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Musik

Sechzig Jahre verbunden

Vor sechzig Jahren hatten Vertreter von zwölf öffentlichen Musikschulen den "Verband der Jugend- und Volksmusikschulen" gegründet. 1966 wurde er in "Verband deutscher Musikschulen" umbenannt. Ein Rücklick.

Die Initiative zur Gründung des Verbands deutscher Musikschulen (VdM) ging von Wilhelm Twittenhoff aus. Der engagierte Musikpädagoge, der selbst schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eine Musikschule leitete, wurde 1952 zum ersten Vorsitzenden gewählt. Mit seiner Schrift "Neue Musikschulen – eine Forderung unserer Zeit" hatte Twittenhoff das zukunftweisende Programm der Vereinigung vorgelegt. Heute zählt der VdM rund 920 Mitgliedschulen, an denen über 35.000 Lehrkräfte mehr als eine Million Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterrichten.

Doch 1952 mussten erst einmal Grundlagen erarbeitet werden. "Es wurde begonnen, gemeinsame Unterrichtskonzepte und Lehrpläne zu entwickeln", erzählte Claudia Wanner vom VdM. "Im Laufe der Jahre gab es dann viele große Projekte, die letztendlich auch wirklich zu dem geführt haben, was jetzt die öffentlichen Musikschulen bieten."

Gitarrenschüler mit ihrer Lehrerin (Foto: Waltraud Grubitzsch)

"Alle meine Entchen..."

Großes Engagement

Zu den nennenswerten Projekten gehören beispielsweise "Musikalische Bildung von Anfang an", mit dem schon die Kleinsten im Alter von null bis sechs Jahren erreicht werden, Initiativen wie "Musik integrativ", das sich speziell an behinderte Kinder richtet oder die "Musikalische Erwachsenenbildung an Musikschulen".

Hauptgeschäft der Musikschulen ist jedoch eine flächendeckende Angebotspalette von der musikalischen Früherziehung bis zur studienvorbereitenden Ausbildung in allen Fächern. "Es müssen unter anderem Tasten-, Streich-, Blechblas-, Holzblasinstrumente, Schlaginstrumente und Gesang angeboten werden. Und das alles von qualifizierten Lehrkräften", berichtete Claudia Wanner. "Ein wichtiger Bestandteil ist natürlich auch, dass die Musikschulen sich wirklich für alle öffnen sollen, dass wirklich alle Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit haben, die Musikschule zu besuchen, um ein Instrument oder Gesang zu erlernen."

Soziales Engagement

Claudia Wanner und Frank Hartmann vor der Fassade des Verbandshauses (Foto: DW/ Marita Berg)

Claudia Wanner und Frank Hartmann

Um den Zugang zur Musikschule für alle Kinder sicher zu stellen, ist die öffentliche Förderung eine grundlegende Bedingung für die Aufnahme einer Musikschule im VdM. Die Gebühren sind nach dem Einkommen der interessierten Familien gestaffelt. Um weitere Hemmschwellen erst gar nicht aufkommen zu lassen muss jede Musikschule darüber hinaus Möglichkeiten bieten, Instrumente auszuleihen, entweder weil man sich kein eigenes leisten kann, oder auch um herauszufinden, welches Instrument für das Kind geeignet ist.

Durch das "Bildungspaket" der Bundesregierung hat sich in jüngster Zeit der Zugang zur Musikschule für viele Menschen noch einmal vereinfacht. Seitdem beobachtet der VdM eine steigende Zahl von Schülern mit dem so genannte "Bildungsgutschein". "Die Musikschulen bieten ja eine Gebührenermäßigung für Kinder aus sozial schwachen Familien an", sagte Claudia Wanner. "Und in Kombination mit diesem Bildungsgutschein sind dann die Gebühren noch mal deutlich günstiger. Das bewirkt natürlich, dass dann auch Schüler aus sozial schwachen Familien mehr die Möglichkeit haben, Unterricht an Musikschulen zu nehmen."

Deutsche Streicherphilharmonie

Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 kam es zur Integration von über 150 ostdeutschen Musikschulen in den VdM. Mit dem ehemaligen Rundfunkmusikschulorchester der DDR fand auch eine einzigartige Institution Aufnahme in den VdM: das Jugendstreichorchester der Musikschulen der DDR.

Das 1973 auf Initiative des Berliner Dirigenten Helmut Koch gegründete Nachwuchsensemble ist vor allem durch seine enge Zusammenarbeit mit dem Rundfunksinfonieorchester Berlin bekannt geworden. Die jungen Streicher wurden von Mitgliedern des Orchesters unterrichtet. Heute treten die 11- bis 19-jährigen Kinder und Jugendlichen unter dem Namen "Deutsche Streicherphilharmonie" (DSP) auf. Viele Dozenten von früher sind bis heute in der Nachwuchsarbeit aktiv und sorgen dafür, dass das Markenzeichen des Jugendorchesters - der warme, dunkle Streicherklang - auch zum Aushängeschild der DSP geworden ist.

Die DSP vor dem Konzerthaus Berlin (Foto: VdM/ Kai Bienert)

Die Deutsche Streicherphilharmonie vor dem Konzerthaus in Berlin

Für die Aufnahme in die DSP müssen die jungen Streicher ein Probespiel absolvieren – quasi schon ein Probelauf für die spätere Berufspraxis. "Die Kinder kommen von Flensburg bis Bayern, also aus fast allen Bundesländern. Und die treffen sich dann drei-, vier-, fünfmal im Jahr zu Arbeitsphasen oder zu Konzertreisen", erzählte Frank Hartmann vom VdM, der die Arbeit mit den jungen Streichern koordiniert. "Die Jugendlichen werden durch die Dozenten künstlerisch betreut, durch den Dirigenten natürlich, und dann pädagogisch auch durch die Betreuer. Das geht so weit, dass wir auch Auslandsreisen organisieren. Wir sind dieses Jahr in Tschechien zu einem kurzen Abstecher eingeladen. Und nächstes Jahr, zum 40-jährigen Jubiläum, wollen wir entweder nach Südafrika oder nach Ecuador."

Internationale Vernetzung

Der VdM sorgt für internationale Kontakte nicht nur durch Konzertreisen der Deutschen Streicherphilharmonie. Er ist auch Mitglied in der Europäischen Musikschulunion, die ihre Hauptaufgaben im internationalen Jugendaustausch und in der Ausrichtung des "Europäischen Musikfests der Jugend" sieht. Auf Einladung eines Mitgliedslandes versammeln sich alle zwei Jahre Ensembles, Chöre, Orchester und Bands zu einem jeweils mehrtägigen Musikfestival, um Land und Kultur kennenzulernen.

Verständigungsprobleme gibt es unter den Kindern und Jugendlichen dabei keine, denn die Musik ist ihre länderübergreifende Sprache. "Bei diesen internationalen Aktivitäten erleben wir große Unterstützung durch die Bundesregierung, aber auch durch das deutsch-französische, das deutsch-polnische und das deutsch-israelische Jugendwerk, die so einen Austausch zwischen Musikschulensembles aus verschiedenen Ländern fördern", erzählte Claudia Wanner. Das sei der große Verständigungsgedanke, der nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt hat: Man versuche, junge Leute zusammen zu bringen, um das Verständnis zu fördern. "Und gerade die Musik ist natürlich der ideale Träger dafür".

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