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Sei mein Gast!

Gäste sind wir alle mal. Wir können ein Gastspiel geben oder zu Gast sein – beispielsweise in einem Gasthaus. Doch so manches Gasthaus ist ungastlich, schätzt keine Gastfreundschaft. Mancher Gast bleibt dennoch.

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Sei mein Gast!

„Zu Gast bei Freunden“ war das Motto der Fußballweltmeisterschaft, die im Jahr 2006 in Deutschland veranstaltet wurde. Deutschland wollte sich von seiner gastlichsten Seite zeigen. Die Gäste aus aller Welt sollten sich wohlfühlen – und sie taten es auch. Nicht nur die gut gefüllten Gaststätten und Gasthäuser zeugten davon. Endlich war Deutschland ein guter Gastgeber. Auch wenn das nicht immer so einfach ist mit der Gastfreundschaft, wie man schon an der ursprünglichen Bedeutung des Wortes „Gast“ sehen kann. 

Freund oder Feind?

Dass das Wort „Gast“ gleichbedeutend ist mit „willkommener Fremder“, ist eher neu. Im Germanischen hieß es „gasti“ und die indogermanische Wurzel ist „*ghosti“. Ursprünglich bedeutete das Wort „Fremder“ und „Fremdling“. Das lateinische „hostis“ für „Feind“ entstammt auch diesem Wortstamm. 

Flüchtlinge vor einem Zug (Getty Images/AFP/C. Stache)

Aus Fremden können Freunde werden

Der Gast war also früher vor allem ein Fremder, bei dem man nicht so genau wusste, ob sie oder er einem gut gesinnt war oder nicht. Erst zu Beginn der Neuzeit wandelte sich die Bedeutung dieses Wortes ins Positive.

Heute ist ein Gast jemand, der beherbergt wird, zum Beispiel in einem Gasthaus, der bewirtet wird, in einer Gaststätte, oder der befördert wird als Fluggast oder Fahrgast.

Eingeladen oder nicht

Es gibt verschiedene Arten von Gästen, ungebetene etwa, aber auch eingeladene und zahlende. Wenn jemand eine Party veranstaltet, werden die Partygäste gemeinhin eingeladen. Dasselbe gilt für die Trauergäste bei einer Beerdigung oder die Geburtstagsgäste bei der Geburtstagsfeier. Die Gäste nehmen am Gastmahl teil, werden gastlich aufgenommen und genießen die Gastfreundschaft des Gastgebers in vollen Zügen. 

Zwei Flaschen Wein Bordeaux Saint Emilion ( John Laurenson)

Wer zu einer Party geht, bringt in der Regel ein Gastgeschenk mit

Der Brauch will es so, dass ein Gast sich als eingeladen betrachtet, also nicht zahlen braucht. Allerdings lässt sich niemand einladen, ohne dem Gastgeber ein kleines Gastgeschenk mitzubringen – selbst wenn mancher ausdrücklich darauf hinweist, kein Geschenk zu erwarten.

Wer eine Party veranstaltet, kann sich also fast sicher sein, hinterher diverse neue Flaschen Wein sein Eigen zu nennen.

Zahlende Gäste

„Sei mein Gast“ heißt es, wenn jemand auf Rechnung eines anderen bewirtet wird. Das klingt doch erstmal ziemlich gut. Man fühlt sich eingeladen und willkommen und wertgeschätzt. Doch der Gast in einer Gaststätte muss natürlich bezahlen. Auch der Fluggast wird nicht kostenlos befördert – und der Feriengast ist vor allem wegen des Geldes beliebt, das er dem Gastgeber bringt. 

Ein Gasthaus mit geschmückter Fassade (imago/Schöning)

Im Gasthaus ist nichts umsonst

Wenn ein Gasthaus also eine „gastliche Atmosphäre“ hat, heißt das zwar, dass Gäste hier willkommen sind, aber noch lange nicht, dass es etwas umsonst gibt.

„Ungastlich“ ist es deshalb allerdings nicht. Das trifft nur zu, wenn man sich als Gast überhaupt nicht wohl fühlt.

Gastarbeiter, Gastspiele und mehr

Eigentlich sind Gäste eingeladen und müssen nicht arbeiten. Doch in Deutschland gibt es das Wort „Gastarbeiter“. Das sind Arbeitsmigranten, die in den 50er bis 70er Jahren des 20. Jahrhunderts gezielt angeworben wurden. Einerseits sollte das Wort wohl bedeuten, dass diese Menschen willkommen waren, andererseits sollte es die Deutschen, die Angst vor Fremden hatten, beruhigen – denn ein Gast geht ja irgendwann wieder.

Männer mit Koffern neben dem Schild Bergbauleitstelle (picture-alliance/dpa/Ducklau)

In den 1960er Jahren kamen viele Gastarbeiter nach Deutschland

Und noch eine weitere Bedeutung des Wortes „Gast“ zeigt sich hier. Ein Gast kann auch jemand sein, der sich vorübergehend woanders aufhält. Schauspieler in einer fremden Stadt geben ein „Gastspiel“, aber auch der Enkel, der die Oma einmal im Jahr besucht. Hier handelt es sich um ein „kurzes Gastspiel“.

Die Mannschaft auf dem gegnerischen Spielfeld heißt „Gastmannschaft“, und wer sich als „Gasthörer“ an einer Hochschule einschreibt, darf Vorlesungen besuchen, muss aber keine Prüfungen ablegen. Einen „Gastkommentar“ schreibt eine Journalistin, ein Journalist, die beziehungsweise der nicht bei einem Medienunternehmen fest verpflichtet ist.

Gastliche Redensarten

So viel Spaß es macht, Gäste zu bewirten oder zu beherbergen: Irgendwann muss Schluss sein. Es gibt zwar auch den Begriff des „Dauergastes“, der ein Widerspruch in sich ist. Denn ein Gast ist nur für begrenzte Zeit zu Gast. Denn niemand möchte, dass seine Gastfreundschaft ausgenutzt wird. 

Eine Frau liegt auf auf einem Sofa, daneben halbleere Flaschen (Colourbox)

Manche Gäste wird man einfach nicht los ...

Manche Redensarten zeugen allerdings davon, dass das trotzdem hin und wieder geschieht. Ein Beispiel: „Schön ist es, wenn Gäste kommen, noch schöner, wenn sie wieder gehen.“ Oder in gereimter Form: „Gast und Fisch bleiben kaum drei Tage frisch.“

Aus China stammt das poetische Sprichwort: „Gäste und Reiher bieten den schönsten Anblick, wenn sie sich erheben.“ Doch manchmal wollen die Gäste einfach nicht gehen. 

Je später der Abend …

Hier mag eine bekannte Redewendung helfen: „Je später der Abend, umso schöner die Gäste“. Im Laufe einer Party konsumierter Alkohol kann durchaus helfen, die Anwesenheit beharrlicher oder sogar ungebetener Gäste erträglich zu machen. Denn einen Gast vor die Tür zu setzen, würde dem uralten Gesetz der Gastfreundschaft widersprechen.

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