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Kultur

Selig in Rekordzeit

Mutter Teresa wird 2003 selig gesprochen. Obwohl sie in Indien höchste Anerkennung genießt, löst ein angeblich durch sie bewirktes Wunder Kontroversen aus.

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Umstrittene Wunderheilerin: Mutter Teresa

Kein Seligsprechungsverfahren ist so rasch abgewickelt worden, wie das für Mutter Teresa. Normalerweise dauert es mehrere Jahrzehnte, ehe ein gestorbener Gläubiger selig gesprochen wird. Doch Papst Johannes Paul II., der die 1997 verstorbene Ordensfrau außerordentlich schätzte, setzte das Verfahren für ihre Seligsprechung bereits zwei Jahre nach ihrem Tod in Gang. Noch in diesem Jahr soll die Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin, Mutter Teresa von Kalkutta, selig gesprochen werden. Papst Johannes Paul II. erklärte kurz vor Weihnachten, dass die Seligsprechung am 19. Oktober 2003 in Rom stattfinden soll.

Hoher Anspruch an die Seligen

Der Papst reduzierte allerdings nicht die hohen Ansprüche, die die katholische Kirche generell an ihre Seligen stellt: Das Leben von Mutter Teresa wurde gründlich überprüft. Zeugen wurden befragt, eine Dokumentation über ihr Leben erstellt, Schriften, Interviews, Erklärungen und Publikationen gesammelt. Auch ihr vor wenigen Wochen erschienenes Tagebuch, in dem sie von ernsten Glaubenszweifeln spricht, wurde begutachtet. Kritische Stimmen zum Umgang des von ihr gegründeten Ordens mit Spendengeldern oder zu den medizinischen Zuständen in ihren Pflegehäusern wurden ebenfalls gehört.

Nach erfolgreichem Abschluss der Untersuchungen in Kalkutta kam der Prozess nach Rom. Hier wurden die Ergebnisse erneut überprüft. Im Herbst 2002 erkannte der Vatikan schließlich offiziell die wundersame Heilung einer Inderin, die auf Fürbitte von Mutter Teresa von einem Magentumor geheilt worden sein soll, an. Damit wurde die zentrale Voraussetzung für die Seligsprechung, die Bestätigung eines Wunders, geschaffen.

Mutter Teresa oder war es der Arzt?

Doch die vatikanische Hast hat in Indien eine Kontroverse darüber ausgelöst, ob es sich bei der Heilung der 30-jährigen Inderin tatsächlich um ein Wunder handelt. Nach Aussagen von indischen Ärzten wurde die Patientin jahrelang in öffentlichen Krankenhäusern wegen eines Magentumors behandelt. Auch Jahre nach dem Tod von Mutter Teresa habe die Frau weiter an chronischen Magenschmerzen gelitten. Durch die medizinische Behandlung aber sei der Tumor allmählich geheilt worden.

Indische Wissenschaftler befürchten nun, dass durch die offizielle Anerkennung dieses Wunders die ohnehin weit verbreitete Wundersucht und Magiegläubigkeit des einfachen Volkes verstärkt wird und sich die Menschen noch weniger als bisher der medizinischen Wissenschaft anvertrauen.

Glaube an Wunder: hinderlich für Bekehrung

Auch innerhalb der indischen Kirche ist das "Wunder" umstritten. Die christlichen Gemeinden versuchen gerade durch ihre Missionierung den volksfrommen Hindus, die allzu bereitwillig Magie, Hexen, Geister und andere Formen des Aberglaubens annehmen, ein rationales und wissenschaftliches Weltverständnis zu vermitteln. Ist da die Bedingung eines Wunders noch zeitgemäß?

Dabei bestreitet in Indien niemand die Verdienste von Mutter Teresa. Erst vor kurzem wurde sie bei einer Zeitschriftenumfrage zur "größten Inderin des unabhängigen Indiens" gewählt. Für viele Gläubige war sie schon zu Lebzeiten eine Heilige. Beobachter glauben deshalb, die Verehrung Mutter Teresas hänge nicht davon ab, ob sie selig gesprochen wird oder nicht: Die Menschen würden Mutter Teresa immer für ihre Taten und ihr lebenslanges Wirken verehren.

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