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Europa

Selbsthilfe gegen Armut

In der nordportugiesischen Stadt Porto kochen Bedürftige jeden Abend ein Essen für noch Ärmere. Sie führen einen erfolgreichen, unbürokratischen Wohltätigkeitskreuzzug gegen die Armut.

Suppenküche in Porto. Essensausgabe. Foto: DW/Jochen Faget

Suppenküche für die Armen

Da wird sogar mancher Profikoch neidisch: Maria Emilia Cardoso schneidet Karotten im Akkord. Nebenan würfelt Cândida Ferreira frisch geschälte Kartoffeln und Maria Barradas schält ruckzuck die Zwiebeln: Es ist fünf Uhr nachmittags, das Team vom "Wohltätigkeits-kreuzzug Campanhã" ist in voller Aktion. Heute wird Bohnensuppe gekocht. Mário Cardoso, der Küchenchef und Sohn von Maria Emília, hat das Tagesziel ausgegeben. Die Verarbeitung von 20 Kilo Kartoffeln, vier Kilo Karotten und Zwiebeln und acht Kilo grünen Bohnen.

Wohltätigkeitskreuzzug Porto. Bedürftige können sich in Portos Stadtteil Campanhã im Sozialzentrum jeden Tag eine warme Suppe abholen. Foto: DW/Jochen Faget

Arme helfen den Ärmsten

In der nordportugiesischen Stadt Porto werden im Sozialzentrum des Stadtteils Campanhã täglich rund 100 Portionen Suppe an Bedürftige ausgegeben. Die müssen allerdings erst einmal gekocht werden. Das machen ausschließlich Freiwillige, erklärt António Campos, einer der Verantwortlichen. Von ganz besonderen Freiwilligen, betont Campos. Viele der freiwilligen Helfer seien selbst arm und bedürftig: "Sie kochen die Suppe und nehmen auch etwas mit nach Hause. Denn arm sein heißt ja nicht, dass sie nicht arbeiten wollen. Ein oder zwei Stunden Freiwilligendienst schaden niemandem."

Hilfe zur Selbsthilfe

Essensausgabe an Bedürftige in Porto. Jeden Tag eine warme Suppe. Foto: DW/Jochen Fage

Jeden Tag eine warme Suppe

Das findet auch Maria Emília, während sie einen Berg Kartoffeln wäscht. Die Seniorin ist 74 Jahre alt und seit eineinhalb Jahren dabei. 400 Euro Rente bekommt sie im Monat. Da muss Maria Emília mit jedem Cent haushalten. Aus einer Kundin wurde so eine Helferin der ersten Stunde.

Als die Organisatoren nach Helfern suchten, zögerte Maria Emilia keine Sekunde. "Ich habe doch nichts anderes zu tun, darum bin ich jetzt hier", erklärt die Rentnerin.

Hilfe zur Selbsthilfe, das ist der Grundgedanke von António Campos und seinen Kollegen vom Wohltätigkeitskreuzzug: Als wegen der Wirtschaftskrise die Armut im Stadtteil immer größer wurde, organisierten sie die tägliche Suppenausgabe. Die Gemeinde stellt die Küche des Sozialzentrums und gibt einen symbolischen Zuschuss für die Zutaten. Die Arbeitslosen kochen. Voller Begeisterung, sagt die 48-jährige Manuela Barradas: "Ich arbeite gern hier, es macht mir Spaß. Es ist doch gut, wenn wir uns gegenseitig helfen."

Immer mehr Kunden

António Campos ist einer der Organisatoren des Wohltätigkeitskreuzzuges. Foto: DW Jochen Faget.

António Campos

15 freiwillige Helfer packen beim Wohltätigkeitskreuzzug mit an. Große Probleme könne man eben auch mit kleinen Lösungen beikommen, freut sich Organisator António Campos. Und immer mehr Bedürftige holen sich inzwischen ihre Suppe zum Abendessen aus dem Sozialzentrum. Ursprünglich hatten die Helfer mit 50 Portionen angefangen. Inzwischen hat sich die Zahl verdoppelt. Die Grenzen der Kapazität sind erreicht.

Um Halb-Sieben ist die Suppe fast fertig. Küchenchef Mário Cardoso rührt sie mit einem riesigen Elektroquirl durch. Bald kommen die Kostgänger zum Essenfassen. Doch nichts kann den Frührentner aus der Ruhe bringen: "Alles unter Kontrolle und im Zeitplan, jetzt fehlen nur noch die Bohnen."

Wichtige Hilfe für Arme

Dann ist es soweit, die Suppenausgabe beginnt. Linda steht mit ihren Plastikbechern in der Schlange. Die Mutter zweier Kinder ist seit über einem Jahr arbeitslos, ihr Mann auch. Die Familie muss nach Abzug aller Kosten mit 80 Euro im Monat auskommen. Die Suppe vom Wohltätigkeitskreuzzug ist oft die einzige warme Mahlzeit am Tag, erklärt die Mittdreißigerin: "Es ist eine große Hilfe für unsere Familie. Ich komme jeden Tag um hier vier Portionen für uns abzuholen."

Und darum wird der Wohltätigkeitskreuzzug in Portos Stadtteil Campanhã weitergehen, garantiert Organisator António Campos. Unbürokratisch und auch in Zukunft nur mit freiwilligen Helfern.

Autor: Jochen Faget
Redaktion: Gero Rueter

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