1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Ostmitteleuropa

Seit dem Beitritt Polens zur EU stieg die Zahl der illegalen Einwanderer um das Vierfache

- Die meisten von ihnen wollen nach Deutschland

Warschau, 20.11.2004, ANGORA, poln.

Die polnisch-deutsche Grenze ist zu einem Spazierweg für illegale Immigranten geworden. Jedes Jahr versuchen fast 500 000 illegale Immigranten die Grenze der EU zu überqueren. (...)

Polen ist für die Bürger der ehemaligen Sowjetunion zu einem "Warteraum" bei ihrem Weg nach Westen geworden. Sie reisen legal nach Polen ein und starten dann den "Sturm" auf die reichen westlichen Länder. Viele von ihnen versuchen, die Grüne Grenze zu passieren. Seit Januar bis April d. J. nahm der polnische Grenzschutz 521 Ausländer fest, die versuchten, illegal nach Deutschland zu gelangen. Seit dem Beitritt Polens zur EU ist die Zahl der illegalen Immigranten um das Vierfache gestiegen und betrug bis Ende September 2 189 Personen.

Die zahlreichste Gruppe unter den Festgenommenen bilden die Ukrainer (1 314 Personen), Russen, Belarussen, Inder und Moldauer. (...)

Auf dem Gebiet, das vom Grenzschutz aus dem Bezirk Krosno Odrzanskie in der Woiwodschaft Lubuskie (Lebuser Land) kontrolliert wird, wurden im Jahre 2003 insgesamt 874 Bürger der Ukraine und anderer Staaten der ehemaligen UdSSR aufgrund von verschiedenen Vergehen und Verbrechen festgenommen. In diesem Jahr hingegen wurde diese Zahl bereits in den ersten vier Monaten nach dem Beitritt Polens zur EU erreicht. Die Ankömmlinge aus dem Osten haben meistens keine Chance, ein Visum zu bekommen, mit dem sie das Gebiet der EU erreichen könnten. Sie versuchen also mit Hilfe gefälschter Dokumente und über die Grüne Grenze nach Deutschland zu gelangen. Polen gehört dem Schengener Abkommen noch nicht an und aus diesem Grunde können die Bürger der ehemaligen Sowjetunion zu uns mit einem Touristenvisum einreisen, das relativ einfach zu bekommen ist.

Seit dem 1. Mai wurde die Zollkontrolle an der deutsch-polnischen Grenze abgeschafft. Die Lastwagen werden nur Stichproben unterzogen. Aus diesem Grunde gibt es immer mehr Versuche, die Menschen per LKW nach Deutschland zu schmuggeln. Bis zum 1. Mai d. J. wurden an der Grenze 63 Personen festgenommen, die versucht haben, die polnisch-deutsche Grenze in einem LKW illegal zu passieren. Seit Mai bis heute wurden jedoch schon 176 Personen festgenommen. (...)

Die Bürger der ehemaligen UdSSR versuchen aber auch, die Grenze mit Hilfe von gefälschten Pässen zu passieren. Am häufigsten werden dabei litauische Pässe nachgemacht, weil das verhältnismäßig einfach ist und weil Litauen der EU angehört. Außerdem sprechen viele Litauer nur Russisch. Dazu wurden aber auch alte polnische Ausweise verwendet.

Die Menschenschieber, die schon immer durch den Menschenschmuggel sehr gut verdient haben, erleben jetzt einen echten Boom in ihrem "Geschäft". Es werden immer größere Menschentransporte organisiert. Am 9. September 2004 wurde in der Nähe der Ortschaft Zytowanie (Ostpolen) eine 24-köpfige Gruppe illegaler Immigranten festgenommen, darunter viele schwangere Frauen. Sie wurden im Wald ihrem Schicksaal überlassen. Die Menschenschmuggler haben sich davon gemacht. Jeder Illegale musste aber vorher den Schleppern 1 000 Euro zahlen. Allein an diesem Transport also verdienten die Schlepper 24 000 Euro.

Die Menschenschlepper sagen, dass "Menschen eine sehr gute Ware sind: Sie verfaulen nämlich nicht und sie kommen immer wieder zurück". "Dieselben Ausländer wurden nämlich mehrmals bei dem Versuch festgenommen, die Grenze illegal zu passieren", sagt Leutnant Skarzynski vom polnischen Grenzschutz.

Den Schleppern gelingt es aber auch immer wieder, die Grenzschützer zu bestechen. Im letzten Jahr wurden 50 Beamte bestraft, weil sie beim Menschenschmuggel ein Auge zudrückten. Sie zeigten sogar den Schleppern Stellen, an denen nicht patrouilliert wurde oder ließen Leute mit gefälschten Pässen durch. (...) (sta)

  • Datum 24.11.2004
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/5tyR
  • Datum 24.11.2004
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/5tyR