1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Seit fünf Jahren Vorreiter - Die EU und das Kyoto-Protokoll

Es war eine mühsame Geburt, bevor die EU und ihre Mitgliedstaaten das Kyoto-Protokoll vor fünf Jahren ratifizierten. Vor dem G8-Gipfel wird nun deutlich, dass die Errungenschaften des Abkommens in Gefahr sind.

Erdball unter Wolken. Quelle: dpa

Das Weltklima heizt sich weiter auf. Das Kyoto-Protokoll will das verhindern.

Am 31. Mai 2002 ratifizierten die EU und ihre Staatengemeinschaft das neue Klimaabkommen. Doch eigentlich gibt es mehrere Geburtstage, an denen man das Kyoto-Protokoll feiern könnte: Vor knapp zehn Jahren - am 11. Dezember 1997 - wurde das Protokoll in der japanischen Stadt Kyoto verabschiedet. Es sollte in Kraft treten, sobald mindestens 55 Staaten, die zusammen mehr als 55 Prozent der Kohlenstoffdioxid-Emissionen im Jahre 1990 verursachten, das Abkommen ratifiziert hatten. Das war mit der Unterschrift Islands am 23. Mai 2002 erreicht.

Doch die größten CO2-Sünder haben immer noch nicht unterzeichnet, wie der deutsche Umweltminister Siegmar Gabriel im Vorfeld des G-8-Gipfels am 6. Juni in Heiligendamm bedauerte: "Insgesamt brauchen wir bis 2020 weltweit eine CO2-Reduktion um 30 Prozent, bis 2050 um 50 Prozent. Die Industrieländer müssen mit gutem Beispiel vorangehen, sonst kommen die Entwicklungsländer nicht mit."

Russland war das Zünglein an der Waage

Allen voran fehlen die Vereinigten Staaten. Die Clinton-Regierung hatte das Protokoll unterschrieben. Doch die Bush-Regierung weigert sich bis heute vehement, das Kyoto-Abkommen zu ratifizieren - obwohl die USA weiterhin der weltgrößte Verursacher für CO2-Emissionen sind. Fast wäre das Protokoll an der Verweigerung der Bush-Regierung gescheitert. Erst mit der Ratifikation Russlands im November 2004 stand der Rechtsgültigkeit nichts mehr im Wege.

Inzwischen ist der Klimaschutz auch in den USA ein Thema, wie Sigmar Gabriel kürzlich betonte: "Die jetzige Bush-Administration ist natürlich ein ausgenommen schwieriger Verhandlungspartner. Aber in den USA gibt es ja auch noch Gouverneure und Staaten und Städte", sagte der Minister. Der New Yorker Bürgermeister etwa habe ein Städtebündnis aufgebaut, dass ein Emissionshandel-System nach europäischem Vorbild starten wolle. "Wir haben viel Bewegung in den USA", erklärte Gabriel.

China und Indien werden zum Problem

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas. Quelle: AP

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas kämpft für eine härte Klimaschutzpolitik

Mit viel Bewegung allein sind die Ziele jedoch nicht zu erreichen. Aufstrebende Wirtschaftsmächte wie China und Indien sind mit dem Ausbau der Industrie auch zunehmend für den weltweiten CO2-Ausstoß verantwortlich. Und mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Mensch selbst für Klimaveränderungen verantwortlich ist: Der Temperaturanstieg, die Gletscherschmelze, Orkane wie Katrina und die Zunahme von Taifunen und Hurrikans sind hausgemachte Katastrophen, die auf den Treibhauseffekt zurückzuführen sind, warnen die Experten im jüngsten UN-Klimabericht.

Schon auf der ersten Weltklimakonferenz 1991 in Berlin machte sich Angela Merkel als damalige Umweltministerin für eine Klimarahmen-Konvention stark, die dann 1997 in Japan als Kyoto-Protokoll beschlossen wurde. Heute, als Bundeskanzlerin und Vorsitzende des G8-Gipfels, hofft sie, den Klimaschutz weiter vorantreiben zu können. Allerdings ist Merkel skeptisch, ob es dem G8-Gipfel gelingt, konkrete Schritte für ein internationales Abkommen über 2012 hinaus zu vereinbaren.

"Wesentlich ist deshalb zuerst, dass die G8 ein gemeinsames Verständnis dafür entwickelt, wie der Klimawandel wirkungsvoll bekämpft werden kann. Ich sage Ihnen ganz offen: Ich weiß heute noch nicht, ob das in Heiligendamm geschieht", erklärte sie kürzlich in ihrer Regierungserklärung im Vorfeld des G8-Gipfels. Die führenden Industrieländer müssten in dieser Frage voranschreiten, betonte die Kanzlerin, ansonsten könne der Klimawandel nicht bekämpft werden.

Ärmste Staaten am härtesten betroffen

Es sind die ärmsten Länder, die den Klimawandel am härtesten zu spüren bekommen: Die Folgen von Dürren, Überschwemmungen und Tropenstürme sind heute vor allem in den Ländern zu spüren, wo der Staat es sich einfach nicht leisten kann, den Menschen für die Verluste Kompensation anzubieten. Und die Experten gehen davon aus, dass Extrem-Wetterlagen in den kommenden Jahren weiter zunehmen werden.

Der Klimawandel und seine Folgen sind also bereits bittere Realität. Auf dem Gipfel in Heiligendamm werden sich die führenden Industrienationen aber höchstens dazu durchringen können, den weltweiten Temperaturanstieg ein wenig zu begrenzen.

Die Redaktion empfiehlt