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Kultur

Selbsthilfeprojekte von Frauen

Weltweit kämpfen die Frauen mit den gleichen politischen und wirtschaftlichen Hindernissen. Grund genug für die Vereinten Nationen die Entwicklung von Fraueninitiativen zu fördern.

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Selbst ist die Frau

Sie versorgen die Tiere, passen auf die Kinder auf, machen das Haus sauber und kochen das Essen. Bis zur nächsten Wasserstelle müssen sie oft sechs Stunden gehen, und sie brauchen vielerorts weitere drei Stunden, um genug Brennholz für den Tag zu sammeln. Der Alltag afrikanischer Frauen ist ein Full-Time-Job und kaum zu bewältigen. Zeit wird zu einem kostbaren, manchmal überlebenswichtigen Gut.

Für viele Frauen ist es deshalb eine große Erleichterung, was die Frauen vom Ukombozi Jiko Projekt aus Tansania entwickelt haben: einen Herd, der nur halb so viel Brennholz wie ein normaler Herd braucht und noch dazu viel mehr Hitze als ein herkömmlicher entwickelt, sagt Asha Shelukindo. "Der Vorteil des Herdes ist, dass er Zeit spart, Geld spart und unsere Gesundheit schont. Normalerweise müssen die Frauen jeden Tag Brennholz suchen, doch mit unserem Herd haben sie, wenn sie heute Holz gesammelt haben, fünf oder sechs Tage Zeit, bis sie wieder losgehen müssen."

Eigenes Geld verdienen

Lehm, Kuh-Dung, Wasser und Gras - den Herd zu bauen ist billig, die Materialien in jedem Dorf verfügbar. Bis in weit entlegene Regionen Tansanias fahren die Frauen des Projekts, um anderen Frauen beim Bauen des Herdes zu helfen. Sie unterrichten die Frauen vor Ort, damit auch sie wieder anderen helfen können, den Herd aufzubauen. Auf diese Weise können die Frauen eigenes Geld verdienen.

Doch der Einsatz des Herdes hat noch weitere Vorteile: Die Umwelt wird geschont, denn für den Herd braucht man weniger Brennholz. Und das ist wichtig, weil Feuerholz so knapp ist. Bislang wurden die Büsche und Bäume, sobald sie nur ein wenig Holz abgaben, sofort gefällt und zuhause verfeuert. Neue Vegetation konnte auf diese Weise nicht nachwachsen - die Versteppung breitet sich in vielen Regionen Afrikas immer weiter aus.

Arbeit von Frauen unterstützen

Fast 5000 energiesparende Herde wurden in den tansanischen Dörfern bisher errichtet. Für diese Arbeit wurden die Frauen jetzt mit dem ersten Preis von Unifem ausgezeichnet.

Seit 1985 besteht bei den Vereinten Nationen in New York eine UN-Organisation, die sich einzig um die Förderung nachhaltiger Frauenprojekte in Entwicklungsländern kümmert: Der "Entwicklungsfond der Vereinten Nationen für Frauen" - kurz Unifem genannt. Seine Aufgabe: die Unterstützung der Arbeit von Frauen in den Entwicklungsländern. Denn bis dahin waren die Leistungen, die Frauen für den Aufbau der Zivilgesellschaft erbrachten, immer zu kurz gekommen. Und das, obwohl das Überleben vieler Familien gerade in Krisengebieten oft der harten Arbeit und den kreativen Lösungen der Frauen zu verdanken ist. Das deutsche Unifem Komitee zeichnet seit vier Jahren Frauenprojekte in Entwicklungsländern mit dem sogenannten Unifem-Frauenpreis aus.

In diesem Jahr wurden Projekte prämiert, die sich mit Umweltfragen beschäftigen. Neben der Fraueninitiative in Tansania, ging ein Preis nach Guinea - für eine nachhaltige Methode der Salzgewinnung und nach Mali. Hier werden Planzen zur Seifenherstellung angebaut.

Tüten-Flut beseitigt

Ein Sonderpreis ging an ein Frauen-Projekt in Uganda, das eine originelle Lösung für ein lästiges Problem gefunden hat: die Beiseitigung von Plastiktüten, die überall herumliegen. Die Tüten-Flut verschandelt nicht nur die Landschaft, sie beeinträchtigt auch die Landwirtschaft. Die Frauen können auf den Feldern praktisch nichts mehr anbauen, weil die Tüten in die Erde regelrecht eingegraben sind. Schließlich blockiert das Plastik auch das Abwassersystem und so kommt es in den Dörfern immer wieder zu Überschwemmungen.

Die Gruppe will das Preis-Geld nutzen, um auf ein neues Gebiet vorzudringen: die Alphabetisierung der Frauen. Denn wenn sie weder schreiben noch rechnen könnten, haben die Frauen innerhalb der Gesellschaft auch künftig kaum eine Chance und bleiben an den Rand gedrängt. Immerhin, so Namiburo, habe die internationale Anerkennung durch den Preis schon jetzt eine erste Wirkung gezeigt. Denn, dass die Frauen mit ihrem Mülltüten-Projekt den richtigen Weg eingeschlagen haben, das hätten vor Ort in Uganda nun auch die Skeptiker begriffen.