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Politik

Sehnsucht nach Normalität

Eine Umfrage in den USA sollte aufzeigen, wie sehr der 11. September die Mentalität der Amerikaner verändert hat. Die Ergebnisse der Studie sind eher ernüchternd. Einzelheiten von DW-TV-Korresspondent Eckhard Tollkühn.

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Nichts würde wieder so sein wie früher, das glaubten viele Amerikaner nach den verheerenden Anschlägen vom 11. September letzten Jahres. Fast 6 Monate nach dem katastrophalen Terrorschlag ziehen Demographen Bilanz. Wie weit haben sich Verhaltensweisen und Einstellungen der Amerikaner verändert? Ihr Ergebnis: Im Grunde hat sich nichts verändert. Sicher, die allgemeine Stimmung bleibt weiter gedrückt, aber die gemeinsame Umfrage von Gallup und der Tageszeitung USA Today zeigt, dass die moralischen, ethischen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen im Wesentlichen unberührt von den Terroranschlägen geblieben sind. Dahinter mag die Sehnsucht nach Normalität stehen, der Drang das Unangenehme im Leben zu verdrängen und schnell zu vergessen.

Gespaltene Nation

Hinter der gegenwärtigen Einheitsfassade verbirgt sich immer noch eine tief gespaltene Nation. Diese Spaltung wird spätestens bei den Kongresswahlen im Herbst wieder deutlich werden. Trotz aller Bush-Euphorie wird dort ein Kopf an Kopf-Rennen zwischen Republikanern und Demokraten erwartet. Der Präsident genießt zwar zur Zeit den bisher beispiellosen Zuspruch von über 80 Prozent in der Bevölkerung, diese Popularität bezieht sich aber in erster Linie auf seine Führungsqualitäten im Krieg gegen den Terrorismus. In Dingen des täglichen Lebens ist die Nation politisch immer noch so gespalten wie in der chaotischen Wahlnacht im November 2000.

Die Hälfte der Amerikaner sind mit den moralischen Verhältnissen im Lande zufrieden, während die andere Hälfte sie verabscheut. Das gilt für Waffen- und Abreibungsgesetze ebenso wie für die Frage, ob man in der Schule beten darf oder der Staat den sozial Schwachen finanziell unter die Arme greifen soll.

Persönliche Freiheit nach wie vor wichtig Natürlich sind sich alle einig darüber, dass die Terroristen bestraft werden müssen, aber große Uneinigkeit herrscht darüber, ob der Kampf gegen den Terrorismus auch eine Einschränkung der persönlichen Freiheiten rechtfertigt. Ein Demograph drückt es so aus: Die Republikaner sind für die Wähler die "Haut’se auf de Schnauze- Partei" während die Demokraten die "Ursachenpartei" ist, die also den Ursachen auf den Grund zu gehen versucht, statt Symptome zu bekämpfen.

Spontane Ausbrüche von Hurra-Patriotismus und Flaggenschwenken sind nicht mehr so sichtbar wie noch vor einigen Monaten. Bei den Kongresswahlen im November werden Amerikaner im Wahllokal mit sich allein sein. Das Wahlergebnis dürfte ein sehr vielschichtigeres Amerika aufzeigen, als sich dies heute dem ausländischen Beobachter darstellt.

  • Datum 18.02.2002
  • Autorin/Autor Eckhard Tollkühn
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1rmo
  • Datum 18.02.2002
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