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Politik

Selbstmordattentäter sprengt sich mitten in Kabul in die Luft

Ein Selbstmordkommando der Taliban hat mitten in Kabul zugeschlagen: Drei schwer bewaffnete Angreifer attackierten das Informationsministerium in der afghanischen Hauptstadt und töteten mindestens fünf Menschen.

Helfer an Notarztwagen (AP Photo/Rahmat Gul)

Ein Opfer des Attentats wird notversorgt

Informationsministerium, außen (AP Photo/Rahmat Gul)

Sicherheitskräfte sperren den Ort des Anschlags ab

Mindestens 23 weitere Menschen, unter ihnen Kinder, seien verletzt worden, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Nach dpa-Informationen wurden sechs weitere Menschen bei dem Anschlag am Donnerstag (30.10.2008) verletzt. Die Agentur berief sich auf Kabuls Vize-Polizeichef Alischah Ahmadsai. Ausländer hätten sich zum Zeitpunkt des Anschlags nicht im Gebäude befunden. Bei den Opfern handele es sich um Wachmänner und Mitarbeiter des Ministeriums, darunter eine Frau.

Ein Mitarbeiter des Ministeriums für Information und Kultur, der ungenannt bleiben wollte, sagte, Wachleute hätten versucht, den Attentäter aufzuhalten und das Feuer auf ihn eröffnet. Dem Mann sei es trotzdem gelungen, ins Ministerium einzudringen und im Eingangsbereich seine Sprengstoffweste zu zünden.

Karsai, Steinmeier, ISAF verurteilen Anschlag

Der afghanische Präsident Hamid Karsai verurteilte die Tat als "abscheulich". Laut einer Mitteilung des Präsidentenpalastes sagte Karsai, "unsere Feinde" wollten die jüngsten Bemühungen der Regierung für eine friedliche Lösung des Konflikts untergraben.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Anschlag. "Ich bin tief bestürzt über den heutigen Anschlag gegen das afghanische Informationsministerium, der zahlreiche Menschen in den Tod gerissen hat", erklärte Steinmeier in Abu Dhabi laut einer in Berlin veröffentlichten Mitteilung.

Die Taliban bekannten sich zu dem Angriff und teilten auf ihrer Homepage mit, drei Kämpfer des "Al-Hamsa-Regiments" aus der ostafghanischen Provinz Chost hätten das Ministerium gestürmt. Einer von ihnen namens Nakibullah habe sich in die Luft gesprengt. Zwei weitere hätten auf die Wächter geschossen, seien dann geflohen und nun an einem sicheren Ort. Ziel seien Ausländer gewesen, die das Ministerium im "Propagandakrieg" gegen die Taliban berieten. Sechs Wachleute seien getötet worden. Angaben der Taliban zu Opfern gelten als unzuverlässig.

Helfer bringen ein Opfer des Anschlags aus dem Gebäude. (AP Photo/Rahmat Gul)

Helfer bringen ein Opfer des Anschlags aus dem Gebäude

Ein Ministeriumsmitarbeiter namens Mohammad Amin, der leicht verwundet wurde, sagte, er habe drei Afghanen in traditioneller Kleidung angreifen sehen, als er gerade ins Büro wollte. "Zwei von ihnen hatten Schusswaffen und erschossen einen der Wachmänner und der dritte rannte auf das Gelände. Nach ein paar Sekunden hörte ich eine schwere Explosion und fiel auf den Boden." Das Ministerium für Information und Kultur liegt in einer belebten Gegend im Herzen Kabuls.

Ein zweiter Augenzeuge sagte, die Umgebung sei nach der Explosion übersät gewesen mit Scherben, Büromaterial und Teilen der Eingangstür des Ministeriums.

Kette spektakulärer Angriffe

Seit Jahresbeginn haben die Taliban mehrere spektakuläre Angriffe in der Hauptstadt verübt und töteten dabei viele Menschen. Unter anderem griffen sie in Kabul das einzige Luxus-Hotel des Landes an, eine von Karsai besuchte Militärparade und die indische Botschaft. Die Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt werden deshalb immer weiter verschärft.

Bei Gefechten und einem Luftangriff in Helmand im Süden und Ghasni im Südosten des Landes wurden derweil nach Behördenangaben zwölf Taliban-Kämpfer getötet. Bei einem Anschlag Aufständischer in der südafghanischen Provinz Kandahar kamen vier Polizisten ums Leben. Kandahars Polizeichef sagte, das Fahrzeug der Sicherheitskräfte sei in eine Sprengfalle geraten. Er machte "Feinde Afghanistans" für die Tat verantwortlich. Damit umschreiben afghanische Behörden Aufständische wie die Taliban. (mas)

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