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Aktuell Asien

Selbstverbrennungen in Tibet

In ihrem Protest gegen die chinesische Herrschaft haben sie keinen anderen Ausweg mehr gesehen: Abermals haben sich zwei Tibeter aus Verzweiflung selbst in Brand gesteckt.

Tibet-Flagge und Hammer mit China-Flagge (Foto: dpa)

Tibet China Symbolbild

Schauplatz des Geschehens war zum fünften Mal innerhalb einer Woche der Landkreis Sangchu (chinesisch: Xiahe) in der Tibetisch Autonomen Präfektur Kanlho (chinesisch: Gannan), die verwaltungsgemäß zur nordwestchinesischen Provinz Gansu gehört. Nach Angaben der in London ansässigen Organisation "Free Tibet" war das jüngste Opfer ein 23-jähriger Mann, der sich am Freitagabend auf der Hauptstraße der Ortschaft Sangkog (chinesisch: Amuquhu) selbst angezündet hat und kurz darauf verstarb. Passanten verhinderten laut Augenzeugen, dass Sicherheitskräfte seinen Leichnam wegschafften. Sie brachten auch den Toten zurück in sein Dorf Sertri.

Nur Stunden zuvor hatte sich ein 24-jähriger Nomade selbst verbrannt. Die Selbstanzündung soll vor dem örtlichen Militärstützpunkt und dem Verwaltungsgebäude stattgefunden haben. Er hinterließ eine Frau und eine zweijährige Tochter.

Die US-Organisation "International Campaign for Tibet", die sich seit mehr als 20 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes einsetzt, teilte mit, das Heimatdorf des Verstorbenen stehe nun unter "schwerer militärischer Kontrolle".

Buddhistische Mönche des Klosters Labrang (Foto: picture alliance/Robert Harding World Imagery)

Buddhistische Mönche des Klosters Labrang

Selbstverbrennung beim Kloster Labrang

Vor wenigen Tagen hatten sich erstmals zwei Tibeter im Umfeld des Klosters von Labrang selbst verbrannt, das zu den bedeutendsten religiösen Stätten des tibetischen Buddhismus zählt. Das Kloster gilt nach Angaben von "Free Tibet" auch als ein Zentrum des tibetischen Widerstands. Ein aus Labrang stammender und jetzt im Exil lebender Tibeter berichtete über eines der Opfer: "Er sagte immer, dass wir ein sehr schwieriges Leben unter den chinesischen Behörden hätten, und dass die Chinesen uns foltern und auf uns herabsehen".

Proteste gegen Flughafen

Die Tibeter, die sich am Freitag selbst angezündet hatten, stammen aus Dörfern, die in der Nähe der Baustelle eines neuen Flughafens liegen, den die chinesischen Behörden errichten lassen. Der Airport, dessen Bau vor drei Jahren beschlossen worden war, hat bereits mehrfach zu schweren Protesten der ansässigen Bevölkerung geführt, unter anderem auch deshalb, weil er in der Nähe eines von Tibetern als heilig angesehenen Bergs liegt.

2010 gab es aufgrund der heftigen Demonstrationen einen Baustopp. Nach der Stationierung starker Verbände von Militär und paramilitärischer Polizei wurden die Arbeiten im vergangenen Jahr wieder aufgenommen.

Kritische Lage in Tibet

Laut Informationen von "Free Tibet" zündeten sich seit der Niederschlagung tibetischer Proteste im Februar 2009 insgesamt 60 Männer und Frauen selbst an, um gegen Pekings Tibet-Politik zu protestieren. Mehrheitlich waren es buddhistische Mönche.

Aktivistengruppen sehen in den wiederholten Selbstverbrennungen im Nordosten Tibets eine dramatische Zuspitzung der Lage. "Die chinesischen Behörden müssen endlich auf die Tibeter zugehen, die Repressionen einstellen und in einen echten Dialog mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter, dem Dalai Lama, treten", forderte Kai Müller, Geschäftsführer der "International Campaign for Tibet Deutschland".

Die Form des Protests, sich selbst zu verbrennen, wird unter den Tibetern kritisch gesehen. Teilnehmer einer Konferenz von Exil-Tibetern am Sitz des Dalai Lama im indischen Dharamsala appellierten Ende September an ihre Landsleute, Selbstverbrennungen zu unterlassen.

se/hp (dpa, dapd, afp, KNA)