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Fokus Osteuropa

Securitate-Akten in Rumänien: "Es sollte alles aufgedeckt werden"

Im kommunistischen Rumänien wurden viele Menschen bespitzelt. Erst jetzt kommt eine Öffnung der alten Archive in Gang. Das werde die Demokratie stärken, meint die stellvertretende Bundestagspräsidentin Susanne Kastner.

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DW-RADIO/Rumänisch: Fast 17 Jahre nach dem Sturz der kommunistischen Diktatur in Rumänien erhalten die Rumänen Einblick in das bisher ziemlich undurchsichtige Geflecht der kommunistischen Geheimpolizei Securitate. Viele in Rumänien wollen endlich Klarheit darüber bekommen, wer in diesem kommunistischen Überwachungsstaat als Denunziant gedient hat. Politiker, Journalisten aber auch Angestellte des öffentlichen Dienstes sollen auf ihre Securitate-Vergangenheit durchleuchtet werden. Kommt diese Öffnung zu spät?

Susanne Kastner: Sie kommt. Und ich glaube, das ist jetzt das Wichtige. Es ist jetzt müßig darüber nachzudenken, ob es eher hätte sein können. Es hätte eher sein können, aber sie kommt jetzt, und das ist wichtig.

Warum glauben Sie, dass es auch 17 Jahre nach dem Sturz Ceausescus wichtig ist?

Weil das eine unglaublich vertrauensbildende Maßnahme ist, die den Menschen das Vertrauen in die Demokratie gibt. Die Rumänen haben erst eine Demokratie sei 1990. Und ich glaube, dass ist für die Verfestigung der Demokratie ein unglaublich wichtiger Vorgang.

Namhafte Politiker und Journalisten sind inzwischen enttarnt worden. Einige haben die Zusammenarbeit mit der Securitate auch zugegeben. Allerdings haben sie die patriotische Seite dieser Zusammenarbeit hervorgehoben, sie hätten dem Land, dem rumänischen Staat gedient. Kann man da überhaupt einen Unterschied machen zwischen den Leuten, die freiwillig bereit waren, mit der Securitate zusammenzuarbeiten und jenen Menschen, die dazu erpresst und gezwungen wurden. Sollten diese Fälle differenziert behandelt werden oder sollte man alles aufdecken und alles verurteilen?

Es sollte zumindest alles aufgedeckt werden. Ob alles verurteilt werden soll, das lasse ich jetzt erst einmal dahin gestellt. Ich habe nie in so einem System gelebt, ich weiß aber, dass es im Osten unseres Landes dieselbe Situation gab und es Menschen gab, die gezwungen worden sind.

Das heißt, mit anderen Worten, dass deutsche Vorbild sollte ruhig kopiert werden, auch von der rumänischen Behörde, die sich mit der Aufarbeitung der Securitate-Vergangenheit beschäftigt?

Ja, der Meinung bin ich, weil es für die Menschen, die betroffen sind, so unglaublich wichtig ist - vielleicht auch manchmal in ihrem persönlichen Weiterleben. Wenn sie unter der Securitate gelitten haben oder wie im Osten unter der Stasi, ist es unglaublich wichtig, dass diese Menschen spüren, ihr Staat klärt das jetzt auf und verurteilt auch wenn angebracht.

Es ist da ja noch ein Aspekt bei der Aufarbeitung der Securitate-Vergangenheit: Denunzianten, Informanten werden aufgedeckt, aber hochrangige Offiziere der Securitate z. B., die dieses System mitgeschaffen haben, bleiben noch verdeckt, geschützt vor diesem Prozess der Aufklärung. Ist das richtig?

Nein, das ist nicht richtig. Ich denke, wenn man diese Aufklärung betreibt und wenn sie den Sinn haben soll, dass die Menschen Vertrauen in ihr Land bekommen, in ihre Demokratie bekommen, dann muss das mit hineingenommen werden.

Das Interview führte Robert Schwartz
DW-RADIO/Rumänisch, 16.8.2006, Fokus Ost-Südost

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