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Afrika

Sender in den Niederlanden informiert Darfur

Krieg oder Frieden – für die Konfliktregion Darfur steht bei diesen Wahlen viel auf dem Spiel. Wie sie verlaufen, erfahren die Bewohner der Region ausgerechnet von einem Radio aus den Niederlanden: Radio Dabanga.

Afrikanerin hört Radio (AP Photo/George Osodi)

Afrikanische Radiohörerin

Seit fast einem Jahrzehnt liefern sich in Darfur Milizen der Zentralregierung und Rebellen einen blutigen Bürgerkrieg. Die Zivilisten sind – wie so oft – die Leidtragenden. Neben dem Lebensnotwendigen fehlte es ihnen bislang auch an einem: an verlässlichen Nachrichten aus und über ihre eigene Region. Das ändert Radio Dabanga aus dem niederländischen Hilversum: Seit etwas mehr als einem Jahr versorgt der Sender Darfur und den Südsudan drei Stunden täglich mit den wichtigsten Nachrichten. Weil der Sender in Darfur selbst wahrscheinlich geschlossen würde, nehmen die Journalisten den Umweg über die Niederlande.

Radio für die Menschen in Darfur

Redakteure von Radio Dabanga bei der Arbeit (Foto: Radio Dabanga)

Die Journalisten von Radio Dabanga

Mit Erfolg: Innerhalb von nur einem Jahr hat sich Radio Dabanga zum meistgehörten Radio in der Konfliktregion Darfur und dem benachbarten Süden entwickelt. Sein Konzept: Journalisten aus Darfur machen Radio für die Menschen in Darfur – täglich drei Stunden, morgens und abends. "Wir senden für Menschen, die mit ihrem kleinen Radio unter einem Baum sitzen", sagt Chefredakteur Hildebrand Bijleveld. "Die können wenig anfangen mit langen Berichten über die große Politik in der Hauptstadt Khartum." Viel wichtiger seien etwa Nachrichten über Engpässe bei der Spritversorgung oder Straßenblockaden, mit denen Sicherheitskräfte den Menschen den Weg zum Markt versperrten.

Bijleveld, ein Niederländer mit Nickelbrille und wachem Blick, hat selbst mehrere Jahre als Journalist im Sudan gearbeitet. Er kennt die Kultur und Mentalität - und die Probleme. Das hat ihm geholfen, als er Radio Dabanga aufgebaut hat, im Auftrag von Press Now, einer niederländischen Nichtregierungsorganisation. Das Budget des Senders bringt ein Netzwerk aus NGOs auf sowie verschiedene nationale Förderprogramme - unter den Gebern ist auch Deutschland.

Alle Parteien kommen zu Wort

Mitglieder der sudanesischen Rebellengruppe Bewegung Recht und Gleichheit (JEM) beim militärischen Drill. Foto: Stephen Morrison

Rebellen in Darfur

Das Erfolgsrezept des Senders: Radio Dabanga macht Programm in Sprachen, die alle Menschen in Darfur verstehen, auch die ungebildeten. Nämlich zwei regionale Varianten des Arabischen sowie die drei lokalen Sprachen Masalit, Sahawa und Fur. Außerdem kommt bei Radio Dabanga jede Partei zu Wort, vor allem jetzt bei den Wahlen. So ruft etwa ein Kandidat der ehemaligen Rebellenbewegung SPLM an und erzählt, bewaffnete Männer hätten seine Wahlveranstaltung gewaltsam aufgelöst. Der Vorfall ereignete sich rund sechs tausend Kilometer weit weg. Das Gebiet ist fast so groß wie Frankreich und Spanien zusammen; funktionierende politische Strukturen gibt es nicht. Und trotzdem: Radio Dabanga-Redakteur Mohamad Muhagir ist sicher, dass der Anrufer nicht lügt. "Ich habe das mehrmals gegenchecken lassen. Wir haben unsere Leute vor Ort, die immer nachprüfen, ob das stimmt, was uns die Politiker hier am Telefon erzählen."

Unabhängigkeit als oberstes Prinzip

Diese "Leute vor Ort" sind die eigentlichen Macher von Radio Dabanga: Ihre Interviews, Reportagen und Informationen schicken sie nach Hilversum, dort produzieren Muhagir und seine sechs Kollegen die Sendung. Jeder von ihnen betreut seine eigene Herkunftsregion in Darfur und arbeitet ausschließlich mit Korrespondenten und Informanten dieser Region zusammen. Die kennen sich untereinander nicht - eine Vorsichtsmaßnahme. Redakteur Gaafar Monro ist davon überzeugt, dass dieses Netzwerk und seine Arbeitsweise die Glaubwürdigkeit des Senders ausmacht: "Die Regierung beschuldigt uns, dass wir auf Seiten der Rebellen stehen, und die Rebellen sagen, Radio Dabanga arbeite für die Regierung. Wir sind also auf dem richtigen Weg: Niemand kann uns einer bestimmten Seite zuordnen, das ist sehr wichtig."

Und das heißt auch: keine Einflussnahme durch die Geldgeber. Radio Dabanga sei kein Instrument zur Aufklärung im Sinne westlicher Wertevorstellungen, macht Chefredakteur Bijleveld deutlich. Er gibt die Hoffnung nicht auf, dass der Südsudan wenn nicht unabhängig so doch wenigstens stabil wird. Dann, so sein Plan, soll der Sender sein Asyl in den Niederlanden verlassen und umziehen: nach Darfur – zu seinen Hörern.

Autorin: Katrin Matthaei

Redaktion: Klaudia Pape

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