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Sport

Seeler: "Ich bin als Erster wiedergekommen"

Die Liga wird 50 und Uwe Seeler war mit seinem HSV von Anfang an dabei. Der erste Volksheld der Bundesliga, dessen Tore eine ganze Fußballgeneration prägten. Auch eine schwere Verletzung konnte ihn nicht stoppen.

"Uns Uwe" und der Hamburger Sportverein - ein Bündnis fürs Leben. Daran änderte auch ein Millionen-Angebot aus Mailand in den frühen Sechzigern nichts. Uwe Seeler blieb bodenständig, arbeitete hauptberuflich als Sportartikelvertreter und gab zu Feierabend sein Bestes auf dem Platz. Deutscher Meister, Pokalsieger, Vize-Weltmeister. Ob für den Verein oder die Nation, Uwe Seeler war der Liebling der Massen und sich für nichts zu schade.

Auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn folgte dann die wohl schwerste Stunde seiner Karriere - eine Verletzung, die fast das Aus bedeutet hätte:

DW: Februar 1965 gegen Frankfurt. Was ist da passiert, auf dem Platz?“

Uwe Seeler: Ja, was ist da passiert? Etwas, das ich selbst nicht geglaubt oder gewusst habe. Es hat nur geknallt. Ich habe das Gefühl gehabt, mich hat ein Elefant getreten. Als ich den Ball hatte, war ich kurz mit dem Spieler in Berührung gekommen, aber  das wars. Ich bin dann noch zwei, drei Meter gelaufen und dann kam der Knall. Ich bin gestürzt und lag auf dem gefrorenen, verschneiten Boden und habe nachher gehört, meine Achillessehne sei kaputt, weil mein Fuß hing.

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20. Februar 1965: Im Spiel Frankfurt gegen HSV reißt Seelers Achillessehne

Und als ich gefragt habe: 'Was ist das?', da hat man mir das erst erzählt. Am Anfang hatte ich dafür gar keinen Gedanken, außer dass man mich erstmal in die Kabine getragen hat. Dort hat man erst erzählt, was los ist. Das vergesse ich insofern nicht, weil meine Frau oben auf der Tribüne saß. Wir wollten weiter zur Sportartikelmesse. Die wusste ja auch nicht, was los war.

Sonnabends ist es passiert, am 20.2.1965, das vergesse ich auch nicht, das Datum. Montags bin ich in Hamburg schon operiert worden und ich habe mich entschieden, dass mein Vereinsarzt Kurt Fischer operiert.

Der Mittelstürmer des Hamburger SV, Uwe Seeler (l), nimmt am 05.09.1964 im Hamburger Volksparkstadion vor dem Fußball-Bundesligaspiel gegen Hannover 96 (3:0) den Goldenen Ball, die Trophäe für den Fußballer des Jahres 1964 entgegen - zum zweitenmal in seiner Laufbahn. Überreicht wird die Auszeichnung von Dr. Becker, dem Vertreter einer Fußball-Sportzeitung.

Uwe Seeler war mit 30 Treffern der erste Torschützenkönig

Ich glaube, das war seine erste Achillessehnenoperation. Aber Kurt, von dem ich wusste, dass er ein guter Operateur war, hat gesagt: 'Ich mache mich schon schlau'. Ich habe dann nur so aus Flachs gesagt: 'Na wenn das nicht klappt, kannst du deine Praxis schließen.' Da hat er gelacht. Aber es ist, Gott sei Dank, gut gegangen.

Er wusste auch, dass ich hart kämpfen kann und nach der Operation, als die gut verlaufen war, kam dann die Reha. Da wusste keiner so recht Bescheid, zu der Zeit. Heute weiß man alles, wie man was am besten macht. Aber instinktiv haben wir alles richtig gemacht und insofern bin ich ja im Verhältnis ziemlich schnell wiedergekommen. Da hat auch keiner mit gerechnet, denn ich bin der Erste, der überhaupt wiedergekommen ist.

Normalerweise bedeutete so eine Verletzung damals das Karriereende. Haben sie kurz daran gedacht?

Uwe Seeler ehemaliger Fußballspieler

"...wenn das nicht klappt, kannst du deine Praxis schließen."

Ja, das hatte man mir prophezeit. Da habe ich gesagt: Warte mal ab, erstmal will ich gesund werden. Und wenn ich dann meinen Beruf wieder ausüben kann, bin ich schon mal sehr zufrieden. Das kann ich ganz bestimmt und alles andere werden wir schon sehen. Jeder wusste, dass ich ein Kämpfer bin. Ich sage, wenigstens probieren wir es mal, ob das dann klappt, weiß ich nicht.

Und dann gab es noch den berühmten Sonderspezialanfertigungs-Schuh.

Ja, natürlich! Als es soweit war und das war ja im Juli 1965 schon der Fall: In den ersten Freundschaftsspielen habe ich immer eine halbe oder eine Dreiviertelstunde oder sogar ein bisschen länger gespielt. Im August habe ich schon wieder Punktspiele gemacht. Und mein Chef, der alte Adi [Anm.: Adi Dassler, damaliger Chef von Adidas], der hat mir den Spezialschuh mit gepolsterter Ferse gemacht, mit dem ich dann fast zweieinhalb Jahre gespielt habe. Den konnte ich schnüren, so dass ich je nach Druck den Schuh entsprechend anpassen konnte.

Wer oder was hat ihnen damals die Kraft gegeben?

Ich glaube, immer die Familie und natürlich auch meine Freunde. Ich bin ja nun kein Blindfisch in der Form, dass ich nicht wusste, was das heißt: Achillessehnendurchriss. Und mein Operateur hat mir auch Sehnen aus dem Unterschenkel rausgenommen, den Muskel verstärkt, weil er gesagt hat: 'Du bist ein Kopfballspieler, du musst wieder springen können.'

Flash-Galerie Uwe Seeler

Uwe Seeler machte 72 Länderspiele und 476 Ligaspiele für den HSV - dabei schoss er über 1000 Tore

Er hat die Sehne am Fersenbein angenäht, den Wadenmuskel aufgehängt und hat dann die Achillessehne verstärkt. Das hat er alles berücksichtigt. Nur die ersten Schritte waren natürlich schon beschwerlich. Alleine schon mal wieder anheben und belasten. Aber wir haben das beide sehr gut gelöst, weil wir uns gut kannten. Ich habe zu Hause auf der Terrasse ein kleines Schwimmbad gehabt, wo ich dann Wasser reingefüllt habe. Da sagt er: 'Da machst du Salz rein, schön Kochsalz und dann machst du leichte Tippelschritte darin und belastest das Bein auch.'

Dann bin ich zur Ostsee gefahren und nachher zur Nordsee, weil das noch salzhaltiger ist. Und das hat mir, Gott sei Dank, gut getan. Denn bei Belastung merkte ich, dass die Sehne immer wieder sehr gereizt war. Und durch das Salzwasser hat sich das immer alles ein bisschen kompensiert. Insofern habe ich das richtig gemacht.Es war harte Arbeit, aber wo ist es das nicht. Ich habe immer Spaß gehabt, auch wenn es harte Arbeit war...

Das Gespräch führten Niels Eixler und Thomas Lemmer

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