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Nahost

Sechs Jahre Haft für ein Interview

Der iranische Journalist Emadeddin Baghi ist von einem Teheraner Gericht zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Er hatte ein Interview mit dem regimekritischen Großajatollah Hussein Ali Montaseri geführt.

Der iranische Journalist Emadeddin Baghi (Foto:iran-emrooz.net)

Der iranische Journalist Emadeddin Baghi

Wie die iranische Opposition am Mittwoch (22.09.2010) im Internet berichtete, wurde Baghi bereits am Tag zuvor von einem sogenannten Revolutionsgericht in Teheran verurteilt – offiziell wegen "Verbreitung regimefeindlicher Propaganda" und "Verletzung der nationalen Sicherheit". Bis zu einer Berufungsverhandlung habe man ihn jedoch gegen Kaution auf freiem Fuß gelassen.

Der inzwischen verstorbene Großayatollah Hussein Ali Montaseri (Foto:ap)

Baghi wurde unter anderem wegen eines Interviews mit Hussein Ali Montaseri verhaftet

In der Hauptsache wird dem 48-jährige Baghi vorgeworfen, ein Interview mit dem inzwischen verstorbenen Großajatollah Hussein Ali Montaseri geführt zu haben, heißt es auf den Oppositions-Websites. Montaseri war einer der schärfsten Kritiker des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Er hatte ihm einen diktatorischen Regierungsstil vorgeworfen. Das Fernsehinterview mit dem 87-jährigen Montaseri war kurz vor dessen Tod im Dezember 2009 aufgenommen und kurz danach von der britischen BBC ausgestrahlt worden.

67 Mal in Haft

Emadeddin Baghi stand seit dem Jahr 2000 fast ununterbrochen wegen ähnlicher Anschuldigungen vor Gericht. In den vergangenen zehn Jahren wurde Baghi insgesamt 67 Mal verhaftet. Der Journalist und Menschenrechtsaktivist Baghi hat sich für die Rechte von politischen Gefangenen und von Frauen sowie gegen Folter und Todesstrafe eingesetzt. Fast fünf der vergangenen zehn Jahre verbrachte Baghi trotz gesundheitlicher Probleme im Gefängnis. Zuletzt saß er im vergangenen Dezember in Haft, nachdem er mit Hunderten von Oppositionellen nach einer Demonstration gegen die Regierung festgenommen worden war.

Autor: Thomas Latschan (afp, ap, dpa)
Redaktion: Esther Broders