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Nahost

Selbstmordattentäterinnen als Heilige?

Für die einen ist es eine gelungene Provokation, für die anderen eine bodenlose Unverschämtheit. Eine Kunstausstellung, die Selbstmordattentäterinnen als Madonnen zeigt, spaltet Israel.

Ausstellung Ferror in Israel über feministischen Terrorismus (Foto: AP)

Provokation oder Geschmacklosigkeit?

Im Vorfeld der Ausstellung "Ferror" (feministischer Terrorismus) kam es in Israel zu heftigen Protesten. Vor allem Angehörige von Attentats-Opfern protestierten gegen die in der Ausstellung enthaltene Bilderserie "Frau, Mutter, Mörderin", in der palästinensische Attentäterinnen als Madonnen mit Jesuskind auf dem Schoß stilisiert werden.

Anstiftung zur Gewalt

So sagte beispielsweise Yossi Tzur, dessen Sohn 2003 bei einem Attentat auf einen Bus ums Leben kam: "Das ist kein Thema, was positiv dargestellt werden sollte. Das sind Monster, die Dutzende von Menschen umgebracht haben." Außerdem stifte die Ausstellung seiner Meinung zur Gewalt an, weshalb Tzur auch eine entsprechende Anzeige bei der Polizei aufgab.

Lilia Chack ist die verantwortliche Künstlerin der Bilder. In der israelischen Zeitung Jediot Achronot verteidigte sie ihr Werk mit der Aussage, die Terroristinnen seien als heilige Madonnen dargestellt worden, da sie wegen ihrer Mordtaten in Teilen der palästinensischen Gesellschaft wie Heilige verehrt würden.

Meinungsfreiheit gegen Einfühlungsvermögen

Die Ölgemälde sind mit einem Goldrahmen und mit einem Hinweisschild zum jeweiligen Attentat versehen, auf dem das Datum und die Zahl der Toten zu lesen ist. Sieben dazugehörige Videofilme wurden auf die Internet-Plattform "YouTube" hochgeladen – sie erzählen die Geschichten der jeweiligen Attentäterinnen.

Der Gastgeber der Ausstellung – das Journalistenhaus Beth Sokolov in Tel Aviv – reagierte zunächst nicht auf die Proteste. Jediot Achronot gegenüber sagte der Direktor des Journalistenhauses Jossi Bar Mocha, er könne die Ausstellung nicht verbieten, denn seine Institution sei der Meinungs- und Pressefreiheit verpflichtet.

Letzten Endes beugte sich Bar Mocha aber dem öffentlichen Druck. Nach einer telefonischen Umfrage unter Journalisten und einer Beratung mit seinem Anwalt, beschloss er die Bilder wieder abzuhängen. (mt/dh/ap/afp/kna)