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Europa

Senden gegen Schulden

Durch die Bankenkrise verzeichnen Schuldnerverbände einen dramatischen Ansturm Betroffener, die alleine keinen Ausweg aus der Kreditlast finden. Der Verein "Crésus" hat angesichts dessen ein Schuldner-Radio gegründet

Radio

Ein Radio will Schuldnern helfen

Hilfe für Mittellose im Rundfunk – das ist der Slogan von "Radio Crésus", das seit knapp einem halben Jahr in Frankreich auf Sendung ist. 24 Stunden am Tag spielt das Schuldner-Radio Reportagen, Musik und berät vor allem Hörer. Wer bei "Crésus" anruft, findet oft alleine keinen Ausweg mehr aus der Schuldenfalle – so wie Michelle Rauschen. "Ich bin allein mit einem Kind und habe Schulden. Vielleicht kann ‚Crésus' mir helfen", sagt sie.

Ein mutiges Radio

Symbolbild Kleingeld

Kaum noch Geld in der Tasche: Die Hörer von "Radio Crésus" sind oft mittellos

Noch knackt, rauscht und pfeift es im Live-Stream. Das Webradio sei in der Startphase, betont Jean-Louis Kiehl, Präsident des Trägervereins "Crésus". Es sei ein Experiment. "Wir erhalten Anrufe aus ganz Frankreich, von Leuten, die insolvent sind. Und wir helfen diesen Leuten, um sich zu befreien, wieder Mut zu finden", erklärt er.

Mutig sind auch die Macher von "Radio Crésus": Ohne finanzielle Hilfe von Sponsoren oder der Regierung haben die ehrenamtlich engagierten Rundfunk-Laien im Oktober 2008 vor allem in den eigenen Geldbeutel gegriffen, um das Studio in der Straßburger Innenstadt mit teurer Technik einzurichten.

Hilfe für Schuldner übers Radio

Symbolbild Telefon

Hunderte Hörer rufen täglich in der Redaktion von "Radio Crésus" an

An Nachfragen mangelt es den "Crésus"-Funkern nicht: Hunderte Anrufe gehen täglich ein. Die sechs ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins können sie gar nicht alle beantworten. Mit Beginn der Finanzkrise habe die Zahl um 50 Prozent zugenommen, sagt Kiehl. Deshalb habe "Crésus" sein Radio ins Leben gerufen: "Wir dachten, es sei einfacher, wenn man die Leute auf einem Rundfunk hören kann. Die Lösung, die wir diesen Leuten geben, kann dann auch anderen Leuten helfen."

"Radio Crésus" ist ein Informations- und Beratungssender für verfahrene Situationen. Schulden zu haben sei oft nicht nur eine finanzielle, sondern vor allem eine persönliche Katastrophe, sagt Kiehl. In der Vormittagssendung werden Schicksale erzählt: "Das begann mit dem Konkurs der Firma meines Mannes. Dummerweise habe ich einen Kredit aufgenommen, um das Unternehmen zu retten. Heute weiß ich, dass man einer Firma in Schieflage nicht privat helfen soll. Aber ich habe einfach daran geglaubt", erzählt Michelle.

Schuldnerberater Michel fragt gezielt nach der Höhe der Ausstände, den Einkünften und den bisherigen Versuchen der Betroffenen, bei Gläubigern und Banken Gehör zu finden. In besonders kniffligen Fällen schlagen die Moderatoren sogar einen Gesprächstermin nach der Sendung vor.

Pläne für die Zukunft

Während des laufenden Versuchsstadiums zeichnen die "Crésus"-Funker ihre Sendung einmal pro Monat auf und strahlen sie täglich aus. Daraus soll aber bald mehr werden, hofft Jean-Louis Kiehl. "Wir bräuchten eine Hilfe der französischen Regierung, vielleicht auch von Deutschland, wenn das möglich ist."

Autor: Frank Rossmann
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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