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Fokus Südosteuropa

Selbst ist die Frau in Südserbien

Im strukturschwachen Südserbien gibt es kaum Arbeit, auch nicht für Frauen. Doch eine 70-jährige kam vor einigen Jahren auf die Idee, Malerarbeiten anzubieten. Nun hat sie ein Team und ist durch gute Arbeit bekannt.

Dragica Milanovic im Vordergrund und Papierhut. Im Hintergrund streicht eine Frau eine Wand (Foto: DW)

Dragica Milanovic - Eine Frau mit Ideen

Dragica Milanovic aus dem südserbischen Kursumlija konnte nie eine Anstellung finden. So kam sie auf die außergewöhnliche Idee, wie sie Geld verdienen und sich und ihrer Familie eine solide Lebensgrundlage verschaffen kann. Sie suchte sich eine Gruppe von ungefähr zehn Frauen aus, stattete sie mit alter Kleidung, Malerwerkzeug und selbstgemachten Papiermützen aus - als Erkennungszeichen für die Malerzunft. Das ungewöhnliche daran: Bei diesem Gewerbe handelte es sich in dieser Region bis dahin ausschließlich um eine Männerdomäne.

Anfangs strichen und tapezierten sie bei Freunden und Nachbarn. Dann sprach sich ihre gute Arbeit herum und sie bekamen Aufträge von Unbekannten. Die Kunden wünschten dann über die Malerei hinaus auch Tischlerarbeiten.

Bis jetzt haben die Frauen, wie sie sagen, unzählige Quadratmeter gestrichen in Wohnungen und Ladenlokalen. Auch wenn Dragica schon im betagten Alter ist, führt sie ihr Frauenteam sehr erfolgreich. Sie arbeitet auch heute noch mit und steigt geschickt die Leiter rauf und runter. Dragica erinnert sich: "Mit dieser Bürste habe die damals angefangen, hier und da, mit meinen Freundinnen. Es ist zwar schwer, aber wenn man sich daran gewöhnt, bekommt man die Kosten raus. Das was wir verdienen, teilen wird. Alles in Allem kommen wir sehr gut zurecht."

Teamwork

zwei Frauen, eine auf der Leiter und die andere am Boden hockend, streichen ein Wand in einem Flur (Foto: DW)

Engagierte Malerinnen

Die anderen Frauen sind zwar viel jünger als Dragica, arbeiten aber gerne in ihrem Team. Sie konnten selbst keine Arbeit finden und haben sich ihr angeschlossen. Dafür lernten sie von Dragica die Geheimnisse des Malerberufs, wie sie sagt.

Die angelernten Frauen sagen heute, dass sie diesen Beruf für keinen anderen tauschen würden. Schließlich verdienten sie gutes Geld und hätten alle Hände voll zu tun. "Vor einem Jahr habe ich mich dem Team von Dragica angeschlossen. Dragica hat mir alles beigebracht. Das was ich verdiene, reicht genau für mich und meine Kinder", sagt die junge Anstreicherin. Eine Andere sagt: "Die Kolleginnen haben gelernt, sich zu ergänzen. Wenn eine streicht, glättet die andere die Wand und die dritte bearbeitet den Deckenabsatz. Diese Arbeit ist zwar schwer, aber auch befriedigend."

Wettbewerbsfähig

Eine Hand mit grünem Handschuh streicht mit einem Pinsel Holz rot (Foto: picture alliance)

Ungewöhnliche Eigeninitiative südserbischer Frauen

Die Malerinnen aus Kursumlija sind inzwischen auch eine ernsthafte Konkurrenz für die besten Maler und Anstreicher der Stadt geworden. So konnten sie sich gegen harte Mitbewerber bei der Ausschreibung für die Renovierung des Rathauses durchsetzen. Der stellvertretende Bürgermeister, Dejan Milosevic, sagt, ausschlaggebend für das "Frauenteam" sei gewesen, dass sie ihre Arbeit gut und schnell verrichteten. Auch hinterließen sie weder Unordnung noch Flecken und Reste: "Alle Achtung, wenn es nur mehr davon gebe, die nicht auf Sozialhilfe warten. Diese Frauen finden sich wirklich im Leben zurecht. Wir werden sie wieder engagieren, wenn wir das Rathaus wieder streichen."

Kursumlija ist eine der ärmsten Kommunen in Südserbien, die Wirtschaft liegt seit Jahren praktisch brach. Daher ist es schwer, Arbeit zu finden und das Interesse anderer Frauen groß, sich der Malerinnentruppe anzuschließen. Inzwischen hat sich die gute Arbeit der Malerinnen auch über die Stadtgrenzen hinaus herumgesprochen. Dragica Milanovic freut dies natürlich.

Autorinnen: Ljiljana Danilovic / Mirjana Dikic

Redaktion: Fabian Schmidt

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