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Politik

Selbstbewusster Saddam vor Sondertribunal

Der frühere irakische Machthaber Saddam Hussein wurde am Donnerstag (1.7.04) zum ersten Mal dem irakischen Sondergericht für Regime-Verbrechen vorgeführt. Selbstbewusst wies der gestürzte Diktator alle Vorwürfe zurück.

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Ist sich keiner Schuld bewusst: Saddam Hussein

"Dies ist alles Theater, der wahre Verbrecher ist Bush", sagte Saddam in einem Streitgespräch mit seinem Richter. Dem Ex-Staatschef wurden nach Angaben eines ranghohen Mitglieds des Tribunals am Donnerstag sieben Anklagepunkte vorgelegt:

  • Der Giftgasangriff auf die nordirakische Kurdenstadt Halabdscha im Jahr 1988
  • Die Niederschlagung des Schiitenaufstandes 1991
  • Das Anlegen von Massengräbern
  • Der Krieg gegen das Nachbarland Iran von 1980 bis 1988
  • Der Einmarsch in Kuwait im Jahr 1990
  • Der Mord an Verwandten des Kurdenführers Massud Barsani in den 1980er-Jahren
  • Die Hinrichtung von schiitischen Würdenträgern in den Jahren 1980 und 1999

    Als ihm die Invasion Kuwaits vorgeworfen wurde - die 1991 eine für die irakischen Streitkräfte verheerende US-geführte Militärintervention nach sich gezogen hatte - entgegnete Saddam: "Ich habe es für das irakische Volk getan. Wie können Sie diese Hunde verteidigen?"

    Formelle Anklage erst später

    Saddam weigerte sich, Dokumente zu unterzeichnen, nach denen er die gegen ihn vorgebrachten Beschuldigungen verstanden habe und er bestand auf der Anwesenheit eines Rechtsanwaltes. Während der Anhörung machte sich Saddam Notizen und sprach mehrfach mit erhobenem Zeigefinger. Der 67-Jährige wirkte sechseinhalb Monate nach seiner Gefangennahme durch das US-Militär abgemagert, aber gepflegt. Er trug einen gestutzten Vollbart und einen grauen Nadelstreifenanzug mit offenem weißen Hemd. Die erste Anhörung fand in einem abgeschirmten, schwer bewachten Gebäude auf dem Gelände des US-gesicherten Bagdader Flughafens statt.

    Eine formelle Anklage wird erst später erwartet, der Prozess selbst beginnt vermutlich erst im kommenden Jahr (2005). Außer Saddam wurden elf weitere Spitzenvertreter der ehemaligen irakischen Führung mit den Beschuldigungen des Sondertribunals konfrontiert - unter ihnen der frühere Vize-Ministerpräsident und Außenpolitiker Tarik Asis und der Saddam-Cousin Ali Hassan el Madschid. Sie waren am Mittwoch vom US-Militär an das Sondertribunal überstellt worden, verbleiben aber aus Sicherheitsgründen weiter in US-Gewahrsam. (ch)

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