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Politik

Selbstmordanschlag in Israel

Nach monatelanger Ruhe in Israel sprengte sich ein Selbstmordattentäter in Netanja in die Luft. Israelische Soldaten erschossen auf der Suche nach Hintermännern einen palästinensischen Polizisten.

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Drei Menschen starben bei dem Anschlag, viele weitere wurden verletzt

Niemand hatte mit diesem erneuten Anschlag gerechnet. Die Sicherheitskräfte in Israel geben zwar immer wieder allgemeine Terrorwarnungen heraus. Sie hatten aber offenbar keine Geheimdiensthinweise auf einen bevorstehenden Selbstmordanschlag in der Küstenstadt Netanja, die schon oft zum Schauplatz blutiger Anschläge wurde.

Selbstmordattentäter in Natanya

Helfer an der Stelle des Anschlags

Es war später Nachmittag, als sich der Attentäter, ein 18-jähriger Jugendlicher aus einem Dorf bei der palästinensischen Stadt Tulkarm, am Dienstag (12.7.2005) in die Schlange vor dem Eingang zu einem großen Einkaufszentrum in Netanja einreihte. Als ihm der Zutritt verweigert wurde, sprengte er sich in die Luft. Die gewaltige Explosion forderte drei Todesopfer. Rund 20 Personen wurden, zum Teil schwer verletzt. Die Stadt Netanja ist nicht nur ein beliebter Badeort und eine bekannte Einkaufsstadt. Zurzeit finden dort auch viele Sportwettkämpfe im Rahmen der Maccabiade, der so genannten jüdischen Olympiade, statt.

Bekenner

Kurz nach dem Anschlag übernahm die radikal-islamische Organisation Islamischer Dschihad die Verantwortung für den Anschlag. Ein Sprecher aus Tulkarm rief bei der Nachrichtenagentur Reuters an und erklärte, seine Gruppe habe den Anschlag verübt. Der Islamische Dschihad hält sich nicht an den zwischen Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde im Februar vereinbarten Waffenstillstand, der Israel in den letzten Monaten relative Ruhe beschert hatte.

Der letzte Anschlag ereignete sich vor fünf Monaten in einem Nachtclub in Tel Aviv. Ein Selbstmordattentäter riss dort sechs Menschen mit sich in den Tod, als er sich in die Luft sprengte. Vor wenigen Wochen wurde am Grenzübergang Erez, zwischen Israel und dem Gazastreifen, eine junge Frau festgenommen, die einen Sprengstoffgürtel um den Körper trug. Sie hatte die Absicht, sich in einem israelischen Krankenhaus in die Luft zu sprengen, wo sie wegen schwerer Verbrennungen behandelt werden sollte.

Vergebliche Sicherheitsvorkehrung

Die Stadt Tulkarm, aus deren Umgebung der Attentäter offenbar kam, steht unter palästinensischer Sicherheitskontrolle. Sie ist jedoch vollkommen von einem Zaun, bzw. einer Mauer umschlossen. Erst in der letzten Woche weihte die israelische Armee in Tulkarm einen neuen ultramodernen Checkpoint ein, der verhindern soll, dass Attentäter aus der Stadt kommen.

Kurz vor dem Anschlag in Netanja war in der israelischen Siedlung Shavei Shomron im Westjordanland ein Auto explodiert. Die Polizei teilte inzwischen mit, dass es sich bei dem schwer verletzten Fahrer ebenfalls um einen Attentäter handelte. Er habe das gestohlene Auto mit Gaskanistern und Sprengstoff präpariert. Möglicherweise sei diese Autobombe frühzeitig explodiert. Es sei jedoch auch nicht auszuschließen, dass er die Sicherheitskräfte kurz vor dem Anschlag von Netanja ablenken sollte. Der islamische Dschihad übernahm auch für diese Explosion die Verantwortung.

Fast zeitgleich mit dem Anschlag in der Badestadt eröffneten an der Nordgrenze Israels Kämpfer der schiitischen Hizbollah-Miliz das Feuer auf israelische Soldaten. Die vom Iran unterstützten Milizionäre stehen nach Angaben israelischer Sicherheitsexperten oft hinter den Anschlägen der palästinensischen Terrororganisation Islamischer Dschihad.

Israelischen Streitkräfte haben am Mittwoch (13.7.) den Gazastreifen und das Westjordanland abgeriegelt. Bei der der Suche nach den Hintermännern des Selbstmordanschlages von Netanja haben israelische Soldaten zudem einen palästinensischen Polizisten erschossen. Ein zweiter Mann sei verletzt, erklärten palästinensische Behörden am Mittwoch (13.7.). Eine Armeesprecherin in Tel Aviv sagte, die beiden Männer hätten das Feuer eröffnet, als die Armee in die Stadt Tulkarem vorstieß.

Kein Rückzug unter Feuer

In fünf Wochen soll die Räumung der israelischen Siedlungen im Gazastreifen beginnen. Israels Ministerpräsident Ariel Scharon hatte mehrfach betont, dass es keinen Rückzug unter Feuer geben werde. Kurz nach dem Anschlag kamen Scharon und Verteidigungsminister Schaul Mofas zu Beratungen zusammen. Aus Sicherheitskreisen verlautete, dass man darüber nachdenke, das Westjordanland und den Gazastreifen vollständig abzuriegeln.

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