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Wirtschaft

Selbstbewusst und skeptisch: Indien und der G20-Gipfel

Wenn sich Anfang April die Staats- und Regierungschefs der 19 führenden Industrie-und Schwellenländer sowie die Vertreter der Europäischen Union in London treffen, wird Indien dabei eine besondere Rolle spielen.

Die indische Stadt Mumbai - Blick auf eine verkehrsreiche Straße (Foto: dpa)

Mumbai boomt - die Krise trifft bislang nur die Exportwirtschaft

Die Wirtschafts- und Finanzkrise wirkt sich bisher nur auf Indiens Exporte aus. Der Absatz von Autos und Elektrogeräten oder die Nachfrage nach Baumaterialen auf dem Inlandsmarkt - all das hat bisher kaum gelitten. Indiens Flaggschiff, die IT- und Telekommunikationsindustrie, boomt weiter. Laut einer Studie der Dachvereinigung der Industrie- und Handelskammern in Indien wird das Land aufgrund seiner umsichtigen Finanzpolitik, seiner ausreichenden Reserven ausländischer Währungen und des intakten Wachstums seines Bruttoinlandsprodukts als Gewinner aus der Krise hervorgehen. Indien geht also mit besonderem Selbstbewusstsein in die Gespräche in London.

Porträt des indischen Premierminister Manmohan Singh (Foto: dpa)

Nach Ansicht des indischen Premierminister Singh sind die Industrieländer für die Finanzkrise verantwortlich

Zehn Jahre sind seit der Gründung der G20, der Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer vergangen. In dieser Zeit hat sich Indien, mit mehr als 1,1 Milliarden Menschen die größte Demokratie der Welt, nicht nur wirtschaftlich durch sein konstantes Wachstum, sondern vor allem auch politisch zu einem ernst zu nehmenden und verlässlichen Partner entwickelt - der seine Positionen vehement und selbstbewusst vertritt. Nur so lässt sich die Aussage des indischen Premiers Manmohan Singh verstehen, der vor kurzem sagte, dass für das Zusammenbrechen der Finanzmärkte und die Wirtschaftskrise die Staatschefs der führenden Industrienationen verantwortlich seien.

Indien will sich Gehör verschaffen

Wirtschaftswissenschaftler Praveen Jha von der Jawaharlal-Nehru-Universität in Delhi glaubt, dass der G20-Gipfel in London für Indien als Plattform wichtig ist, um sich Gehör zu verschaffen. Aufgrund dieser Bedeutung ließe sich auch erklären, warum Premierminister Manmohan Singh, der als Finanzminister Anfang der 1990er Jahre Indiens Aufschwung mitgestaltet hatte, nach seiner Bypass-Operation die anstrengende Reise auf sich nehme.

Symbolbild Einwanderung indischer Gastarbeiter IT-Branche (Foto: DW)

Gefragt: indische IT-Spezialisten

Was die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise angehe, werde Indien versuchen, die westlichen Staaten davon zu überzeugen, keinen Protektionismus zu betreiben, sagt Praveen Jha. Vor allem in Amerika, aber auch in anderen Ländern gebe es Überlegungen in diese Richtung. Davon sei auch der Boom in der Informations- und Telekommunikationsindustrie der letzten 15 bis 20 Jahre betroffen. Durch diesen sei Indien mit sehr vielen westlichen Ländern eng verknüpft. Wenn keine IT-Spezialisten und Services mehr aus Indien benötigt würden, würde das Indien sehr schaden, meint der Wirtschaftswissenschaftler. Und aus diesem Grunde werde Indien alles dafür tun, dass es nicht soweit kommt.

Streitthema Klimaschutz

Neben der Finanzkrise und der Suche nach Möglichkeiten, um ihr angemessen zu begegnen, hat vor allem UN-Generalsekretär Ban Ki Moon im Vorfeld weitere Themen für den Gipfel ins Spiel gebracht. Da Ban selbst anwesend sein wird, wolle er für einen Deal beim Klimagipfel im Dezember 2009 in Kopenhagen werben, so seine Ankündigung. Vor allem Indien und China stellen seit jeher Bedingungen, wenn es zum Beispiel um eine Reduzierung ihres CO2-Ausstoßes geht. Auch der Stillstand in der Doha-Runde müsse endlich aufgehoben werden, sagte Ban und appellierte gleichzeitig an die Staatschefs, die Idee von globaler sozialer Gerechtigkeit zu verwirklichen.

Wirtschaftsexperte Praveen Jha sieht diese Forderungen skeptisch. Indien werde keinen Schritt machen, ohne sich eines Entgegenkommens der anderen Staaten sicher zu sein. Daher sieht Jha kaum Möglichkeiten für weitreichende Vereinbarungen: Vereinbarungen und Vorteile könnten für Indien nur auf kleinerer Ebene, durch den bilateralen Austausch mit anderen Ländern entstehen.

Supermacht im Wartestand

Indien und China, die beiden großen asiatischen Giganten, sehen sich aufgrund ihrer Bevölkerungsgröße, territorialen Ausdehnung und Wachstumserwartung als Supermächte im Wartestand. Indien will schon lange raus aus der Geber-Empfänger-Mentalität, die - wie es selbst sagt - noch immer im Denken der westlichen Staaten verankert sei. Es will auf gleicher Augenhöhe sein. Deshalb verfolgt Indien das Schwächeln der Amerikaner und Europäer genau - und hofft auch im Rahmen des G20-Verbunds auf einen Machtzuwachs.

Autor: Priya Esselborn

Redaktion: Monika Lohmüller

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