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USA

Sechs Monate Trump: "Er wird sich nicht verändern"

Die ersten sechs Monate von Donald Trumps Präsidentschaft waren turbulent - und doch nur Vorbote dessen, was wir in Zukunft von ihm erwarten können, sagt US-Journalistin und Biografin Gwenda Blair im DW-Interview.

DW: Donald Trump ist nun seit sechs Monaten im Amt. Frau Blair, was waren für Sie die drei bedeutendsten Ereignisse seiner bisherigen Präsidentschaft?

Gwenda Blair: Es gibt einige Dinge, die es in die Geschichtsbücher schaffen könnten. Comey [Anm. d. Redaktion: ehemaliger FBI Direktor James B. Comey] zu feuern, war eine sehr große Sache. Dann Trumps beharrliche Unterstützung von Autokraten wie zum Beispiel Putin. Und schließlich seine Unfähigkeit, irgendetwas auf die Reihe zu kriegen.

Sie als Biografin kennen Trump besser als die meisten anderen Menschen. Sind Sie überrascht von seiner bisherigen Politik?

In einem Wort: Nein. Ich behaupte nicht wahrsagerische Fähigkeiten zu haben, aber man braucht auch keine. Er hatte versprochen, er würde seine Erfahrungen als Geschäftsmann mit ins Weiße Haus bringen. Und die Menschen dachten, er würde sie zugunsten des Landes einsetzen. Ich denke, er hat seine kaufmännischen Fähigkeiten tatsächlich mit ins Weiße Haus gebracht, sie allerdings zu seinen eigenen Gunsten eingesetzt. Er hatte ein gewinnorientiertes Unternehmen, das sich über seine Marke profilierte. Und nun hat er das Weiße Haus zu einem gewinnorientierten Unternehmen gemacht, das sich ebenso über seine Marke profiliert.

USA Autorin Gwenda Blair (Matthew W. Stolper)

Gwenda Blair: Trump "hat das Weiße Haus zu einem gewinnorientierten Unternehmen gemacht"

Trump wird vorgeworfen, keine klaren politischen Überzeugungen zu haben - nicht einmal bei so wesentlichen Themen wie der Gesundheitspolitik, dem Klimawandel oder den transatlantischen Beziehungen. Stattdessen scheint es, als wolle Trump um jeden Preis Verträge abschließen, auch wenn er damit Verbündete oder Kabinettsmitglieder verprellt. Wie lässt sich diese Haltung erklären?

Sein gesamtes Leben über war er extrem auf Konkurrenz fokussiert und immer darauf aus, zu gewinnen. Und wenn er nicht auf die eine Art gewinnen konnte, tat er es eben auf eine andere.

Ein Beispiel: Am Anfang seiner Karriere - als er noch Eigentumswohnungen im New Yorker Trump Tower vertrieb - war er einmal sehr unzufrieden damit, dass ein maßstabsgetreues Modell des General-Motors-Gebäudes größer war als das des Trump Towers. Er wollte das Modell des Trump Towers vergrößern, aber eine Frau, die verantwortlich für den Verkauf war, sagte zu ihm: 'Das können sie nicht tun.' Was tat er also: Er machte das andere Modell kürzer. Das durfte er. Diese Geschichte fasst zusammen, wie er die Dinge angeht.

Trumps Präsidentschaft zeichnet sich bislang auch durch die starke Bindung an seine Familie aus. Nachdem diese ihm bereits mit seiner Wahlkampagne geholfen hat, unterstützt sie ihn nun im Weißen Haus. Das brachte bereits politische wie rechtliche Probleme mit sich - zum Beispiel als bekannt wurde, dass sein Sohn sich während des Wahlkampfs mit einem russischen Anwalt traf. Dennoch hat Trump seine Familie immer verteidigt. Besteht die Möglichkeit, dass er sich irgendwann von einem Familienmitglied lossagt?

Wenn das passiert, wäre es die einzig wirkliche Krise seiner Präsidentschaft. Trump war davon ausgegangen, dass er das Weiße Haus wie ein Unternehmen leiten könnte. Wenn du den Leuten sagst, was sie tun sollen, tun sie es. Nun stellt sich für ihn heraus, dass er es mit einem Kongress von 535 Menschen zu tun hat, die alle über ihre eigene Machtbasis verfügen und nicht so schnell einknicken. Ich denke, das war und ist noch immer ein anhaltender Schock für ihn. Dennoch gab es in der Wahrnehmung Donald Trumps bislang keine Krise. Er verschiebt und definiert seine Ziele ständig neu, zum Beispiel in der Gesundheitsfürsorge.

Aber wenn er gezwungen wäre, jemanden, der Trump heißt oder mit einer Trump verheiratet ist, zu verstoßen, würde das für ihn eine echte Krise bedeuten.

Donald Trump mit Familie (picture-alliance/dpa)

Schon im Wahlkampf immer dabei: Familie Trump

Diejenigen, die Trump verteidigen, argumentieren, er sei ein politischer Neuling und müsse erst in seine neue Rolle reinwachsen. Wird er sein Verhalten womöglich noch verändern?

Kein bisschen. Ein politischer Neuling? Er ist 71 Jahre alt und ich glaube auch seit 71 Jahren Bürger dieses Landes. Uns allen wurde in Staatsbürgerkunde beigebracht, dass es Gewaltenteilung und das System von 'Checks and Balances' gibt und dass man Kompromisse eingehen muss. In der Geschäftswelt muss man das nicht. Warum sollte er sich also verändern? Das wird er nicht tun.

Außerdem hat er eine Wählerschaft, der er versprochen hat, Washington umzukrempeln und ein großes Chaos anzurichten - und er hat geliefert. Seine Unterstützer wirken nicht unzufrieden. 

Sie sagen also, wir müssen uns darauf einstellen, dass die Dinge so weitergehen wie bisher. Was ist Ihr Ratschlag, wie wir in Zukunft mit US-Präsident Trump umgehen sollen?

Ich denke, die Medien und die Menschen im Land müssen zwei Dinge beachten: Folgt seinen Tweets und seinen Ablenkungsmanövern, um darauf reagieren zu können. Aber verliert nicht aus den Augen, was sonst im Kongress und anderen Teilen der Exekutive passiert.

Gwenda Blair ist US-amerikanische Journalistin, Hochschullehrerin und Autorin. Sie schrieb mehrere Bücher über die Familie Trump.

Das Interview führte Michael Knigge.

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