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Kultur

Sechster Tempel für Elefantine

Auf der Nilinsel bei Assuan wollen Archäologen einen über 2000 Jahre alten Ptolemäer-Tempel wieder aufbauen. Die idyllische Insel im Nil hat bereits fünf rekonstruierte Tempelanlagen.

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Landleben in Ägypten

Als ein übereifriger ägyptischer Antiken-Inspektor 1902 auf der Nilinsel Elefantine 50 Sandsteinblöcke mit Hieroglyphen entdeckte, war er so aufgeregt, dass er seinen vermeintlichen Schatz sofort auf ein Schiff lud und nach Kairo schickte. Dort war man allerdings wenig angetan von den Steinbrocken aus der Ptolemäer-Zeit (306 - 30 v. Chr.) und verstaute sie in einer dunklen Ecke im Keller des Ägyptischen Museums. Dort hat sie der deutsche Archäologe Cornelius von Pilgrim nun aufgestöbert. Im kommenden Frühjahr, genau 100 Jahre nach ihrem Abtransport, sollen sie die 900 Kilometer weite Reise erneut antreten, diesmal allerdings nilaufwärts.

Denn in einer von den Römern auf Elefantine angelegten Ufermauer haben die Archäologen kürzlich bei einem Testschnitt in drei Metern Tiefe weitere rund 300 Blöcke entdeckt, die aus dem gleichen Tempel stammen. Der Tempel, der wahrscheinlich von Ptolemäus VI. erbaut wurde, soll in den kommenden drei Jahren mit Hilfe eines Architekten aus Genf wieder auf Elefantine aufgebaut werden. "Ein Drittel der Steine steckt immer noch in der Mauer", erklärt Pilgrim, "wir sind gerade dabei, sie Stück für Stück da herauszuziehen".

Neue Touristenattraktion

Damit hätte der auch für Touristen zugängliche Ruinenhügel auf der idyllischen autofreien Nilinsel bei Assuan eine neue Attraktion. Der neue Ptolemäer-Tempel wäre das jüngste Beispiel eines Kult-Gebäudes auf Elefantine, wo bis heute bereits fünf Tempel rekonstruiert wurden. Der älteste von ihnen ist ein für die Stadtgöttin Satet erbauter Tempel aus der frühen 6. Dynastie (rund 2300 v. Chr.) Satet mit der Antilopen-Krone wurde von den alten Ägyptern als "Bringerin des Wassers" verehrt, denn bei Elefantine lagen die mythischen Nilquellen.

Doch neben den Tempeln sind es auch die einfachen Häuser, die Befestigungsanlagen und Wirtschaftsgebäude, die das seit 1969 laufende Ausgrabungsprojekt des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) und des Schweizerischen Instituts für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde auf der Insel so spannend machen. Nirgendwo sonst in Ägypten sind die Bedingungen so ideal, um die einzelnen Epochen einer Stadt, die von 3500 v. Chr. bis ins 13./14. Jahrhundert nach Christus kontinuierlich besiedelt war, nachzuzeichnen. Denn der an einigen Stellen bis zu zwölf Meter hohe Ruinenhügel von Elefantine ist heute nicht mehr besiedelt.

4000 Jahre altes Brot entdeckt

"Das ist eine einfache Art der Grabung", meint Dietrich Raue vom DAI, "man muss einfach nur Schutt räumen". Er und seine Kollegen haben sich in diesem Winter vorgenommen, die um 2200 v. Chr. gegründete Palastbäckerei der Stadt auszugraben, deren Holzsäulen immer noch fast vollständig erhalten sind, da sie von der Asche konserviert wurden, die von den alten Ägyptern zum Brotbacken verwendet wurde. "Vor einer Woche haben wir sogar ein vollständig erhaltenes kleines Brot gefunden", erzählt Raue. "Unser ägyptischer Arbeiter war begeistert, ein 4000 Jahre altes Brot, das konnte er einfach nicht fassen."

Die Form und Größe von Brotbackbehältern dienen den Ägyptologen außerdem zur Datierung der einzelnen Schichten. Denn man weiß, wie sich die Brotformen im Laufe der Jahrtausende entwickelten. Bevorzugten die Ägypter zunächst noch größere Brote, so ließen sie später eine andere Sorte backen, die eher einem kleinen französischen Baguette ähnelte. "Die Bäcker mussten hier unter höllischen Arbeitsbedingungen schuften", meint Raue und zeigt auf eine Wand aus Lehm und Asche. Hier kauerten die Ägypter einst in einem 9 mal 15 Meter großen Raum, der schräg an den Hang gebaut war, und steckten in der ohnehin meist mörderischen Hitze Oberägyptens ihre mit Teig gefüllten Brotformen in die heiße Asche, die in kleinen Lehmmulden gesammelt wurde. (pg)

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