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Politik

Selbstmordattentäterin reißt 40 Menschen mit in den Tod

Eine Selbstmordattentäterin hat im Irak mindestens 40 schiitische Pilger mit in den Tod gerissen. Es war bereits der dritte Anschlag dieser Art binnen einer Woche.

Pilger in Kerbala (Archiv)

Pilger in Kerbala (Archiv)

Die Frau zündete am Freitag (13.2.2009) ihren Sprengsatz nach Angaben des Innenministeriums inmitten einer Gruppe von Frauen und Kindern, die auf dem Weg in die den Schiiten heilige Stadt Kerbala waren. Mehr als 60 weitere Menschen wurden verletzt. Viele von ihnen hätten schwere Wunden am Kopf oder Bauch, sagte ein Arzt in der nahegelegenen Stadt Hilla. Die Attentäterin hatte sich trotz scharfer Sicherheitsvorkehrungen bei der Ortschaft Iskandarija unter die Frauen und Kinder mischen können.

Menschenmenge vor Moschee (AP)

Imam-Hussein-Schrein in Kerbala

Bereits am Donnerstag hatte ein Selbstmordattentäter in Kerbala seinen mit Nägeln gespickten Sprengsatz unter schiitischen Gläubigen gezündet. Dabei wurden acht Menschen getötet und mehr als 50 verletzt. Am Tag zuvor waren in Bagdad zwölf Menschen bei einem Anschlag auf Pilger getötet worden. Für die Anschläge werden radikale Sunniten verantwortlich gemacht. Sie kontrollieren derzeit die Region.

Pilger ziehen weiter

Nach Augenzeugenberichten setzten die anderen Pilger ihre Walfahrt fort, nachdem Sanitäter und Polizisten die Toten und Verletzten in die umliegenden Krankenhäuser gebracht hatten. "Wir sind zum Pilgern hierhergekommen", sagte die 63-jährige Sadia Ali, die aus Bagdad nach Kerbala unterwegs ist. "Nichts wird und stoppen. Wir haben keine Angst. Wir haben in den vergangenen Jahren Schlimmeres erlebt."

Derzeit befinden sich hunderttausende Schiiten auf dem Weg nach Kerbala, um einen der wichtigsten Tage im schiitischen Kalender zu feiern. Nach Angaben des Provinzgouverneurs werden rund fünf Millionen Menschen erwartet. Sie begehen das Ende der 40-tägigen Trauerzeit, mit dem sie der Ermordung des Imam Hussein, dem Enkel des Propheten Mohammed, durch Soldaten des sunnitischen Kalifen Jasid im Jahre 680 gedenken. Für die Schiiten markiert das Ereignis einen schmerzhaften Höhepunkt im Ringen mit den Sunniten um die Führung in der islamischen Welt.

Attentate trotz erhöhter Sicherheit

Panzer vor Moschee (AP)

Irakisches Militärfahrzeug in Kerbala

Um die Pilger zu schützen, sind auf den wichtigsten Straßen nach Kerbala rund 40.000 irakische Soldaten stationiert worden. In der Nähe des Imam-Hussein-Schreins wurden nach offiziellen Angaben außerdem Überwachungskameras installiert. Schon in der Vergangenheit haben mutmaßliche sunnitische Extremisten trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen immer wieder Anschläge auf schiitische Pilger verübt. Immer häufiger sind die Attentäter Frauen. Sie werden von den meist männlichen Sicherheitskräften weniger gründlich untersucht. Außerdem können sie unter ihren weiten Kleidern Sprengstoffwesten leichter verbergen.

Sicherheitsexperten sehen noch einen politischen Hintergrund. Bei den Kommunalwahlen Ende Januar hatte das Parteienbündnis von Ministerpräsident Nuri al-Maliki im schiitisch geprägten Süden deutliche Gewinne verbuchen können. Militante sunnitische Gruppen könnten nun versuchen, durch Anschläge zu zeigen, dass sie nicht zu besiegen sind. (gmf)

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