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Aktuell Nahost

Sehnsucht nach Frieden in der Heiligen Nacht

Das Heilige Land sei zu einem Land des Konflikts geworden, klagt der lateinische Patriarch Twal bei der Weihnachtsmesse in Bethlehem. Dabei habe Gott einen ganz anderen Plan für diese Region gehabt.

Der Herr habe Juden, Muslime und Christen hier zusammengebracht, damit sie gleichberechtigt und in gegenseitiger Achtung zusammenlebten, sagte das Oberhaupt der lateinischen Katholiken im Heiligen Land bei der Christmette in Bethlehem. Vor allem Jerusalem habe eine "universelle Berufung" zu Frieden und Glück, sagte Patriarch Fuad Twal. Nachdrücklich rief er zum Gebet für Frieden und Versöhnung im Nahen Osten auf und erinnerte dabei besonders an die syrischen Flüchtlinge in Jordanien und dem Libanon. Ein zentrales Thema seiner Predigt war aber die Lage in Gaza.

Dort habe der dritte aufeinander folgende Krieg vor vier Monaten Tausende von Opfern gefordert, beklagte Twal in der Geburtskirche: "Noch schlimmer ist, dass all diese Opfer umsonst gewesen zu sein scheinen: An den Wurzeln des Problems hat sich nichts geändert. Das israelische Volk lebt weiterhin in Angst und Unsicherheit, während das palästinensische Volk weiterhin nach Unabhängigkeit und Freiheit ruft und Gaza wartet darauf, zum dritten Mal neu aufgebaut zu werden. Dieser Krieg hat den Hass und das Misstrauen zwischen den beiden Völkern vertieft und es in eine Spirale der Gewalt und der Repressalien gebracht."

Twal verlangte einen Wiederaufbau des Gazastreifens und bessere Lebensbedingungen für seine Bewohner. Die geplante israelische Sperranlage bei Beit Dschalla nahe Bethlehem müsse "im Namen der Gerechtigkeit und Moral" gestoppt werden. Der Patriarch erinnerte daran, wie Papst Franziskus bei seinem Besuch im vergangenen Mai außerhalb des Programms einen spontanen Halt an der Sperrmauer in Bethlehem einlegte. "Die Welt könnte all die Reden des Papstes während seines Aufenthalts bei uns vergessen, aber nicht seinen kurzen Halt an dieser Mauer", sagte Twal.

Der in ein purpurfarbenes Gewand gekleidete Geistliche war am Mittwochnachmittag in einem feierlichen Umzug von Jerusalem ins sieben Kilometer entfernte Bethlehem gereist. Nur das letzte Stück bis zur Geburtskirche legten die Kirchenrepräsentanten zu Fuß zurück. Die Christmette zelebrierte der Patriarch dem Brauch entsprechend in der katholischen Katharinenkirche, die an die Geburtskirche angrenzt; diese Basilika, die auf einen Bau aus dem 6. Jahrhundert zurückgeht, steht unter griechisch-orthodoxer Verwaltung.

Zu den traditionellen Feierlichkeiten am Geburtsort Jesu fanden sich deutlich weniger Gläubige ein als in den Vorjahren. Das israelische Tourismusministerium erwartete über die Weihnachtstage rund 70.000 ausländische Besucher.

rb/wa (afp, dpa, kna)

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