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G20

Senegals Präsident: "Compact with Africa" ein starkes Engagement

Im Mittelpunkt des Berliner G20-Afrikagipfels steht der "Compact with Africa", eine Inititative der Bundesregierung. Im DW-Exklusivinterview sagt Senegals Präsident Macky Sall, was er davon hält.

Senegals Präsident Sall spricht mit Bundeskanzlerin Merkel bei einem Besuch in Berlin

Senegals Präsident Sall mit Bundeskanzlerin Merkel bei einem Besuch in Berlin

DW: Herr Präsident, im Juli findet in Deutschland der G20-Gipfel statt. Afrika gehört zu den Prioritäten der deutschen G-20-Präsidentschaft, die das Projekt "Compact with Africa" auf den Weg gebracht hat. Welche Erwartungen und Forderungen verbinden Sie damit?  

Macky Sall: Ich möchte Angela Merkel zu ihrer Initiative "Compact with Africa" im Rahmen des G20-Gipfels beglückwünschen. Es handelt sich um ein sehr starkes Engagement. Frau Merkel war es wichtig, im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft eine neue Partnerschaft mit Afrika zu entwickeln. Sie hat also zunächst fünf afrikanische Staatspräsidenten nach Deutschland eingeladen, darunter auch mich. Das war ein erster Schritt. Wenn wir über Partnerschaft reden, dann meinen wir einen fairen Austausch zwischen echten Partnern. Wir Afrikaner haben ja konkrete Vorstellungen von der Entwicklungszusammenarbeit und diese Vorstellungen unterscheiden sich kaum von denjenigen Deutschlands. Die Prioritäten, die jetzt von Deutschland gesetzt werden, stimmen komplett mit unseren Vorstellungen überein.

Welche Rolle wird die "afrikanische Agenda" beim G20-Gipfel letztendlich spielen?

Als afrikanisches Land wird der Senegal versuchen, seine Vision einer echten Partnerschaft in diesen Gipfel hineinzutragen. Wir machen uns ja seit Jahren für neue, verbeserte Partnerschaften, vor allem mit den Ländern der Europäischen Union, stark. Wir setzen uns für eine intensivere Zusammenarbeit mit unseren traditionellen Partnern, aber auch mit den neuen Regionalmächten und Schwellenländern ein. Es geht uns Afrikanern vor allem darum, endlich als echte Partner akzeptiert zu werden. In diesem Zusammenhang betrachten wir die Idee von Frau Merkel als eine sehr großzügige Geste und wir sollten die Chance ergreifen und uns mit viel positivem Esprit einbringen.

Es geht nicht darum, Forderungen zu stellen, sondern viel mehr darum, dass wir uns über bessere Mechanismen der Kooperation verständigen. Nur so kann man die Bedingungen für private Investoren verbessern. Wir wissen doch alle, dass öffentliche Investitionen nicht ausreichen, um den wirtschaftlichen Aufschwung Afrikas zu garantieren. Man muss also öffentliche und private Investitionen kombinieren. Um aber privates Investment anzuziehen, muss man die notwendigen Rahmenbedingungen verbessern: Den Rechtsstaat und die unabhängige Justiz ausbauen, die Rechtssicherheit der Investoren erhöhen, damit sie mehr in Afrika investieren. Wenn diese Voraussetzungen einmal geschaffen sind - sei es im Bereich der Energie, die ja eine Priorität der afrikanischen Entwicklungsbemühungen bleibt, sei es im Bezug auf andere notwendigen Infrastrukturen, können wir relativ schnell die notwendige Finanzierung - öffentlich oder privat - auf den Weg bringen.

Gibt es ein konkretes Projekt, sei es im Bereich der Energie, der Infrastruktur oder der Landwirtschaft, das Sie in Berlin bereits vorlegen können?

Nein, noch nicht. Wir befinden uns noch in einer Phase des Austauschs. Aber natürlich haben wir unterschiedliche Projekte im Rahmen unseres nationalen Plans "Sénégal Emergent" in der Schublade. Wir haben eine Reihe von Projekten, die sehr gut und detailliert sind und die darauf abzielen, die Infrastruktur in verschiedenen Bereichen zu verbessern und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sie für Wachstum und Beschäftigung sorgen, vor allem für die Jugend in unseren Ländern. Ich beziehe mich sowohl auf den Senegal als auch auf Afrika im Allgemeinen, denn es gibt ja auch Pläne zur Entwicklung der Infrastruktur des gesamten afrikanischen Kontinents.

Im Senegal geht es vor allem um Straßenbauprojekte, um Autobahnen mit Mautsystemen. Wir wollen auch unser Eisenbahnsystem modernisieren und ausbauen. Und es geht uns auch um die Modernisierung unserer Landwirtschaft, vor allem um den Ausbau der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Wir müssen dahin kommen, dass wir nicht nur Rohstoffe produzieren sondern einen Mehrwert mit verarbeiteten Produkten schaffen und dadurch auch Arbeitsplätze für die afrikanische Jugend entstehen.

Sie sprechen die Jugendarbeitslosigkeit in Afrika an. Welche Erwartungen haben sie in dieser Hinsicht an Deutschland? 

Ich glaube, dass Deutschland, zusammen mit der Schweiz, über ein hervorragendes Berufsausbildungssystem verfügt, das erfolgreich Theorie und  Praxis verknüpft. Es ist wichtig, jungen Leuten Qualifizierungen zu geben, die ihre Chancen auf einen würdigen Arbeitsplatz erhöhen. Das fehlt in den meisten afrikanischen Ländern. Unsere Ausbildungssysteme sind meistens zu elitär. Oft ist die Ausbildung auch zu allgemein: Wir bilden einfach keine Spezialisten aus. Dass die deutsche Wirtschaft so stark und robust ist liegt sicherlich auch am hohen Qualifikationsgrad der Arbeitnehmer, der Ingenieure und der Techniker in Deutschland. Also ich finde, Afrika und der Senegal sollte das im Blickfeld haben. Und das geschieht auch: Afrika steht vor einem Paradigmenwechsel im Bereich der Ausbildungspolitik.

Macky Sall ist seit 2012 Präsident Senegals.

Das Interview führte Wendy Bashi.

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