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Sehnen

Menschen wünschen sich erfahrungsgemäß vieles, Schokolade zum Beispiel oder ein neues Auto. Meist jedoch sind es die elementaren Dinge im Leben, nach denen man sich sehnt: Frieden, Liebe – oder besseres Wetter.

Wollmützen, Handschuhe, dicke Socken, Wintermantel und Schal – dabei hat der meteorologische Frühling längst begonnen. Selbst Freunde der kalten Jahreszeit werden so langsam ein bisschen unleidig. Es sollte jetzt vorbei sein mit dem Winter. Die Menschen wünschen sich wärmende Sonnenstrahlen herbei, sehnen sich nach dem Frühjahr. Die Wörter "wünschen" und "sehnen" sind nahe beieinander, wie Nachbarn. Das gilt für die Verben, aber auch für die Substantive: "das Wünschen" und "das Sehnen". Unser Stichwort ist aber nur eines der Beiden, nämlich "sehnen".

Wenn es nur anders wäre, als es ist!

Das Wort ist Ausdruck für starkes gefühlsmäßiges Verlangen. Gleichzeitig beinhaltet es den Wunsch nach Veränderung. Diese kann sich auf Raum und Zeit, auf die unmittelbaren Lebensumstände beziehen und auf das Gegenteil dessen, was gerade ist; und stets ist die Sehnsucht von dem sehnsüchtigen Wunsch begleitet, dass das, wonach sich der Mensch sehnt, alsbald in Erfüllung gehen möge.

Ein paar Beispiele: "Die Menschen sehnen sich nach dem Frühling." Was heißt das? Sie wünschen sich, dass es endlich wieder warm und hell ist. Endlich wieder. Die Veränderung, die herbeigesehnt wird, hat in diesem Beispiel mit Zeit zu tun. "Ich sehne mich nach dir. Kannst du nicht kommen?" Hier spielen Zeit und Raum eine Rolle: Die herbeigesehnte Person ist an einem anderen Ort.

Objekte der Sehnsucht

Die Sehnsucht nach Frieden, wo Krieg war oder noch ist. Die Sehnsucht nach Ruhe und Erholung, wenn Lärm und Last des Alltäglichen zu sehr an uns nagen. Wonach auch immer wir uns sehnen oder Sehnsucht haben, stets bedeutet das "Sich-nach-etwas-Sehnen" das Verlangen nach einem anderen Zustand.

Wer sich nach seiner Heimat sehnt, ist nicht zu Hause, ist weit weg, in der Fremde. Wer sich nach Liebe und Geborgenheit sehnt, ist allein – und kann dennoch unter Menschen sein. Der Gefangene sehnt sich nach Freiheit, der Frierende nach Wärme, der Dürstende nach Wasser, und wer vom Urlaub träumt, der sehnt sich meist nach den Bergen oder nach dem Meer.

Unvermeidlich: die Liebe

Die Sehnsucht nach Liebe aber, die Sehnsucht nach dem Geliebten oder der Geliebten; diese Sehnsucht ist wohl die stärkste und tiefste aller Sehnsüchte. Was treibt die Menschen mehr um als dieses Verlangen, diese unbezähmbare Sehnsucht nach dem geliebten Menschen. "In meiner Nächte Sehnen / So tief allein / Mit tausend, tausend Tränen / Gedenk' ich dein", heißt es in einem Gedicht von Georg Friedrich Daumer. Johannes Brahms hat es vertont.

Liebe und Sehnsucht sind in der Musik, der Poesie, den darstellenden Künsten und der Prosaliteratur allgegenwärtig – ein zeitloses Thema in allen Sprachen und Kulturen. "Es geht ein Sehnen durch die Welt", heißt es in einem Gedicht von Hugo C. Jüngst gleichsam stellvertretend. In diesem Gedicht geht es um die Sehnsucht nach dem Land des Friedens, dem Sehnsuchtsland. Menschen vergehen vor Sehnsucht, sie verzehren sich vor Sehnsucht, können sich dieses Verlangens und Begehrens nicht entziehen. "Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide", heißt es bei Goethe in Mignons Lied.

Sehnsüchtige und sehnsuchtsvolle Augen

Mit diesem Zitat verabschieden wir uns leise von der Sehnsucht in der Poesie und wenden uns wieder ihrer Wortgestalt zu. Die "Sehnsucht" und das "Sehnen" sind beide Verbalsubstantive; also in unserem Fall vom Grundwort "sehnen" abgeleitet. Außer diesen gibt es aber auch Adjektive mit demselben Wortstamm. Das alte "sehnlich", heute überwiegend in adverbialem Gebrauch – er wünschte sehnlichst sie zu sehen – daneben "sehnsüchtig" und "sehnsuchtsvoll".

Der Unterschied zwischen den beiden letztgenannten besteht in einer Nuance. "Das Mädchen hat große sehnsüchtige Augen". Das bedeutet, die Augen wirken oder sind immer sehnsüchtig. Das Adjektiv als eindeutiges Charakteristikum des Bezugswortes. In dem Satz: "Mit sehnsuchtsvollen Augen blickte das Mädchen aufs Meer hinaus", bezeichnet das Adjektiv einen intensiven Zustand, der nicht unbedingt von Dauer sein muss – aber das sind Feinheiten, wenn nicht gar Spitzfindigkeiten.

Sehnsucht nach Sehnen?

Diejenigen unter Ihnen, die schon die ganze Zeit auf die "Sehne" gewartet haben, müssen wir leider enttäuschen. Die wäre in einem Extra-Stichwort zu behandeln. Belassen wir es für heute beim "Sehnen". Jenem Gefühl, das uns zu etwas anderem hinzieht, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Es mag sich noch etwas hinziehen, aber der Frühling wird kommen und unsere Sehnsucht stillen.

Fragen zum Text:

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen vor Sehnsucht …?

1. vergehen

2. verlaufen

3. verstehen

Welches Wort gibt es nicht?

1. sehnlich

2. sehnbar

3. sehnsüchtig


Geht das, wonach sich jemand sehnt, in Erfüllung, so …?

1. wird die Sehnsucht gestillt

2. ist er/sie sehnsuchtsvoll

3. ist die Sehnsucht unbezähmbar

Arbeitsauftrag:

Als Sehnsuchtsland wird zuweilen ein Ort bezeichnet, an dem bestimmte Hoffnungen oder Wünsche Realität werden. Beschreiben Sie Ihr Sehnsuchtsland – egal, ob es sich dabei um einen utopischen Ort oder um ein tatsächlich existierendes Land handelt.

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