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Aktuell Welt

Seesterne nagen am Riff

Der Korallenschwund im Great Barrier Reef vor der Ostküste von Australien ist dramatisch. Wissenschaftler schlagen Alarm. Aber die Regierung will weiter Rohstoffe in dem Gebiet fördern.

Australiens größter Touristen-Magnet, das riesige Korallenriff vor der Ostküste des Landes ist in den vergangenen 27 Jahren um mehr als die Hälfte geschrumpft. Und die Geschwindigkeit, mit der dieser Rückgang fortschreitet, hat sich in den letzten sechs Jahren noch verschärft.

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Sorge um das Riff

Sollte sich der Trend fortsetzen, könne sich der Bewuchs in den nächsten zehn Jahren erneut halbieren, warnt Peter Doherty vom Australischen Institut für Meereskunde (AIMS) in Townsville.

Das Great Barrier Reef ist das größte Korallenriff der Welt. Es setzt sich aus mehr als 2900 Einzelriffen und vielen Inseln zusammen. Australische Forscher haben in der Zeit von 1984 bis 2012 Daten von 200 der einzelnen Riffe gesammelt und analysiert.

Der Klimawandel allein ist nicht schuld

Demnach ist nicht die Meereserwärmung in Folge des Klimawandels und die dadurch verursachte sogenannte Korallenbleiche Hauptursache für den Schwund. Sie ist nur für zehn Prozent der Verluste verantwortlich. Viel verheerendere Folgen hatten schwere Stürme (48 Prozent) und der Befall mit Dornenkronen-Seesternen (42 Prozent). Das sind einheimische Riffbewohner mit bis zu 23 Armen, die 30 Zentimeter Durchmesser erreichen können.

Wenn das Ökosystem aus dem Gleichgewicht ist und ihre Feinde wie Riesenmuscheln und -schnecken dezimiert sind, vermehren sie sich rasant und fallen ähnlich wie Heuschreckenschwärme zu Hunderttausenden ein. Eine Dornenkrone kann am Tag eine faustgroße Koralle vertilgen.

Korallen unter Wasser (Foto: picture-alliance/dpa)

Korallenbleiche, verursacht durch steigende Wassertemperatur

"Wir können die Stürme nicht verhindern, aber vielleicht können wir die Seesterne eindämmen", meinte AIMS-Chef John Gunn. "Wenn uns das gelingt, haben die Korallen eine bessere Chance, sich an die höheren Wassertemperaturen und die Versauerung der Meere anzupassen."

Das riesige Riff erstreckt sich von Cairns im Nordosten über 2600 Kilometer Richtung Süden. Mehr als zwei Millionen Taucher im Jahr werden von der einzigartigen Unterwasserwelt angelockt. Seit 1981 gehören das Riff und seine farbenprächtigen Bewohner zum Weltnaturerbe.

Mit den jüngsten Untersuchungen wächst bei den Behörden des Bundesstaates Queensland der Druck zum Schutz des hoch empfindlichen  Ökosystems im Riff. Im Juni kritisierte die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) die Pläne der Regierung von Labor-Ministerpräsidentin Julia Gillard zum Industrieausbau in Queensland.

Zudem forderte das Welterbekomitee eine unabhängige Untersuchung der Vertiefungsarbeiten im Hafen von Gladstone. Auch die Auswirkungen des Baus eines Gasterminals auf der benachbarten Curtis-Insel sollten nach Ansicht der UNESCO nochmals untersucht werden.

Doch das Umweltministerium verwies lediglich auf bereits bestehende Schutzmaßnahmen und erwiderte, die Genehmigungen für die betroffenen Infrastrukturprojekte seien bereits erteilt worden. Australien ist der weltgrößte Kohleexporteur und ein großer Teil wird von Häfen in der Nähe des Great Barrier-Riffs verschifft.

uh/hp (dpa, afp)

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