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Nahost

Selbstmordattentäterinnen im Irak auf dem Vormarsch?

Im Irak haben sich vier Selbstmordattentäterinnen in die Luft gesprengt. Drei von ihnen töteten in Bagdad 25 schiitische Pilger. Dabei wollten die Behörden mit aller Macht ein neues Wallfahrts-Drama verhindern.

Eine verschleierte irakische Frau im traditionellen weiten schwarzen Gewand (Quelle: AP)

Das traditionelle weite Gewand diente den Attentäterinnen als Versteck für die Bombe

Augenzeugen und Polizisten in Bagdad berichteten, die drei Frauen hätten sich mit Sprengstoffgürteln in dem vorwiegend von Schiiten und Christen bewohnten Stadtteil Karrade unter die Wallfahrer gemischt. Die Pilger waren auf dem Weg zum Schrein des Imams Mussa al-Kadhem im Norden der Stadt. Bei dem Anschlag am Montag (28.07.2008) wurden mindestens 32 Menschen getötet und weitere 102 verletzt, wie die Polizei mitteilte. Es waren die blutigsten Attentate in Bagdad seit dem 17. Juni, als bei einem Bombenschlag 63 Menschen getötet wurden.

Frauen sollen Pilgerinnen durchsuchen

Eine verletzte Frau bekommt ärztliche Hilfe (Quelle: AP)

Eine beim Anschlag in Bagdad verletzte Frau bekommt ärztliche Hilfe

Bereits am vergangenen Freitag waren in Bagdad und Umgebung zahlreiche zusätzliche Straßensperren eingerichtet und Scharfschützen postiert worden, um Anschläge während der Wallfahrt zu verhindern. Nach Militärangaben wurden 100.000 irakische Sicherheitskräfte zum Schutz der Pilgerfahrt abgestellt. Sie sollen von US-Soldaten unterstützt werden. 200 Frauen, die als Freiwillige eingesetzt sind, sollen Pilgerinnen durchsuchen.

Die Behörden rechnen zum Höhepunkt der Wallfahrt am Dienstag mit mehreren zehntausend Pilgern. Die Schiiten begehen an diesem Tag den Todestag des Imams Mussa al-Kadhem im Jahr 799. Vor drei Jahren war es bei dieser Wallfahrt im Stadtteil Kadhemija zu einer Massenpanik auf einer Brücke gekommen. Rund 1000 Menschen wurden zu Tode getrampelt oder stürzten in den Fluss. Dafür hatte schon das Gerücht ausgereicht, unter den Pilgern seien Selbstmordattentäter.

Noch eine Selbstmordattentäterin?

Ein verletzter Mann wird ins Krankenhaus gebracht (Quelle: AP)

Unter den Opfern waren viele Pilger

Dabei war der heutige Anschlag in Bagdad nur der Beginn einer regelrechten Anschlagsserie im Irak, bei der insgesamt mindestens 47 Menschen getötet und über 250 weitere zum Teil schwer verletzt wurden.

In der Stadt Kirkuk im Norden des Iraks riss eine Bombe mindestens 15 Menschen in den Tod, 170 weitere wurden verletzt. Ziel des Anschlags war eine kurdische Protestkundgebung gegen den Entwurf eines neuen Wahlgesetzes für die Provinz. Der kurdische Widerstand gegen eine Teilung der Macht im Provinzrat in Kirkuk hatte die Verabschiedung des Gesetzes bislang verhindert. Auch hier wird vermutet, dass die Bombe von einer Frau gezündet wurde.

Weite Gewänder dienen als Versteck

In der Kleinstadt Balad Rus schließlich wurden vier Zivilisten durch einen Sprengstoffanschlag getötet, wie die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak meldete. Balad Rus liegt in der Unruheprovinz Dijala nordöstlich von Bagdad. Dijala war bislang die einzige Provinz des Iraks, in der häufig Selbstmordattentate von Frauen verübt werden. Die US-Armee hatte vor einigen Tagen eine eigene Frauen-Bürgerwehr ins Leben gerufen. Sie soll Frauen aufspüren, die Sprengstoff unter ihren weiten Gewändern tragen.

Die Anschläge vom Montag bedeuten einen schweren Rückschlag für das Vertrauen der irakischen Öffentlichkeit in die verbesserte Sicherheitslage, die zuletzt ein Absinken der Gewalt auf den niedrigsten Stand seit über vier Jahren verzeichnet hatte. (ag)

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