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Kultur

Selbstverbrennung als letzter Ausweg

Zwei Jahre nach dem Sturz der Taliban hat sich die Situation der Frauen in Afghanistan kaum verbessert. Alleine im vergangenen Jahr nahmen sich in Herat 160 Frauen das Leben - durch Selbstverbrennung.

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Noch längst nicht abgelegt - viele afghanische Frauen verhüllen sich noch

Herat, eine Stadt im Westen Afghanistans, nahe der iranischen Grenze. Fern ab der Hauptstadt Kabul werden Frauen dort weiterhin unterdrückt und misshandelt. Ismail Khan herrscht über die Stadt. Frauenrechte sind kaum ein Thema. Aber genau dafür tritt die deutsche Frauenhilfsorganistation "medica mondiale" ein. Bereits seit Ende des Afghanistan-Krieges kämpft sie in Kabul gegen die Gewalt an Frauen. Jetzt hat sie ihre Arbeit in die Provinz ausgedehnt.

Zwangsheirat von kleinen Mädchen

In Herat und Mazar-i-Sharif sollen Schutzhäuser für Frauen entstehen. Für das neue Projekt waren die "medica mondiale"-Mitarbeiterinnen Marjorie Stroud und Gurcharan Virdee fast drei Monate in Afghanistan. In Mazar-i-Sharif, einer Stadt im Norden des Landes, ist die Situation noch dramatischer als in Herat. Gleich mehrere Kommandeure konkurrieren hier um die Macht. Frauenrechte sind gar kein Thema. Junge Mädchen, gerade mal 9 oder 10 Jahre alt, werden mit deutlich älteren Männer zwangsverheiratet. "Es ist eine sehr arme Stadt. Die Eltern bekommen Geld, wenn sie ihre Tochter verheiraten", erklärt Gurcharan Virdee. Die Frauen und Mädchen haben keinerlei Macht, sich gegen dieses Unrecht zu wehren. Versuchen sie es, landen sie meist selbst im Gefängnis, anstelle ihrer Vergewaltiger.

"Frauen voller Energie"

Gurcharan Virdee ist überrascht über die Stärke der Frauen. "Sie sind voller Energie und wollen etwas verändern." Aber das ist nicht ganz ungefährlich. "Wenn eine Frau ihren Mund aufmacht und für Frauenrechte eintritt, hat das meist Folgen. Einige haben dadurch schon ihren Job verloren", erzählt Gurcharan Virdee. Mehr noch, wenn sie etwa Hilfe in einem Frauenhaus suchen, kann es passieren, dass die Familie die Frau verstößt. Und nach islamischem Recht, der Scharia, verlieren sie dann auch ihre Kinder, die älter als sieben Jahre sind.

Großes Interesse an Schutzhäusern

Dennoch: Die Frauen zeigten großes Interesse an dem Aufbau von Schutzhäusern. Und natürlich an der Möglichkeit dort ausgebildet zu werden. Denn genau das soll das von UNHCR finanzierte Projekt ermöglichen. Mit bereits dort arbeitenden Hilfsorganisationen will "medica mondiale" Schutzhäuser aufbauen. Die deutschen Frauenrechtler werden dabei beratend helfen. "Es geht um Bewusstseinsarbeit", sagt die Gründerin von "medica mondiale" Monika Hauser. Den Frauen muss erstmal klar werden, dass ihnen Unrecht geschieht. Dass sie Rechte haben. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet medica mondiale mit Frauen aus Kriegs-und Krisengebieten. Trauma-Arbeit ist ein erster Schritt zur Normalität. Bevor überhaupt an Ausbildung und berufliche Selbstständigkeit gedacht werden kann.

Bewusstsein für Frauenrechte schaffen

In Herat wurden bereits 34 afghanische Frauen in einem Seminar fortgebildet. Auch hier ging es für die Frauen vor allem um ihre eigenen Erfahrungen. Jede der Frauen habe selbst Gewalt erfahren oder miterlebt, berichtet Marjorie Stroud. In dem dreiwöchigen Seminar ging es zum einen um das Vermitteln von organisatorischen Fähigkeiten, logistischem Wissen und vor allem was es beim Aufbau eines Schutzhauses braucht. "Fachwissen über Trauma und das Bewusstsein zu Menschenrechtsverletzungen an Frauen hat dabei einen zentralen Stellenwert", so Marjorie Stroud weiter. "Eine Frau kam am nächsten Tag wieder ins Seminar und erzählte, sie habe einiges von dem gelernten angewandt und versucht damit anderen Frauen zu helfen", berichtet Gurcharan Virdee. Ziel ist es, irgendwann ein Netzwerk gegen die Gewalt an Frauen aufzubauen.

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  • Datum 07.04.2004
  • Autorin/Autor Janine Albrecht
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  • Permalink http://p.dw.com/p/4soL
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  • Autorin/Autor Janine Albrecht
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