefrau eines religiösen Führers sei - das werde dabei nicht gesehen.

Reizthema Polygamie

Junge Senegalesen in einer Klasse (Foto: Pape)

Viele junge Senegalesinnen hören auf Penda Mbow

Polygamie – das ist für Penda Mbow ein besonderes Reizthema. Sie selbst ist gläubige Muslimin und davon überzeugt, dass der Islam die Monogamie propagiert. "Wenn uns hier ein Imam erzählt, der Koran würde die Polygamie erlauben, dann ist das eine völlig veraltete Einstellung". Zumal ein solches Familienmodell Senegal nicht voranbringe. Im Gegenteil, sagt Penda Mbow und weiß, dass sie damit einige Männer ziemlich provoziert: "So lange wir kein Land sind mit einem modernen, gleichberechtigten, vernünftigen Familienmodell – so lange werden wir uns auch nicht entwickeln!"

Penda Mbow selbst kommt nicht aus einer reichen Familie. Als Kind musste sie sich in ihrer Familie um den Haushalt und um ihre jüngeren Geschwister kümmern. Ihr Glück war, dass sie trotzdem zur Schule gehen durfte. Sie war ein neugieriges Mädchen, das alle Bibliotheken der Hauptstadt durchstöberte, um ihren enormen Wissensdurst zu stillen. Später wollte sie eigentlich mal Richterin werden oder Ärztin. Aber die Ereignisse in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit ihres Landes von Frankreich haben sie so fasziniert, dass sie Geschichtsprofessorin an der Universität von Dakar wurde. Nach dem Regierungswechsel im Jahr 2000 war sie auch mal kurz Kulturministerin. Sie stellte allerdings schnell fest, dass sie damit ihre Unabhängigkeit verlor. Und dass die ihr wichtiger ist als Macht und Luxusleben einer Ministerin. Nach nur zwei Monaten gab sie ihr Amt wieder ab. Das hatte es im Senegal noch nicht gegeben.

Träume von selbstbestimmten Frauen

Farmarbeiterin mit Kind arbeitet auf einer Tabakplantage (Foto: ap)

Selbstbestimmtes Leben?

Sie ist und bleibt also Feministin. Eine etwas andere als zum Beispiel bekannte deutsche Feministinnen wie Alice Schwarzer - auch im privaten Bereich. Die 55-jährige ist immer noch nicht verheiratet, was für eine Senegalesin nicht immer leicht ist. Aber Penda Mbow schert sich nicht um die Häme, die von manchem Gegner darüber verbreitet wird. Und manchmal philosophiert sie auch darüber, wie ein Ehemann für sie sein müsste: "weltoffen, verständig, tolerant und in der Lage, sich mit mir intellektuell über alles auszutauschen". Und einen solchen Mann habe sie einfach noch nicht gefunden.

Ihr wichtigster Traum ist wohl auch ein anderer. Sie wünscht sich ein Land, in dem die Frauen nicht dazu gezwungen werden, zu Hause zu sitzen und "ein Kind nach dem anderen zu bekommen". Ein Land, in dem die Frauen selbst über ihre Leben bestimmen und so zur Entwicklung ihres Landes beitragen können.

Autorin: Klaudia Pape

Redaktion: Katrin Ogunsade