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Asien

Seegefecht heizt Spannungen in Korea an

Erstmals seit sieben Jahren haben sich Kriegsschiffe aus Nord- und Südkorea im Gelben Meer ein Feuergefecht geliefert. Beide Seiten gaben sich die Schuld. Die Vereinten Nationen und die USA mahnten zur Besonnenheit.

Südkoreanische Kriegsschiffe liegen im Hafen(Foto: dpa)

Für südkoreanische Marineschiffe in Incheon gilt nach dem Gefecht der Alarmzustand

Der südkoreanische Regierungschef Chung Un Chan teilte am Dienstag (10. 11. 2009) mit, ein nordkoreanisches Patrouillenboot habe die Seegrenze vor der Westküste der geteilten Halbinsel verletzt. Es habe Warnschüsse eines südkoreanischen Kriegsschiffes ignoriert und sei dann bei einem Schusswechsel in Brand geraten. Danach habe es in Richtung Norden abgedreht.

Der südkoreanische Regierungschef Chung Un-Chan (Foto: dpa)

Der südkoreanische Regierungschef Chung Un-Chan spricht von einer "direkten Attacke"

Der südkoreanische Fernsehsender YTN berichtete, bei der zweiminütigen Schießerei sei ein nordkoreanischer Offizier getötet worden. Drei Matrosen hätten Verletzungen erlitten. In den südkoreanischen Reihen habe es keine Opfer gegeben, gab der Generalstabschef bekannt. Während das nordkoreanische Boot erhebliche Schäden davontrug, gab es an dem südkoreanischen Schiff nur leichte Schäden. Der südkoreanische Verteidigungsminister Kim Tae Young fügte hinzu, das Boot aus Nordkorea sei bis zu 1,6 Kilometer weit in südkoreanische Gewässer vorgedrungen.

Regierungschef Chung warf den Nordkoreanern eine "direkte Attacke" vor. Im Gegenzug forderte das nordkoreanische Militär das Nachbarland auf, sich für die "bewaffnete Provokation" zu entschuldigen. Außerdem müsse es dafür sorgen, dass sich derartige Zwischenfälle nicht wiederholten. Den Vorwurf der Grenzverletzung wies die nordkoreanische Seite zurück.

Umstrittene Seegrenze

Nordkoreanischer Soldat mit Fernglas (Foto: AP)

Norkoreanische Soldaten schotten die Grenze zu Südkorea hermetisch ab

Die Seegrenze zwischen Nord- und Südkorea ist 1953 nach dem Ende des Korea-Krieges durch US-geführte UN-Truppen gezogen worden. Seither ist sie umstritten. Nordkorea erkennt sie nicht an. Zuletzt hatte es 1999 und 2002 an der Seegrenze im Gelben Meer westlich der koreanischen Halbinsel Seegefechte zwischen beiden Seiten gegeben.

Auch im vergangenen Monat hatte die Regierung in Pjöngjang Südkorea vor "rücksichtslosen militärischen Provokationen" gewarnt. Angeblich hatte Südkorea Kriegsschiffe über die Grenze geschickt und damit nach Auffassung Nordkoreas eine bewaffnete Auseinandersetzung provoziert.

Vereinten Nationen und USA mahnen zur Ruhe

UN-Generalsekretär Ban (Foto: AP)

UN-Generalsekretär Ban mahnt zur Zurückhaltung

Das Gefecht entfachte die Sorge vor neuen Spannungen zwischen beiden Ländern, und das nur eine Woche vor dem ersten Besuch von US-Präsident Barack Obama in der Region. Ein Sprecher des Weißen Hauses rief Nordkorea auf, Zurückhaltung zu üben und keine Aktionen zu unternehmen, die als Eskalation betrachtet werden könnten. Der aus Südkorea stammende UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon rief beide Seiten auf, jeglichen Streit im Dialog beizulegen.

Zuvor war aus amerikanischen Regierungskreisen verlautet, man habe sich nach monatelangen Beratungen zu direkten Gesprächen mit Nordkorea entschlossen. Präsident Obama wolle den Sondergesandten Stephen Bosworth zu Gesprächen über das nordkoreanische Atomprogramm nach Pjöngjang schicken. Ein Termin stehe noch nicht fest.

Französische Delegation eingetroffen

Ein nordkoreanischer Wachsoldat an einem Grenzposten bei Panmunjom (Foto: AP)

Ein nordkoreanischer Wachsoldat an einem Grenzposten bei Panmunjom

Bereits in Pjöngjang eingetroffen ist eine französische Delegation unter Leitung des ehemaligen Kulturministers Jack Lang, der von Staatspräsident Nicolas Sarkozy zum Sondergesandten für Nordkorea berufen wurde. Er traf am Dienstag mit dem nordkoreanischen Außenminister Pak Ui Chun zusammen. Im Mittelpunkt des fünftägigen Besuchs stehen Bemühungen um die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Staaten.

Die 248 Kilometer lange Grenze zwischen Nord- und Südkorea ist die am stärksten militarisierte auf der Welt. Hunderttausende Soldaten stehen sich dort gegenüber. In Südkorea sind auch rund 28.500 US-Soldaten stationiert.

Autor: Reinhard Kleber/Matthias von Hellfeld (afp, dpa, ap, rtr)

Redaktion: Martin Schrader/Annamaria Sigrist

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