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Wirtschaft

Segen oder Fluch?

US-Präsident George Bush hat scharfe Kritik am Einfuhrverbot gentechnisch veränderter Lebensmittel in Europa geübt - und damit die Europäer indirekt für die Hungersnot in Afrika mitverantwortlich gemacht.

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Gentechnik ist meist unsichtbar

"Zum Wohl eines Kontinents, der von Hungersnot bedroht wird, rufe ich die Europäer auf, ihre Ablehnung der Biotechnologie aufzugeben", sagte George Bush am Montag (23. Juni 2003) vor dem Verband der Biotechnologie (Biotechnology Industry Association) in Washington. "Wir sollten zu einer Verbreitung sicherer, effektiver Biotechnologie ermutigen, um den Kampf gegen den Hunger weltweit zu gewinnen." Doch aus wissenschaftlich unbegründeten Ängsten hätten viele europäische Regierungen den Import aller neuen biotechnologisch veränderten Pflanzen blockiert, so der US-Präsident.

Pro und Contra Genmais

Bush appellierte an die Europäer, ihre Haltung zu ändern. US-Landwirtschaftsministerin Ann Veneman warb für einen verstärkten Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut. Die Biotechnologie könne auch Kleinbauern helfen, ihre Erträge zu steigern, erklärte sie vor Landwirtschaftsministern, Gesundheitspolitikern und Wissenschaftlern aus 120 Ländern.

Einzig im Weg stehe das Importverbot der EU. "Wegen dieser künstlichen Hürden vermeiden es viele afrikanische Nationen, in Biotechnologie zu investieren, weil sie befürchten, dass der europäische Markt für ihre Produkte verschlossen bleibt", sagte Bush. Die EU hält dagegen: Die Gemeinschaft stelle Hilfen für afrikanische Staaten zur Verfügung und sie versuche nicht, diese Länder von der Biotechnologie fernzuhalten.

Es geht nicht nur um Afrika

Verhandlungen zwischen den USA und der EU über die Zulassung von biotechnisch veränderten Nahrungsmitteln waren Mitte Juni 2003 abermals gescheitert. US-Agrarkonzerne drängen seit langem auf eine Klage gegen die EU wegen des seit fünf Jahren bestehenden Einfuhrverbots. Ihnen entgehen durch das Einfuhrverbot nach eigenen Angaben mehr als 300 Millionen Dollar im Jahr an möglichen Exporterlösen. Washington wolle nun mit Hilfe der Welthandelsorganisation (WTO) eine Aufhebung des EU-Einfuhrbanns erreichen, berichtete die "New York Times" am Freitag (20. Juni 2003). Ein erstes Urteil wird im Frühjahr 2004 erwartet.

Die EU-Kommission hat bereits versucht, das Importverbot für genveränderte Pflanzen aufzuheben. Dies scheiterte aber unter anderem an der Haltung der Verbraucher, von denen viele biotechnologisch hergestellte Lebensmittel ablehnen. Derzeit werden 60 Millionen Hektar gentechnisch veränderter Pflanzen angebaut, davon rund die Hälfte in den USA. Dabei werden die Pflanzen mit Merkmalen versehen, die sie unter anderem resistent gegen schädliche Insekten oder Krankheiten machen. (arn)

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